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Düsseldorf
Dem Handwerk fehlt der Nachwuchs

Düsseldorf: Dem Handwerk fehlt der Nachwuchs
Handwerkskammer-Präsident Andreas Ehlert sagt: " 9000 Unternehmer aus dem Regierungsbezirk sind 60 Jahre oder älter." FOTO: end
Düsseldorf. Noch geht es dem Handwerk in Düsseldorf gut - es gibt nur neun Betriebe weniger als im Vorjahr. Doch immer weniger junge Menschen entscheiden sich für einen Handwerksberuf. Das führt zu akutem Fachkräftemangel. Von Carolin Skiba

26 Interessenten hat es bislang gegeben, die das Unternehmen von Peter Bauer* weiterführen wollten. Zu einer Übernahme des Elektrotechnik-Betriebes ist es bislang allerdings nicht gekommen. Den einen war der Betrieb mit elf Mitarbeitern am Ende doch zu groß, die anderen scheiterten an der Finanzierung. "Wir haben zwar keine Kreditklemme im Moment, aber die Banken prüfen dennoch sehr genau, ob es Eigenkapital gibt, oder die nötigen Sicherheiten vorhanden sind, bevor sie einen Kredit vergeben", sagt Kai Hambüchen von der Handwerkskammer Düsseldorf. Er ist einer von zwölf Betriebsberatern, die Unternehmern dabei helfen, einen Nachfolger zu finden.

In Düsseldorf gibt es aktuell 7888 Handwerksbetriebe - das sind neun Betriebe weniger als im Vorjahr. Das ist keine Zahl, die den Präsidenten der Handwerkskammer, Andreas Ehlert, zum jetzigen Zeitpunkt beunruhigt. Ohnehin ist das Düsseldorfer Handwerk im gesamten Kammerbezirk am besten aufgestellt. Der Konjunkturindex, der die wirtschaftliche Lage und Entwicklung einer Stadt misst, ist mit 88 Prozent auf einem "historischen Hoch", wie Ehlert sagt. "Schwierig wird es in den kommenden fünf bis sieben Jahren", sagt er.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Vor allem ist es das zunehmend hohe Alter der Betriebsinhaber. Ehlert: "Rund 9000 Unternehmer aus dem Regierungsbezirk sind 60 Jahre oder älter." Für die, die bald in Rente gehen und den Betrieb abgeben wollen, müssen Nachfolger gefunden werden, was zum nächsten Problem führt: Es fehlt an Nachwuchs. Ehlert: "Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für einen Handwerksberuf." Die hohe körperliche Anstrengung und die teilweise geringe Vergütung würden viele abschrecken. "Wir müssen den Nachwuchs für handwerkliche Berufe wieder mehr begeistern", sagt Ehlert. Früher sei es üblich gewesen, den Betrieb der Eltern zu übernehmen. "Viele sehen aber, dass die Eltern sehr hart arbeiten, selten zu Hause sind und dabei viel Ärger haben", erklärt Hambüchen. Auch ist es seltener geworden, dass ein qualifizierter Mitarbeiter den Betrieb übernimmt. Hambüchen: "Selbst mit einem Meistergehalt kann man nicht so viel Geld zurücklegen." Die meisten hätten eine Familie zu versorgen und womöglich ein Haus abzubezahlen. "Der Enthusiasmus, ein Unternehmen führen zu wollen, und es finanziell auch führen zu können, sind zwei unterschiedliche Dinge", meint Hambüchen.

Mit diesem Problem muss sich auch Peter Bauer auseinandersetzen. Er hofft jedoch weiter, seinen Betrieb nicht schließen zu müssen.

*Name auf Wunsch geändert.

Quelle: RP
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