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Düsseldorf/Kamp-Lintfort
Dauercamper dürfen auf Anlage bleiben

Düsseldorf/Kamp-Lintfort: Dauercamper dürfen auf Anlage bleiben
Campingplatz Altfeld: Kann ein Wochenendhäuschen ständiger Wohnort sein? "Ja", sagen Bewohner. "Nein", meinen die Stadt und das NRW-Bauministerium. FOTO: dpa, mg
Düsseldorf. Eine ruhige Anlage vor den Toren von Kamp-Lintfort. Doch auf dem Campingplatz haben sich auch viele Dauerbewohner in festen Häusern niedergelassen. Sie dürfen wegen einer Stichtagsregel bleiben. Vor dem Verwaltungsgericht in Düsseldorf ging es um eine Regel für Härtefälle.

Der Wald ist nicht weit, die Autos fahren Schritttempo, für die Kinder ist der Dachboden ausgebaut. Kai Krüger schwärmt von seinen vier Wänden. Allerdings sollen seine Lebensgefährtin und ihre beiden Kinder nicht mit ihm wohnen, in dem Häuschen im Norden der Stadt am Niederrhein. Das hat die Stadt Kamp-Lintfort mitgeteilt. Denn das 50 Quadratmeter große Blockhaus steht auf dem Gelände einer Freizeitanlage: Sie wurde als Campingplatz geplant, aber Krüger und viele seiner Nachbarn wohnen dauerhaft auf dem Gelände. Der 46 Jahre alter Lokführer Krüger hat das Häuschen vor ein paar Jahren günstig gekauft - verglichen mit den Preisen in der Stadt. Seinen ersten Wohnsitz hat er vor vielen Jahren dort angemeldet und damit lange vor dem von der Stadt Kamp-Lintfort ausgegebenen Stichtag am 25. Mai 2014.

Wer davor seinen Erstwohnsitz angemeldet hat, der wird geduldet. Weil aber die Verlobte des Lokführers und ihre beiden Kinder den Stichtag verpasst hatten, trafen sich beide Seiten am Mittwoch in Düsseldorf vor dem Verwaltungsgericht. Denn das nordrhein-westfälische Bauministerium hat Kommunen wie Kamp-Lintfort angewiesen zu überprüfen, ob Bewohner das ganze Jahr über auf Campingplätzen leben. Es wies zudem an, diese illegale Nutzung der Bereiche zu beenden, schließlich sei die ganze Infrastruktur auf eine temporäre Nutzung ausgelegt. In ganz NRW sind Dauerbewohner auf Campingplätzen betroffen. Auf der Freizeitanlage im Norden von Kamp-Lintfort mit mehreren Hundert Wochenendhäusern waren vor fünf Jahren 338 Bewohner mit erstem Wohnsitz gemeldet, Anfang 2016 waren es immer noch 304. "Die Stimmung schwankt zwischen Wut und Unverständnis", berichtet der 46-Jährige in einer Verhandlungspause über die Lage auf dem Platz.

Und wie der Lokführer, der in einer Jacke seiner Eisenbahngesellschaft auf dem Gerichtsflur steht, klagen andere Nachbarn, weil ihnen Nahestehende den Stichtag verpasst haben: eine pflegebedürftige Seniorin, die zu ihrer Tochter gezogen ist, eine Frau, die gerade einen Häuslebesitzer im Freizeitpark geheiratet hat - und eben die Lebensgefährtin von Kai Krüger. Einfach ist es nicht für die Stadt Kamp-Lintfort: "Das Ministerium hat eine Handlungsanweisung gegeben", sagt ein Vertreter im Gerichtssaal. Doch am Mittwoch findet sich in allen Fällen eine Lösung, und die Streitparteien vergleichen sich mit Hilfe der Verwaltungsrichter: Die alte Dame soll lebenslang wohnen bleiben können, die frisch Angetraute kann sich anmelden, und im Fall von Kai Krüger bekommt das Paar eine Frist, damit es heiraten kann. Doch leicht tut sich die Stadt nicht. Der Vorsitzende Richter Christoph Werthmann fragt sogar direkt: "In welchem Zugzwang stehen Sie gegenüber ihrem Ministerium?". Das sei halt eine übergeordnete Behörde, sagte der Prozessvertreter der Stadt am Niederrhein: "Wir müssen mit dem Ministerium klarkommen".

(lnw)
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