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Tour de France in Düsseldorf
Das Tour-Sponsoring der Messe ist unsicher

Tour de France in Düsseldorf: Das Tour-Sponsoring der Messe ist unsicher
Im niederländischen Utrecht verfolgten die Zuschauer im vorigen Jahr den Start der Tour de France. Hier zu sehen ist Alberto Contador (ESP/Team Tinkoff Saxo ) auf der Zielgeraden des Einzelzeitfahrens. FOTO: Imago Sportfotodienst
Düsseldorf. Juristen streiten, ob die Messe das Radrennen mit Millionenbetrag unterstützen darf. Einstimmiges Votum der Gesellschafter ist nötig. Von Denisa Richters und Uwe-Jens Ruhnau

Sponsoren aus der freien Wirtschaft, mit denen die Kosten des Starts der Tour de France 2017 erheblich reduziert werden sollen, kann Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) bisher kaum vorweisen. Er betont, dies liege daran, dass die Vertragskonditionen mit den Tour-Veranstaltern von der A.S.O. erst seit drei Wochen feststehen. Als so genannte Supporter (Unterstützer) werden bisher der Versicherungsmakler SVL Sports GmbH, die Augenklinik Breyer, Kaymak & Klabe und die Kanzlei vangard genannt, aber ohne Summe.

Der weitaus größere Betrag soll von städtischen Beteiligungen kommen. Dafür wurden in dem Vertrag nach Angaben von Geisel und Vertretern der Kanzlei Deloitte, die maßgeblich an der Vertragsgestaltung beteiligt war, besondere Konditionen herausgehandelt: So werden ihre Logos auch bei den Live-Übertragungen sichtbar sein, sie dürfen das Tour-Logo verwenden und jenes des Grand Départ.

Tour de France: Stadt gibt Einblicke in Vertrag

Der Flughafen ist bereits mit einer stolzen Summe auf den Tour-Zug aufgesprungen: 500.000 Euro sind laut Geisel bereits vertraglich zugesagt. "Der Start der Tour de France quasi direkt vor unserem Terminal ist eine hervorragende Gelegenheit für uns, unseren Airport einer großen internationalen Öffentlichkeit bekannt zu machen", erklärt Ludger Dohm, Sprecher der Flughafengeschäftsführung.

Anders sieht es mit den Sponsorengeldern der Messe aus. Drei Millionen Euro erwartet Geisel von dieser städtischen Beteiligung. Inzwischen streiten Juristen, ob das rechtlich überhaupt zulässig wäre. Im Raum steht unter anderem das Risiko einer "verdeckten Gewinnausschüttung", auch die Geschäftsführung der Messe könnte haftbar gemacht werden, wenn sie eine Entscheidung zum Schaden des Unternehmens trifft.

Deshalb muss eindeutig nachgewiesen werden, dass die gesponsorte Summe der Messe einen Wert in gleicher Höhe bringt. "Ich halte diese drei Millionen Euro für unzumutbar", sagt FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die Mitglied des Messe-Aufsichtsrats ist. Die Düsseldorfer Messe-Gesellschaft veranstalte kaum Publikumsmessen, deshalb werde sich ein Sichtbarsein bei der Tour nur wenig im Geschäft niederschlagen.

Fotos: Pressekonferenz zum Tour Start 2017 in Düsseldorf FOTO: dpa, mjh fdt

Im Gutachten der Kanzlei Freshfields, das der Aufsichtsrat gefordert hat, wird zum einen klar, dass Geld und Nutzen in einer Balance zu sein haben, sonst liegt Steuerhinterziehung vor. Zum anderen muss, wenn das Sponsoring ein außergewöhnlicher Geschäftsvorgang ist, der Gesellschafterausschuss entscheiden. Das ist der Fall, denn das höchste Sponsoring der Messe lag bisher bei 62.000 Euro.

Interessant ist auch: Stadt (also Geisel) und die Stadttochter IDR dürfen bei diesem Punkt nicht mitstimmen, da die Stadtvertreter sonst quasi über einen Vertrag mit sich selbst entscheiden. Die übrigen Gesellschafter - Land, IHK und Handwerkskammer - müssen sich einig sein.

Das ist keinesfalls garantiert, Geisels Alleingang beim 40-Millionen-Kredit der Messe an die Stadt hat vor allem beim Land für Unmut gesorgt. Und, ganz wichtig: Alle Verträge zum Sponsoring müssen für eine sachgerechte Beurteilung vorliegen, auch dies ist noch nicht der Fall. Die Entscheidung über die Messe-Millionen für die Tour kann sich also noch Monate hinziehen. Die Politiker im Aufsichtsrat werden zudem mitbekommen, was im Gesellschafterausschuss diskutiert wird, die Fakten müssen nämlich laut Satzung der Messe zunächst dem Aufsichtsrat vorgestellt werden.

Strack-Zimmermann sieht ein weiteres Problem, stellt infrage, dass der Vertrag, den die Stadt mit der A.S.O. abgeschlossen hat, überhaupt rechtlich bindend ist. Die Messe werde darin als Hauptpartner der Körperschaft (Stadt Düsseldorf) geführt. Nach ihrer Überzeugung, bisher ohne Zustimmung. Strack-Zimmermann verweist auf Paragraf 177 des Bürgerlichen Gesetzbuches (Vertreter ohne Vertretungsmacht) und betont: "So lange die Messe dem nicht zustimmt, haftet der Vertreter der Stadt Düsseldorf, also der Oberbürgermeister."

Quelle: RP
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