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Attacke auf Thilo Sarrazin in Düsseldorf
"Wer nicht mit Argumenten werfen kann, wirft mit Torten"

Das sagt Thilo Sarrazin über die Torten-Attacke in Düsseldorf
Thilo Sarrazin las aus seinem neuen Buch "Wunschdenken". FOTO: dpa, bvj pzi
Düsseldorf . Bei einer Lesung in Düsseldorf ist Thilo Sarrazin nur knapp einer Torte entgangen, die ein Mann nach ihm geworfen hat. Für den umstrittenen Autor ist das nichts, mit dem er nicht gerechnet hätte. Sorgen bereiten ihm aber andere Zwischenfälle. Von Jessica Kuschnik

Es ist kurz nach 20 Uhr, als Thilo Sarrazin mit der Lesung aus seinem neuen Buch "Wunschdenken" in der Mayerschen Buchhandlung in Düsseldorf loslegen will. "Plötzlich stand ein junger Mann auf, sagte etwas, das ich nicht verstand, und warf mit einer Torte", erzählt der umstrittene Autor. Einer der Sicherheitsleute warf sich zwischen Sarrazin und die Torte, erzählt der ehemalige SPD-Politiker. "Er bekam 70 Prozent der Torte ab, ich die restlichen 30 Prozent." 

Für Sarrazin sind Vorfälle wie diese nichts, womit er nicht rechnen würde, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Gegner hatten 2010 an gleicher Stelle Stinkbomben gelegt. "Mich wundert viel mehr, dass diese Leute sogar eine Eintrittskarte gekauft haben und in die Buchhandlung reingegangen sind, statt draußen zu demonstrieren." Vor der Buchhandlung hatten sich laut Polizei knapp 25 Protestierende "offenbar aus dem linken Spektrum" versammelt, wie ein Polizeisprecher bestätigte. Die Gruppe habe sich aber sehr bald von selbst zertreut. 

Sorge vor Attacken wie auf Lafontaine, Reker und Schäuble 

Nach dem Vorfall wurde die Lesung fortgesetzt. "Hätte ich sie abgebrochen, hätten die Tortenwerfer viel erreicht – und das ist nicht das Ziel", sagt Sarrazin. Gegen Demonstrationen vor Veranstaltungsorten, an denen er auftritt, habe er nichts – das sei das demokratische Recht eines jeden. Über den Störer selbst sagt er: "Wer nicht mit Argumenten werfen kann, wirft mit Torten." 

Sorgen mache er sich ohnehin nicht um diejenigen, die ihrer Meinung Ausdruck verleihen wollen, sagt Sarrazin - "sondern um die Verrückten. Davon braucht es nur einen, wie man bei den Angriffen auf Lafontaine, Schäuble und Reker sehen konnte." Angst habe er vor Auftritten trotzdem nicht. Dafür habe er sein Sicherheitspersonal. 

Tortenwerfer droht Gefängnis- oder Geldstrafe   

Demjenigen, der die Torte geworfen hat, droht jetzt eine Geld- oder sogar eine Gefängnisstrafe von bis zu zwei Jahren, sagt Staatsanwalt Ralf Herrenbrück. Gegen den Mann wird wegen tätlicher Beleidigung ermittelt. Diese Straftat würde nur gegen Antrag verfolgt. Thilo Sarrazin hat eine entsprechende Strafanzeige gestellt, sagt Herrenbrück. Mit seinen wurden auch die Personalien seiner Begleiterin aufgenommen. Eine Körperverletzung liege nicht vor, da es sich bei einer Torte in der Regel nicht um etwas handele, das zu körperlichen Verletzungen führe. 

Bei Twitter machen sich die Nutzer über die Aktion und Thilo Sarrazin lustig – Kritik an dem Tortenwerfer gibt es nicht. Dafür ist die Mayersche Buchhandlung selbst in den Fokus geraten und muss sich dafür kritisieren lassen, Sarrazin ein Forum zu bieten, der immer wieder wegen provokanter Thesen zum Thema Migration von sich Reden macht.

Das Unternehmen rechtfertigt sich: "Mit der Veranstaltung wollten wir eine kritische und differenzierte Auseinandersetzung im offenen Dialog einer Veranstaltung ermöglichen", sagt ein Sprecher der Mayerschen. Man habe zudem bewusst auf einen "externen, neutralen Moderator gesetzt".

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