| 00.00 Uhr

Serie So Klingt Düsseldorf
Das Wohnzimmer wird zum Konzertsaal

Besucher singen auf dem Weihnachtsmarkt
Düsseldorf. Hausmusik gibt es auch im digitalen Zeitalter in vielen Familien. Auch bei den Heylls wird nicht nur zu Weihnachten musiziert. Von Katharina Pavlustyk

Die Heyll-Kinder spielen alle ein Instrument. Emma (15) beherrscht die Querflöte, Karla (13) ist Geigerin, mehrfache Gewinnerin bei "Jugend musiziert" auf Regionalebene und Mitglied im U16-Orchester der Tonhalle. Hannes (11) verbessert sein Spiel auf der Bratsche, und der neunjährige Fritz haut in die Tasten des Klaviers. Die Begeisterung wurde ihnen möglicherweise in die Wiege gelegt: Ihre Eltern, Kathrin und Jens Heyll, sind große Klassikliebhaber und Operngänger, in einem deckenhohen Regal im Wohnzimmer der Familie findet sich eine Vielzahl großer Werke, Puccinis "Turandot", Wagners "Lohengrin", Strauss' "Salome". Auch haben die zwei selbst mal Instrumente gespielt. Dass nun auch ihre vier Kinder ihr musikalisches Potenzial ausbauen - bis auf Fritz, der noch auf einen Platz wartet, lernen alle Heyll-Kinder an der Clara-Schumann-Musikschule -, ist für sie laut Kathrin Heyll eine große Bereicherung.

Die zwei Mädchen und zwei Jungs spielen nicht nur in ihrer Musikschule oder bei Konzerten in anderen Schulen. Sie geben auch Auftritte bei Familienfeiern, Hochzeiten - und zum Weihnachtsfest. "Ich spiele ,O Tannenbaum' und ,O du fröhliche', dabei singen alle. Und dann noch ,Hört der Engel helle Lieder' zusammen mit Fritz und ,Vom Himmel hoch'", sagt Hannes. Das Vorspiel der vier Kinder ist zwischen Kirchenbesuch, Weihnachtsoratorium und Bescherung zu einem festen Bestandteil an Heiligabend geworden.

Auf die Frage nach dem Warum gibt Fritz eine klare Antwort: "Weil es schön klingt, ohne Musik ist es traurig an Weihnachten." "Es geht nicht nur um die Geschenke, sondern auch um das Jesuskind, und die Musik darf auf keinen Fall fehlen", pflichtet ihm Hannes bei. Deswegen üben die beiden in den Wochen vor dem Heiligen Fest eifrig auf Bratsche und am Klavier. Ihre Schwestern beherrschen die Weihnachtsstücke und müssen nur die passenden Noten heraussuchen. Das Vorspielen ist nicht so nach Emmas Geschmack, "aber mit den Geschwistern ist es ganz schön". Auch wenn sie unterschiedliche Interessen haben - Fritz spielt Fußball, Hannes schauspielert und tanzt Hip-Hop, Karla tanzte bis vor kurzem Ballett, Emma spielt Tennis -, verbindet die vier ihre Begeisterung für Musik.

Die Kinder der Familie Heyll üben für das gemeinsame Musizieren an Weihnachten zu Hause: Fritz spielt Klavier, Hannes Bratsche und Emma Querflöte. FOTO: hans-jürgen bauer

Das Musizieren in den eigenen vier Wänden entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts von einer Liebhaberei zu Hofe zu einem schönen Zeitvertreib auch in der bürgerlichen Schicht. Damals galt eine musikalische Ausbildung insbesondere bei den Töchtern als Zeichen einer guten Erziehung im gehobenen europäischen Bürgertum. Es ging bei den Klavier- und Gesangsstunden weniger um berufliche Ziele.

Diese verfolgen auch Fritz, Hannes, Karla und Emma nicht. Sie sehen ihre musikalische Betätigung als schönes Hobby und das Vorspielen vor den Verwandten als gemeinsames Erlebnis.

Hausmusik wird nach Worten von Anna Monika Sommer-Bloch, seit 1981 an der Clara-Schumann-Musikschule und Musiklehrerin der Heyll-Kinder, heute noch in vielen Familien praktiziert. Der Wunsch nach live gespielten Klängen, von den eigenen Kindern oder Enkeln vorgetragen, schlummere in den meisten Erwachsenen. Sommer-Bloch entstammt einem Pastorenhaus, das Vorspielen in der Kirche und zu Hause gehörte für sie früher dazu. Das gemeinsame Musizieren setzt sie nun als Lehrerin fort. Und Großeltern, Onkel und Tanten, Mütter und Väter danken es ihr. Denn Musik schafft, gerade im privaten Raum, einen Zusammenhalt, etwas Gemeinsames, an dem es festzuhalten gilt, etwas Besonderes - vor allem zu Weihnachten.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Serie So Klingt Düsseldorf: Das Wohnzimmer wird zum Konzertsaal


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.