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Serie Düsseldorfs Straßen
Das steckt hinter Ihrer Adresse

Serie Düsseldorfs Straßen: Das steckt hinter Ihrer Adresse
Die Straße Auf den Steinen verweist auf eine eigenständige Siedlung bei Hamm, die aber vom Rhein weggespült wurde, wie Dieter Jaeger erklärt. FOTO: julia brabeck
Düsseldorf. Viele Straßen wurden nach bekannten Persönlichkeiten benannt. Doch manche Namen geben Rätsel auf. Die Rheinische Post erklärt in lockerer Folge ungewöhnliche Entstehungsgeschichten. Von J. Brabeck, M. Ingel, N. Kampe und H.-I. Willner

Stadtteile Mehr als 2950 Straßen gibt es in Düsseldorf, und jedes Jahr kommen einige neue hinzu. Die meisten durch Neubaugebiete, wie das beispielsweise in der Gartenstadt Reitzenstein mit der Straße Zur Weide, im Living Circle in Flingern mit der Frank-Zappa-Straße und der Luise-Rainer-Straße und im Quartier Central in Pempelfort mit der Marc-Chagall-Straße der Fall ist. Im Vierzig549 in Heerdt tragen die Straßen Namen von schillernden Filmdiven: Marlene Dietrich, Hildegard Knef und Romy Schneider. Namen, die einen Hauch von Hollywood nach Heerdt bringen.

Manchmal werden aber auch bereits bestehende Plätze oder Wege, die bislang namenlos waren, dazu verwendet, eine Person zu ehren. So wurde vor einem Jahr ein Geh- und Radweg entlang der Straße Stockumer Höfe nach dem niederländischen Künstler Peter Royen benannt. Dieser hat drei Jahrzehnte lang das Gebäude Niederrheinstraße 20, an dem der Weg endet, bewohnt und auch dort gearbeitet.

Im Belsenpark in Oberkassel sind mit Straßennamen der Kunstmaler Theo Champion (1887-1952) und die Schauspielerin Ria Thiele (1904-1996) posthum geehrt worden. Für die Bezeichnung von Straßen und Plätzen sind die jeweiligen Bezirksvertretungen zuständig. Oft machen aber auch Firmen und Investoren Vorschläge, in Bilk gibt es zum Beispiel die Krupp-Straße, in Düsseltal die Mercedesstraße, in Flingern die Metrostraße, in Heerdt die Böhlerstraße und in Unterrath den Maritim-Platz. Das ist allerdings kein neues Phänomen. 1921 erhielt beispielsweise eine Straße in Rath den Namen Pahlshof, weil die dortige Siedlung von der Pahlschen Baugesellschaft gebaut wurde.

"Haben Straßen eine überbezirkliche Bedeutung, ist der Namensgeber beispielsweise für die ganze Stadt wichtig oder die Straße besonders groß, erfolgt die Namensgebung nicht durch die Bezirksvertretung, sondern durch den Stadtrat", sagt die Verwaltung. Das war auch bei den nach den ehemaligen Bürgermeistern Klaus Bungert und Peter Müller benannten Straßen in der Airport-City der Fall. Die Fläche zwischen Schadowplatz und Berliner Allee soll nach dem 2008 verstorbenen Oberbürgermeister Erwin bezeichnet werden. Am 28. August werden die Schilder für den Joachim-Erwin-Platz enthüllt.

Die ersten Bezeichnungen von Straßen orientierten sich an der Umgebung. Bäume, Gebäude oder besondere Landschaftsformationen wurden einbezogen. Die Straße Am Mühlenturm in Kaiserswerth ist dafür ein Beispiel. Die Ackerstraße in Flingern erinnert ebenso wie die benachbarte Flurstraße an die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts, als das Gebiet noch größtenteils aus Ackerland bestand. Auch wurden Wege danach bezeichnet, wohin sie führten, wie das beim Neusser Weg, der durch Kaiserswerth und Lohausen verläuft, der Fall war. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich das aber. "Straßennamen wurden zu Seismografen von politischen Entwicklungen", sagt Dieter Jaeger, Mitglied der Düsseldorfer Geschichtswerkstatt. Mit der Sedanstraße, benannt nach der Schlacht von Sedan von 1870, sei erstmals in Düsseldorf eine Straße nach einem Ereignis benannt worden. Straßen wurden zu Denkmälern, und die Namen hatten oft nichts mehr mit der Umgebung zu tun. So fährt man auf der Bochumer Straße in Rath nicht nach Bochum, auf der Pariser Straße in Heerdt nicht in die Hauptstadt Frankreichs und auf der Breslauer Straße in Lierenfeld nicht nach Polen. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts fing man an, Straßen und Plätze den Namen von verdienten Persönlichkeiten zu verleihen. "Ein Verdienst Düsseldorfs ist es, dass hier nicht nur militärischen Größen, sondern auch vielen Künstlern gedacht wurde", sagt Jaeger. In Düsseldorf müssen die Namensgeber aber mindestens seit einem Jahr verstorben sein, damit der geschichtliche Hintergrund abgeschlossen ist und überprüft werden kann. Der wird manchmal nach Jahrzehnten in einem anderen politischen und gesellschaftlichen Kontext neu bewertet, so dass immer wieder Forderungen nach Umbenennungen laut werden. In Unterbilk kämpft eine Anwohnerinitiative für die Umbenennung der Wissmannstraße. Ein Reichskommissar in der Kolonialzeit ist er gewesen, der für den Tod von rund 100.000 Ostafrikanern verantwortlich gewesen sein soll. Im März erst ist aus der Hans-Günther-Sohl-Straße die Luise-Rainer-Straße geworden.

Einstimmig beschloss der Kulturausschuss vor einigen Wochen, dass alle Straßennamen mit umstrittenen Bezügen auf den Prüfstand kommen. Welche das sein könnten, dazu werden Stadtarchiv sowie Mahn- und Gedenkstätte gemeinsam ein Konzept erarbeiten. Im Fokus werden auch umstrittene Akteure aus der Kolonialzeit stehen.

Quelle: RP
 
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