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Düsseldorf
Das Skateboard lässt den Künstler nicht los

Düsseldorf: Das Skateboard lässt den Künstler nicht los
Auf dem zweiten Blick: Ein Skater vor dem Leuchtturm von Westerheversand bei St. Peter-Ording - auf der Suche nach Skatern hat Künstler Willi Nothers auch diesen entdeckt. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Fotograf Willi Nothers zeigt in der Galerie "Töchter und Söhne" insgesamt 17 teils großformatige Aufnahmen. Alle beschäftigen sich mit dem Thema Skaten. Bereits die Aufhängung führt ins Thema. Von Bernd Scxhuknecht

Für das Gros der Menschen ist das Skateboard lediglich ein Spielzeug, mit dem Kinder Körpergefühl und Gleichgewichtssinn trainieren können. Es gibt aber auch eine Skater-Szene, für die ein Board das Vehikel zu einer umfassenden Welt- und Lebensanschauung ist. Dieses Phänomen hat Willi Nothers unter verschiedenen Blickwinkeln fotografisch festgehalten. Eine Auswahl seiner Bilder präsentiert der 38-Jährige seit gestern in seiner ersten Einzelausstellung in der Galerie "Töchter und Söhne" an der Reisholzer Werfstraße.

Seinen künstlerischen Durchbruch hatte Nothers bei einer Gemeinschaftsausstellung in der Schmiedehalle der Böhler Werke, an der auch Foto-Star Thomas Ruff teilnahm. Zuvor waren bereits einige seiner Fotos als Titelbilder verschiedener Magazine der Skater-Szene erschienen.

Ganz dem Thema angepasst ist die Technik der Hängung seiner insgesamt 17, teils großformatigen Aufnahmen. An die in die Wand gedübelten Skateboard-Achsen hat er Nylon-Schnüre befestigt, die ihrerseits mit Skateboard-Rollen beschwert sind. Mit Klemmen werden die Fotos aufgehängt. "So führt schon die Aufhängung gleich ins Thema", erläutert Nothers sein Konstrukt.

Exemplarisch zeigt ein Foto in Schwarz-Weiß das Faszinosum des Skatens. Ein Skater auf dem Brett befindet sich zwar noch auf einer Rampe und damit "am Boden", versinnbildlicht aber vor dem Himmel im Hintergrund bereits das Gefühl von Schwerelosigkeit.

Vielfach stellt Nothers auf seinen Bildern ein Spannungsverhältnis zwischen der dynamischen, vielfach auch artistischen Bewegung des Skatens und der urbanen Architektur her. "Ich meine, dass das Skaten eine urbane Sportart ist, bei der die Skater ihre urbane Umgebung nicht nur unmittelbar nutzen, sondern auch am intensivsten wahrnehmen", sagt Nothers, der in seiner Jugend kaum ohne Skateboard auf die Straße gegangen ist, sich heute allerdings mehr für das Snowboarding begeistert. Mal ist es ein Brückenpfeiler einer belgischen Autobahn, mal der Leuchtturm von Westerheversand bei St. Peter-Ording, der die jeweilige Skater-Artistik kontrastiert.

Der Zufall dürfte bei der Aufnahme eines Skaters vor einer mit dem Inschrift "Zieh an dem Finger und Du hörst eine Tuba" bemalten Mauer geholfen haben. Der Schatten der Hand des ausgestreckten Skaterarms berührt die Hand eines Graffito und weckt unmittelbar die Assoziation mit Michelangelos Fresko "Die Erschaffung Adams" in der Sixtinischen Kapelle.

Nicht nur dieses Bild führt den Versuch einer Unterscheidung zwischen Kunstfotografie und Dokumentarfotografie ad absurdum. Sehenswert sind Nothers Bilder allemal, und zwar bis zum 31. August, täglich außer Montag und Freitag zwischen 12 und 17 Uhr. Unter der Mobilnummer 01735230540 können auch individuelle Besichtigungstermine vereinbart werden.

Quelle: RP
 
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