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Achenbach-Prozess in Düsseldorf
Demnächst Gerichtsverhandlung im Garten des Aldi-Gründers

Hintergrund: Das ist Helge Achenbach
Hintergrund: Das ist Helge Achenbach FOTO: Endermann, Andreas
Düsseldorf. Kunstberater Helge Achenbach und die Erben von Unternehmer Berthold Albrecht (Aldi) streiten vor Gericht um die Echtheit von vier Muñoz-Skulpturen. Am Dienstag sagte Kunstgießer Schmäke aus. Beim nächsten Termin will das Gericht sich die Werke vor Ort anschauen. Von Stefani Geilhausen

Bislang hat die 6. Zivilkammer des Düsseldorfer Landgerichts über die Kunstwerke, die Helge Achenbach dem verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht mit heimlichen Preisaufschlägen in Millionenhöhe verkauft hat, viel gehört. Demnächst werden sich die Richter zumindest vier davon auch ansehen: Denn die Vierergruppe aus dem "Conversation Piece" von Juan Muñoz im Albrechtschen Garten trägt angeblich dieselbe Nummer wie das Ensemble des spanischen Bankhauses Santander. Die Albrecht-Erben halten sie deshalb ebenso wie die Erben des 2001 verstorbenen Künstlers für einen unautorisierten und deswegen wertlosen Nachguss.

Achenbach will die Gruppe als kleine Aufmerksamkeit von Muñoz selbst erhalten, zum 40. Geburtstag an seine Frau weiterverschenkt und schließlich den Verkauf für eine Million Euro an Berthold Albrecht eingefädelt haben.

Helge Achenbach genießt seinen ersten Tag in Freiheit FOTO: Bretz, Andreas

Die Aussagen der Muñoz-Erben brachten den renommierten Düsseldorfer Kunstgießer Karl-Heinz Schmäke in Erklärungnot. In Begleitung seines Anwalts versicherte er gestern dem Gericht, in Muñoz' Auftrag zwei Auflagen des 22-teiligen Gesamtwerks "Conversation Piece" gegossen zu haben. Von 2001 bis 2004 seien bei ihm 44 Figuren-Paare - je zwei Güsse einer Figur - entstanden, die Gussform danach sofort vernichtet worden. So habe er es mit Muñoz vereinbart, und dass der im August 2001 gestorben war, habe für die Gießerei keine Rolle gespielt - wenn der Auftrag einmal erteilt sei, wären weitere Absprachen nicht üblich.

"Die Künstler vertrauen uns", sagte Schmäke, der auch die Vorgeschichte des Kunstwerks beschrieb: 22 Figuren, die Muñoz in Spanien für die Münchener Allianz hatte gießen lassen, hatten sich dort als nicht wetterfest erwiesen. Der Konzern reklamierte, Muñoz gab bei Schmäke einen hochwertigeren Guss in Auftrag - und baute die Allianz-Retouren zum von Schmäke gegossenen Conversation-Piece um. Bevor sie nach Madrid zurückgeschickt wurden, waren sie allerdings wieder in den Urzustand versetzt werden. Ihr Verbleib ist unklar.

Bezahlt wurde Schmäke von Helge Achenbach, der die Figuren auch abholen ließ. Auch das sei einst mit Muñoz so vereinbart worden. Weitere Abgüsse aus der Gießerei Schmäke jedenfalls gebe es nicht. Ob die Figuren in Albrechts Garten wirklich seinen Stempel tragen, will er beim Ortstermin nun als sachverständiger Zeuge prüfen.

Quelle: RP
 
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