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Düsseldorf
Das radelnde Klassenzimmer

Düsseldorf: Das radelnde Klassenzimmer
Ein Treffen kurz vor der Tour: Lehrer und Schüler des freien christlichen Gymnasiums radeln von heute an bis zum Bodensee. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Schüler des Freien Christlichen Gymnasiums unternehmen gemeinsam mit ihren Lehrern eine zweiwöchige Exkursion an den Bodensee. Das Besondere: Die gesamte Strecke legen sie mit Fahrrädern zurück - den Rhein immer im Blick. Von Sven-André Dreyer

Die wasserdichten Fahrradtaschen sind optimal gepackt, der Reifendruck stimmt, die Ketten und Gangschaltungen der sportlichen Räder sind gut geölt. Die obligatorische Regenkleidung und das Flickzeug liegen griffbereit in den Lenkertaschen: Heute starten, begleitet von ihren Lehrern Liv Marquaß (38) und Kai Regener (30), 13 Schüler des Freien Christlichen Gymnasiums in Reisholz auf eine rund 800 Kilometer lange Fahrradtour in den Süden Deutschlands. In insgesamt zwölf Tagesetappen mit jeweils rund 70 Kilometern wollen sie den deutschen Teil des Rheins ab Rheinkilometer 721 bis Rheinkilometer 0 erkunden und damit ihr großes Ziel, den Bodensee, erreichen.

Den Impuls für diese Tour gab vor rund einem Jahr Deutsch- und Geografielehrer Regener. Der ist Alumnus des gemeinnützigen Förderprogramms des Studienkollegs der Robert Bosch Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw). Die in Deutschland einzigartige Einrichtung, die im kommenden Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert, fördert derzeit rund 300 engagierte Lehramtsstudierende sowie Doktoranden mit Lehrerausbildung. Ziel ist es, angehende Pädagogen mit Führungsaufgaben vertraut zu machen. Zudem soll die spezielle Förderung bei den Stipendiaten ein Bewusstsein für schulische Gestaltungsräume außerhalb des klassischen Lehrbetriebs schaffen.

Einen dieser alternativen Gestaltungsräume erlebte Regener bereits vor rund zwei Jahren: Damals arbeitete er ein halbes Jahr als Lehrer auf einem Segelschiff im Atlantik. "Schüler dabei zu begleiten, wie sie sich Zusammenhänge erschließen und eigeninitiativ lernen, ist eine große Freude", sagt er. Dies gelinge besonders gut, wenn das Lernen fächerübergreifend erfolge und mehrere Sinne anspreche. Und so lag die Idee einer Radtour entlang des Rheins nah: "Auf unserer Tour werden wir den Fluss unter ökonomischer, ökologischer und romantischer Perspektive vollkommen neu kennenlernen", sagt Regener. Zudem sei die sportliche Leistung, eine so große Strecke allein mit dem Fahrrad zurückzulegen, eine persönlichkeitsbildende Erfahrung, die den Schülern in Erinnerung bleiben werde, ergänzt Marquaß, die an der Schule Mathematik und Sport unterrichtet.

An Vorbereitung und Durchführung der Fahrradtour, die in der zweiten Herbstferien- sowie in der ersten Schulwoche danach stattfindet, sind die Gymnasiasten maßgeblich beteiligt. Aufgeteilt in Projektgruppen, beschäftigten sie sich im Vorfeld etwa mit der Finanzierung der Tour, aber auch mit der Planung der Strecke von Jugendherberge zu Jugendherberge sowie der Verpflegung während der Etappen.

Auch die Lehr- und Lerninhalte wurden von den Schülern in Form von schriftlichen Unterlagen sowie Referaten bereits in Düsseldorf vorbereitet. So wird zum Beispiel Leonie Aufmwasser (16) die Dialektologie der Anwohner am Rhein näher untersuchen, während sich weitere Schüler mit der Wasserqualität des Rheins beschäftigen. Historisch wird es bei den römischen Wurzeln der Stadt Köln, und weil Kai Regener eben auch Geograf ist, darf natürlich ein Aspekt des Faches Erdkunde nicht fehlen: Leonid Lazareski (16) und Timo Strunz (16) werden sich mit der besonderen Architektur der Stadt Mannheim befassen. Letztlich wird auch das Fach Pädagogik nicht fehlen. "Während der Tour werde ich die Hochs und Tiefs im Zusammenleben der Gruppe untersuchen", sagt Grethe Hamm (16).

Quelle: RP
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