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Düsseldorf
Das Schauspielhaus verlässt den Gründgens-Platz

Düsseldorf. Heute gibt es die vorerst letzten Vorstellungen in der großen Spielstätte. Der Umzug an den Hauptbahnhof läuft. Von Arne Lieb

In den Räumen der Kostümabteilung ist es schon leer geworden. Das wenige, was noch da ist, wartet in Kisten auf Möbelpacker. Zwei Ständer mit Kleidern stehen aber bereit - weil sie noch einmal gebraucht werden. Es sind die Kostüme für die "Comedian Harmonists" und die "Sisters of Swing". Diese Stücke stehen heute Abend in jeweils zwei (ausverkauften) Aufführungen auf dem Spielplan. Damit nimmt das Schauspielhaus vor dem Jahreswechsel für mindestens anderthalb Jahre Abschied von seiner wichtigsten Spielstätte - und startet in die letzte Phase seines Umzugs.

Bis zum Ende der kommenden Spielzeit wird das weiße Gebäude auf dem Gustaf-Gründgens-Platz nicht mehr zur Verfügung stehen. Im Theater werden Haustechnik und Fassade saniert, vor allem aber rücken in der Umgebung so viele Bagger an, dass an einen Betrieb nicht zu denken ist. Die Tiefgarage unter dem Platz wird abgerissen und neu gebaut, auf der gegenüberliegenden Seite entsteht der zweite Teil des Kö-Bogens. Das Schauspielhaus weicht so lange an zwei andere Stellen aus. Die wichtigste Spielstätte wird die bisherige Probebühne Central am Hauptbahnhof, in der auch schon das Weihnachtsstück zu sehen war, die Verwaltung zieht ins ehemalige Balletthaus nach Oberkassel.

Die Folge ist ein Umzug, wie man ihn nicht alle Tage beobachten kann. Anders als noch im Sommer erhofft, müssen alle Abteilungen mit ihren rund 150 Mitarbeitern ausziehen, also auch die 60 Büros und die Werkstätten für Kostüme, Masken und Requisiten. Zu transportieren sind deshalb unter anderem 1786 Leitzordner, 695 Bücher, 140 Kubikmeter an Requisiten, 18 Schneiderpuppen, 15 Industrienähmaschinen und zwei Bügelanlagen (die heute noch an ihrem Platz stehen, falls sie vor den Vorstellungen gebraucht werden.) Alle Bühnenbilder und sogar die 700 Scheinwerfer werden ins Central gebracht.

Der Zeitplan ist eng gestrickt, bereits am 16. Januar wird das Schauspielhaus mit Brechts "Arturo Ui" die erste Premiere im Central feiern. In der woanders so ruhigen Zeit um den Jahreswechsel herrscht deshalb Hochbetrieb. "Positiv denken und auch mit Hiobsbotschaften umgehen", hat der kaufmännische Direktor Alexander von Maravic als Leitsatz ausgegeben. Und er hofft auf Verständnis in seinem Team, dass es in den Ausweichquartieren enger wird: "Alle müssen zusammenrücken", sagt Maravic.

Neben dem Hauptbahnhof laufen derweil die letzten Vorbereitungen. Der holzfarbene Boden der Bühne wird schwarz überstrichen, der neue Notausgang fertiggestellt. Die weit sichtbare Brücke über die Worringer Straße wird zu einem gläsernen Foyer umgebaut, in der Mitte des Raumes mit Blick auf den Bahnhofsvorplatz entsteht eine Bar. Gerade sind die Buchstaben geliefert worden, die bald in den Fenstern "Düsseldorfer Schauspielhaus" bilden sollen - und die Brücke zu einer Werbung für das Theater machen.

Das Foyer soll auch dazu dienen, dass sich die Zuschauer wohlfühlen. Die erste Hälfte der Spielzeit brachte so hohe Zuschauerzahlen wie lange nicht - nun hofft man, dass die Besucher den Umzug mitmachen. Um den Eingang im Bahnhofsumfeld zu verschönern, soll eine Wand mit LED-Bildschirmen aufgestellt werden. Die kommt aber erst im Mai, vorerst muss ein Holzzaun reichen. Die Bedingungen für Aufführungen im Central sind ohnehin gut. "So eine Probebühne hat kaum ein Theater", sagt der technische Direktor Lothar Grabowsky. Es gibt zwei große und einen kleinen Saal. Alle neuen Inszenierungen wie "Terror" oder die "Comedian Harmonists" wurden von Vornherein für den Umzug konzipiert.

Bevor der Betrieb im Central startet, werden sich das Theater und seine Freunde noch einmal symbolisch vom Schauspielhaus-Gebäude verabschieden: Am 15. Januar will man gemeinsam in einer "Umzugskarawane" vom Gründgens-Platz ins Central ziehen.

Quelle: RP
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