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Entwürfe für den Kö-Bogen II in Düsseldorf
Das sind die Ideen für das Herz der Stadt

Das sind die Entwürfe für den Kö-Bogen II
Das sind die Entwürfe für den Kö-Bogen II FOTO: Ingenhoven/ Doug and Wolf
Düsseldorf. Fünf Architekten entwickelten Entwürfe für den Kö-Bogen II. Dabei geht es um die Randbebauung des Gustaf-Gründgens-Platzes. Von Denisa Richters und Uwe-Jens Ruhnau

Die Situation heute und die Vorgaben: Der Gustaf-Gründgens-Platz vor dem Schauspielhaus gilt als missglückt: zu viel Beton, wegen der Tiefgarage darunter aus statischen Gründen nicht vernünftig zu gestalten. Mit dem Projekt Kö-Bogen und dem Abriss der Hochstraße Tausendfüßler bieten sich neue Gestaltungschancen: Der bestehende Block am Rand des Platzes (Schadow-/Bleichstraße) soll abgerissen werden. Stattdessen soll ein längerer Gebäuderiegel entstehen. In der Debatte ist zudem ein "Baufeld 4" unmittelbar vor dem Dreischeibenhaus. Es besteht auch die Möglichkeit, die Tiefgarage unter dem Platz neu zu bauen.

Mercado: Zwei Etagen Leben

Fünf Düsseldorfer Geschäftsleute haben sich von einer Markthalle in Madrid inspirieren lassen und schlagen einen solchen Treffpunkt für die City vor: mit knapp 40 Lebensmittel- und Gastroständen sowie einer Eventebene darüber – zwei Etagen geballtes Leben für die Innenstadt.

Kö-Bogen II: Entwürfe vorgestellt

Die Initiative hat viele begeistert. Im jüngsten Entwurf hat Architekt Caspar Schmitz-Morkramer die Halle näher an die Schadowstraße gerückt, damit die Sichtachsen zu Dreischeiben- und Schauspielhaus frei bleiben. Der Mercado Düsseldorf ist 14,5 Meter hoch und hat eine Grundfläche von 1200 Quadratmetern.

Ingenhoven: Ein Tal aus Gebäuden

Filigran ist der Gebäuderiegel, den der Düsseldorfer Architekt Christoph Ingenhoven, an die Schadowstraße setzt, sicherlich nicht. Mit zwei optischen Tricks wirkt es jedoch weit weniger massiv. Zum einen spielt Ingenhoven mit verschiedenen Höhen – an der Schadowstraße 25 bis 29 Meter, zum Schauspielhaus 19 Meter. Außerdem schrägt er die Fassaden ab. Schräg löst er auch den Konflikt um das "Baufeld 4": Dort setzt Ingenhoven eine kleine, verglaste Halle für Gastronomie hin. Das dreieckige Dach steigt zum Dreischeibenhaus zehn Meter an. Somit bleibt die Sichtachse auf das Schauspielhaus frei.

HPP: Großer Neubau in S-Form und freies "Baufeld 4"

Dem Düsseldorfer Architekturbüro HPP liegt vor allem das denkmalgeschützte Dreischeibenhaus am Herzen: HPP hat das 1960 eröffnete Hochhaus gebaut und war jetzt verantwortlich für die Modernisierung des Denkmals.

Zwar gehörten die HPP-Chefs Joachim H. Faust und Gerhard G. Feldmeyer nicht zu den Architekten, die das Rathaus im Auftrag des Planungsausschusses um Entwürfe gebeten hat. Sie steuerten dennoch ihren Beitrag zu der im vergangenen Sommer neu entbrannten Debatte um die Randbebauung des Gustaf-Gründgens-Platzes bei.

Es ist der einzige Entwurf, der das "Baufeld 4" in direkter Nachbarschaft zum Dreischeibenhaus komplett freilässt. Mit dem Grund halten Faust und Feldmeyer nicht hinterm Berg: Ihre Architektur-Ikone soll nicht durch zu nahestehende Gebäude beeinträchtigt werden. Stattdessen soll das Grün des Hofgartens weiter in den Platz vor dem Schauspielhaus gezogen werden.

Im Gegenzug lassen sie in sicherer Entfernung, an der Kante zur Schadowstraße Massivität zu: Die Fassade reicht bis zur westlichen Ecke der Tuchtinsel, das S-förmige Gebäude ragt weit in den neuen Jan-Wellem-Platz und auch in den Gründgens-Platz hinein.

Molestina und Snøhetta: Trapez oder Riegel

Auch das Architekturbüro Snøhetta aus Oslo wurde auf Wunsch der Stadt beauftragt, Ideen für die Randbebauung des Gustaf-Gründgens-Platzes einzureichen. Es sind zwei Entwürfe geworden: Bei einem ist das "Baufeld 4" südlich des Dreischeibenhauses bebaut, beim anderen bleibt es frei.

Gleich ist in beiden Fällen der neue Gebäudekomplex an der Schadowstraße. Es ist ein asymmetrisches Fünfeck mit einem begrünten Innenhof. Die lange Fassade, die über die Berliner Allee hinweg bis zur Tuchtinsel reicht, ist durch unterschiedliche Elemente und Materialien aufgelockert. Somit erweckt der Gebäuderiegel den Eindruck vieler kleinerer Gebäude und führt die Anmutung der Schadowstraße fort. Die Höhe des Baus entspricht den Gebäuden an der Schadowstraße.

Bei der Variante mit einer Bebauung des "Baufelds 4" sehen die Norweger eine gläserne Orangerie in Form eines schmalen, langen Quaders vor, zu der eine Freitreppe in Form eines schiefen "A" führt. Ähnlich wie bei dem Entwurf von Ingenhoven sieht Snøhetta an dieser Stelle eine schräge, zum Dreischeibenhaus ansteigende Form vor. Das ermöglicht eine breite Sichtachse in Richtung Gründgens-Platz. Anders als bei Ingenhoven ragt die Orangerie jedoch in das Blickfeld hinein.

"Zwei Plätze für Düsseldorf" nennen Architekt Juan Pablo Molestina und Grünplaner Thomas Fenner (Büro FSWLA) ihren Beitrag, der ebenfalls von der Stadt beauftragt wurde. Die beiden Planer haben den Wettbewerb zum Plangebiet Kö-Bogen II gewonnen, jetzt stellen sie ihre konkreteren Ideen vor und reagieren auch auf die jüngsten Debatten. Sie geben dem Gustaf-Gründgens- und dem neuen Jan-Wellem-Platz klare Einfassungen. Dabei setzen sie in einer Variante eine neun Meter hohe Markthalle mit Aussichtsplattform aufs "Baufeld 4", wobei die Sicht nicht ganz so frei bleibt wie bei Ingenhoven. In einer anderen Version gibt es Bäume statt der Halle. Für das Gebäude mittlerer Höhe an der Schadowstraße schlägt das Team eine Mischnutzung vor: Geschäfte, Gastronomie, Wohnen und ein Stadthotel, so dass die Innenstadt zusätzliche Belebung erfährt.

Für den Gründgens-Platz schwebt Molestina und Fenner die Umwandlung in eine poetische und urbane Landschaft vor. Mehrere grüne Inseln mit unterschiedlichen Bäumen strukturieren den Platz, dessen Oberfläche aus weißem, geschliffenen Beton hergestellt werden könnte. Es gibt Sitzbänke, Wasserfontänen und temporäre Wasserinseln.

Alle Entwürfe sehen Sie hier.

Die Diskussion der Bürger über die Pläne für die Innenstadt können Sie hier nachlesen.

(ila)
 
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