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Düsseldorf
Das schleichende Ende der Familienläden

Düsseldorf: Das schleichende Ende der Familienläden
Karin und Manfred Bornemeyer führen seit den 1960er Jahren das Wäschehaus an der Schadowstraße - im März 2017 schließen sie es. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Das Wäschehaus Bornemeyer schließt im März nach 89 Jahren und setzt damit eine traurige Serie fort. Modehaus Eickhoff, Pelzhaus Slupinski, Spielwaren Lütgenau - viele Traditionsgeschäfte gaben in den vergangenen Jahren auf. Von Denisa Richters

Das vor wenigen Tagen bekanntgewordene Aus für das Traditions-Wäschehaus Bornemeyer, das im März 2017 nach 89 Jahren an der Schadowstraße schließen wird, fügt sich in einen seit Jahren bestehenden Trend in Düsseldorf: Immer mehr Einzahlhandelsgeschäfte in Familienhand geben auf.

Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands NRW, bestätigt in Düsseldorf eine sinkende Zahl inhabergeführter Geschäfte und eine zunehmende Filialisierung. "Die Gründe sind vielfältig." Die Frage der Nachfolge zu lösen, gelinge nicht allen. In 1a-Lagen erhöhten steigende Immobilienpreise den Druck. Höhere Mieten könnten viele nicht stemmen. Für Händler, die auch Eigentümer der Immobilie sind, steigt der Reiz, das Geschäft anderweitig zu vermieten.

Hinzu kämen Probleme in einigen Branchen. Der Internethandel, veränderte Konsumgewohnheiten, Filialisten, die ständig neue Kollektionen auf den Markt bringen und nicht nur viermal im Jahr, Mitbewerber, die Ware zu niedrigeren Preisen (oft bei geringerer Haltbarkeit) anbieten, machten es Händlern schwer. "Die Stadt kann nicht die Mieten subventionieren, aber gute Rahmenbedingungen schaffen", sagt Achten. Das seien Erreichbarkeit (auch ausreichend Parkplätze), Sicherheit und Sauberkeit.

Einige Beispiele der vergangenen Jahre: Bornemeyer Das Ehepaar Bornemeyer, das den hochwertigen Wäsche-Laden seit den 1960er Jahren in zweiter Generation an der Schadowstraße führt, gibt verschiedene Gründe an: Die Nachfolge ist nicht klar geregelt, hohe Investitionen stehen an und die Baustellensituation vor der Tür hat zu Umsatzeinbußen von 20 Prozent geführt. Die Familie behält die Immobilien, hat einen Nachmieter gefunden.

Stern-Verlag

Die renommierte Fachbuchhandlung an der Friedrichstraße hat im April dieses Jahres geschlossen - nach 115 Jahren. Laut Inhaber Klaus Janssen konnte das 5000 Quadratmeter große Geschäft, zu dem auch ein Antiquariat gehörte, nicht mehr wirtschaftlich geführt werden. Internethandel und zwei Konkurrenten im Umfeld brachten zu starke Umsatz-Einbußen. Die Immobilie soll abgerissen werden.

Eickhoff

Albert Eickhoff, seine Tochter Susanne Asbrand-Eickhoff und deren Mann Stefan Asbrand-Eickhoff gaben ihr exklusives Modehaus an der Kö 2014 auf. FOTO: Bretz

Es war über Jahrzehnte das Modehaus in Deutschland: Exklusive Marken, das war bekannt, gab es nur in dem Geschäft, das Brigitte und Albert Eickhoff einst in Lippstadt gegründet hatten, das seit 1981 fest zur Düsseldorfer Königsallee gehörte und deren Ruf prägte. Das Aus des exquisiten Traditionshauses im Frühjahr 2014 löste in der Modebranche großes Bedauern aus. Die Nachfolge war mit Susanne und Stefan Asbrand-Eickhoff zwar geregelt, doch dass in Top-Lagen wie der Kö zunehmend Luxus-Marken mit eigenen Geschäften das Bild bestimmten und die großen Labels immer striktere Vorgaben machten, ließ Albert Eickhoff die schwere Entscheidung treffen. Das Geschäft wurde an Dior vermietet.

Modeschlösschen

Auch der seit sechs Jahrzehnten bestehende Modeladen der Familie Blumhoff überlebte den Wandel der Branche nicht: Erst schloss 2009 der Stammladen an der Schadowstraße (dort erweiterte sich der Nachbar P & C), 2013 folgte der Ableger auf der Kö.

Slupinski

Alexander Slupinski führte mit seinem Bruder Peter das Traditions-Pelzhaus an der Königsallee - 2012 gaben sie es auf. FOTO: Andreas Bretz

Auch das Traditions-Pelzhaus gehörte seit 1935 fest zur Königsallee, nach 90-jährigem Bestehen gaben die Inhaber, die Brüder Peter und Alexander Slupinski, 2012 auf. Die Gründe waren, dass sich in der Familie keine Nachfolger fanden. Außerdem stand eine deutliche Mieterhöhung im Raum.

Lütgenau

1876 hatte der Großvater den Spielwarenladen Lütgenau gegründet - 2010 musste ihn der Enkel Cornelius Kolmstetter schließen. FOTO: Thomas Busskamp

134 Jahre nachdem sein Großvater das Fachgeschäft für Spielwaren gegründet hatte, verkündete Cornelius Kolmstetter im Herbst 2010 das Aus für das Traditionshaus an der Graf-Adolf-Straße. Er sah keine Chance mehr, ein Spielwarengeschäft rentabel zu betreiben. Als Gründe nannte Kolmstetter die Wirtschaftskrise, den jahrelangen U-Bahnbau und die geringen Margen im Fachhandel für Spielwaren. Noch heute engagiert er sich in der Standortgemeinschaft.

Quelle: RP
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