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Wohin entwickelt sich Düsseldorf?
"Das Produkt ist kaum zu übertreffen"

Wohin entwickelt sich Düsseldorf?: "Das Produkt ist kaum zu übertreffen"
Vor und mit den rund 250 Zuschauern diskutierten die Gäste auf dem RP-Podium im Maxhaus. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Zum zehnjährigen Bestehen des Maxhauses stellten sich bei der Podiumsdiskussion der Rheinischen Post prominente Düsseldorfer wie OB Thomas Geisel der Frage, wohin sich die Landeshauptstadt in Zukunft entwickelt. Von Marcus Gülck

Es ist ein Thema, das alle antreibt, die die Landeshauptstadt ihr Zuhause nennen: Quo vadis, Düsseldorf? Dieser Frage stellten sich gestern Abend bei der Podiumsdiskussion der Rheinischen Post anlässlich des zehnjährigen Betsehens des Maxhauses zahlreiche einflussreiche Düsseldorfer.

"Früher Dorf am Rhein, heute Großstadt und morgen?" Mit dieser Frage konfrontierten die durch den Abend führenden RP-Redakteure Uwe-Jens Ruhnau und Denisa Richters vor rund 200 Zuschauern ihre Gesprächspartner: Oberbürgermeister Thomas Geisel, Stadtdechant Monsignore Ulrich Hennes, Architektin Claudia Roggenkämper (HPP), Michael Becker, Intendant der Tonhalle, sowie Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf.

Michael Becker (Tonhalle), Architektin Claudia Roggenkämper und RP-Lokalchef Uwe-Jens Ruhnau (r.). FOTO: Bretz Andreas

Dass sich Düsseldorf spürbar verändert hat, daran fühlte sich Geisel nachdrücklich erinnert: "Als ich 1985 zum Evangelischen Kirchentag in Stockum erstmals in Düsseldorf war, hat die Stadt bei mir nicht gerade einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dennoch bin ich 2003 hierher gezogen. Mittlerweile kann ich sagen, dass die Stadt ihr Gesicht zum Guten verändert hat." Ein Blick in die nahe Zukunft trübt diese Einschätzung nicht.

Bis 2025 werde das Auto in der Innenstadt eine geringere Rolle spielen. Es sei nicht unrealistisch, dass die Stadt dann von bis zu 680.000 Bürgern bewohnt werde. Platz für neue Einfamilienhäuser sei dann nicht mehr. "Das Produkt Düsseldorf ist kaum zu übertreffen", so Geisel, "wir müssen vielleicht noch daran arbeiten, dass die Reputation der Stadt nicht hinter dieser Qualität zurückbleibt."

Stadtdechant Ulrich Hennes (links) mit Handwerkskammer-Präsident Andreas Ehlert FOTO: Bretz Andreas

Großer Beliebtheit erfreut sich die Stadt auch als Standort für das Handwerk. "Im Regierungsbezirk Düsseldorf haben wir 58.000 Unternehmen, die rund 330.000 Menschen beschäftigen", betonte Andreas Ehlert, in Düsseldorf seien es 8000 Betriebe mit 55.000 Beschäftigten. Auch wenn der Druck auf die Unternehmen hinsichtlich verfügbarer Gewerbeflächen eher im ländlichen Raum eine zentrale Rolle spiele, so müssten auch Industrie und Handwerk in Düsseldorf die Chance erhalten, sich erweitern und entfalten zu können.

"Dafür ist ein intelligenter Mix zwischen Wohnbebauung und Flächen für Industrie, Handel und Handwerk nötig", so Ehlert. "Zum Glück ist Düsseldorf nun nicht gerade eine Stadt, die Hochhäuser sammelt", lautete der Einwurf von Claudia Roggenkämper, "dennoch muss man sich einmal Gedanken darüber machen, ob man nicht einige Gebäude um ein, zwei Stockwerke erhöhen kann. Auch mehr Durchmischung würde der Stadt sicherlich gut tun." Mit ihren Denkanstößen traf sie bei Geisel auf offene Ohren: "Ich bin der Meinung, dass man nicht nur dafür einige Regelungen entrümpeln sollte." Dabei erinnerte Geisel auch an die mehrjährige Debatte um den Hafen als Wohnraum: "Das war eine Beschäftigungsmaßnahme für Juristen, eine Debatte, die völlig an den Bürgern vorbei geführt wurde."

RP-Redakteurin Denisa Richters und Oberbürgermeister Thomas Geisel. FOTO: Bretz, Andreas

Auf breite Zustimmung des Publikums traf Claudia Roggenkämper beim Reizthema Kö-Parkplätze. "Ich halte nichts von Ihrer Idee, auf der Königsallee die Parkplätze zu entfernen", adressierte die Architektin an den Verwaltungschef. "Wir sind keine Fahrradstadt. Es hat auch Unterhaltungswert, wenn man sich in ein Café setzt und guckt, wie die aus Bochum und Bottrop mit ihren Ferraris die Kö rauf und runter fahren."

Bei allem Streben nach (städtebaulichem) Perfektionismus mahnte Stadtdechant Monsignore Ulrich Hennes den sozialen Charakter der Stadt an: "Wenn alles glatt und perfekt ist, ist das Herz nicht mehr da. Der Mensch muss auch leben können!" OB Geisel beruhigte: "Diese Stadt wird nie perfekt sein, weil sie sich in einem steten Wandel befindet." Daran habe sich auch seit 1985 nichts verändert.

Quelle: RP
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