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Panu Routila
"Demag wird wieder europäisch"

Düsseldorf. Der finnische Konzern Konecranes kauft die Düsseldorfer Firmen Gottwald und Demag. Der Vorstandschef spricht über die Übernahme Von Thorsten Breitkopf

Kaum eine Düsseldorfer Firma wechselte so oft ihren Besitzer wie Demag Cranes aus dem Düsseldorfer Süden. Einst ein Teil des Mannesmann-Konzerns, fiel der Kranbauer erst an Siemens, dann an den Hedgefonds KKR, wurde dann mit viel Aufwand an die Börse gebracht und notierte im mittelgroßen Segment MDax. Schließlich versuchte dann vor etwa viereinhalb Jahren der US-Baumaschinenhersteller Terex die Demag zunächst feindlich, dann einvernehmlich zu übernehmen. Demag wurde von der Börse genommen, Altaktionäre zwangsabgefunden (Squeeze out). Damals war noch ein anderer Interessent im Spiel: der finnische Kranbauer Konecranes. Dieser kommt nun zum Zuge und erwirbt die Sparte Terex Material Handling and Port Solutions (MHPS) von Terex. Wir sprachen mit dem Vorstandsvorsitzenden von Konecranes, dem Finnen Panu Routila.

Herr Routila, warum haben Sie damals beim Wettbieten mit Terex nicht bereits den Zuschlag für die Übernahme von Demag bekommen?

Routila Ganz einfach: Die Transaktion war uns damals zu teuer. Terex hat damals mehr geboten als wir. Heute sieht die Situation anders aus.

Unter dem Namen Demag firmieren diverse Firmen, Hersteller von Autokranen und Ähnliches. Was genau erwerben Sie?

routila Wir übernehmen die Sparte MHPS. Dahinter stecken der Bereich für Hafenmobilkrane in Benrath, der unter der berühmten Marke Gottwald bekannt ist, und die Sparte Industriekrane im westfälischen Wetter. Die Sparte Autokrane mit dem Namen Terex Demag aus dem saarländischen Zweibrücken verbleibt aber beim Terex-Mutterkonzern.

Sie sagten, damals war es zu teuer, was zahlen Sie heute?

Routila Wir haben eine Lösung mit Beteiligung der Amerikaner gefunden. Zunächst sollten ja Terex und Konecranes in Gänze fusionieren. Das wurde nichts. Jetzt wird die amerikanische Terex an der neuen, börsennotierten Konecranes ein Aktienpaket von 25 Prozent erhalten. Darüber hinaus zahlen wir 723 Millionen Euro an unsere amerikanischen Partner.

Welche Vorteile versprechen Sie sich von der Akquisition?

Routila Konecranes ist mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro die Nummer eins in der Branche der Kranbauer, Demag ist mit 1,3 Milliarden die Nummer zwei. Zusammen sind wir weit vorn.

Konecranes ist sicher nicht jedem ein Begriff . . .

Routila Konecranes wurde 1994 durch Ausgliederung vom finnischen Unternehmen Kone, bekannt durch Produkte wie Aufzüge und Rolltreppen, als eigenständiges Unternehmen gegründet. Konecranes ist zu 100 Prozent an der Börse notiert, hat seinen Sitz im finnischen Hyvinkää und beschäftigt heute 11.000 Mitarbeiter weltweit. Wir sind auf den Bau von Kranen aller Art spezialisiert. Demag Cranes passt vom Produktportfolio wunderbar zu uns.

Was wird aus den Marken Demag und Gottwald im neuen Konecranes-Konzern?

Routila Beide Traditionsmarken werden wir selbstverständlich behalten. Gottwald steht seit Jahrzehnten für technologisch hochwertige und innovative Hafenmobilkrane. Über die Nutzung der Marke Demag haben wir mit Terex eine Vereinbarung getroffen und dafür eine Holding gegründet, so dass auch dieser Markenname erhalten bleibt.

Wie unterscheidet sich die finnische von der deutschen Unternehmenskultur? Bei Demag hatte sich nach dem Einzug der Amerikaner diesbezüglich ja viel geändert.

Routila Die deutsche und die finnische Unternehmenskultur sind sehr nah beieinander, verglichen mit der amerikanischen. Finnland und Deutschland sind ähnlich und sehr europäisch. Wir sind zwar wertorientiert, müssen wirtschaftlich sein, aber wir haben eine offene und transparente Firmen-Kultur. Die Mitarbeiter haben sehr viel Freiheit, selbst zu entscheiden. Nachhaltigkeit ist uns wichtig, nicht der schnelle Profit. Nur zufriedene Mitarbeiter machen auch Profite, das wissen wir nur zu gut und werden es auch in Düsseldorf und Wetter leben. Außerdem sind wir - genau wie die Deutschen - stolz auf unsere Ingenieure. Die finnischen Ingenieurstudenten lernen bei uns mit deutschen Büchern.

Als Terex damals Demag Cranes übernommen hatte, hat deren damaliger Chef Aloysius Rauen mehrjährige Stellen- und Standortgarantien für die deutschen Werke ausgesprochen. Tun Sie das auch?

Routila Wir wissen noch nicht genau, was die Zukunft bringen wird. In manchen Produktionsstätten ist die Auslastung heute nicht so hoch. Wir müssen auf Effizienz setzen, aber auch das Marktwachstum kann die Auslastung steigern. Meine Philosophie lautet: Der beste Weg, seinen Job zu sichern, ist, einen guten Job zu machen.

Wird es jetzt zum Heben von Synergien kommen, oder ergänzen sich Konecranes und Demag ihrer Ansicht nach eher?

Routila Wir waren bislang Wettbewerber, aber es gibt ein riesiges Ergänzungspotenzial. Konecranes ist eher auf der Nordhalbkugel stark, MHPS eher auf der Südhalbkugel, etwa auch in Lateinamerika. Außerdem öffnet die Akquisition auch ganz neue Märkte. Denken Sie etwa an die Automated Guided Vehicles, (AGV/fahrerlose Transportfahrzeuge) von Demag, die in Benrath entstehen. Das ist eine tolle Ergänzung zu unserem Produktportfolio.

Sehen Sie Demag als Investment, oder haben Sie andere Absichten?

Routila Wir sehen Konecranes als das endgültige Zuhause für Demag. Das ist keine Finanz-Transaktion. Demag wird Teil von Konecranes sein und bleiben.

Was sagen die deutschen Mitarbeiter zu dem erneuten Eigentümerwechsel?

Routila Es ist skandinavische Kultur, Arbeitnehmervertreter frühzeitig mit einzubinden. So haben wir auch bei dieser Übernahme frühzeitig mit rund 130 Mitarbeitern gesprochen, darunter vielen Arbeitnehmervertreter.

Wird auch in Düsseldorf weiter ein Verwaltungssitz sein?

Routila Düsseldorf bleibt weiter ein Ingenieursstandort und auch ein Verwaltungssitz.

Quelle: RP
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