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Düsseldorf
Der Anschluss nach dem Abschluss

Düsseldorf: Der Anschluss nach dem Abschluss
Auf dem Weg in den Job (v.l.): Sultan Sali, Lehrerin Annette Winter, Basmalah Alsalm Trat, Ganimete Sadriu, Koray Housein und Mertcan Gagdat. FOTO: David Young
Düsseldorf. Wenn Jugendliche nach der Schule die passende Ausbildung finden möchten, müssen sie sich frühzeitig Gedanken um ihre Zukunft machen. Die Schulen unterstützen sie längst mit speziellen Angeboten - und Hilfe aus der Wirtschaft. Von Sven-André Dreyer

Ganimete Sadriu ist in ihrem Element. Sie erzählt über die unterschiedlichen Ausbildungsmöglichkeiten bei Edeka Zurheide in Reisholz, spricht davon, dass Schüler neben den Ausbildungen zu Verkäufern, Einzelhandelskaufleuten und Köchen nun auch als Konditoren und Frischespezialisten ihren Weg in das Berufsleben finden können. Und ganz neu, so die 29-Jährige, die bei Edeka als Ausbildungsbeauftragte tätig ist und erste Schnuppertage im Unternehmen vermittelt, sei die Ausbildung zu Kaufleuten für Büromanagement.

Die Schüler der Freiherr-vom-Stein-Realschule in Bilk folgen den Ausführungen Sadrius. Gemeinsam mit Lehrerin Annette Winter (49) haben sie sich mit ihr im Raum "BOB" getroffen, dem Berufsorientierungsbüro der Schule. Hier laufen alle Fäden zusammen, wenn es um ihre berufliche Zukunft geht, hier werden sie beim Verfassen von Lebensläufen und Bewerbungsanschreiben unterstützt, nutzen die Computer, um online nach Praktikumsplätzen und Ausbildungsstellen zu recherchieren.

"Letztlich", so erklärt Winter, die an der Schule für die Koordination der Berufswahl zuständig ist, "beschäftigen sich die Schüler von Beginn der fünften Klasse an mit ihrem späteren Berufseinstieg und lernen die unterschiedlichen Perspektiven kennen."

Dazu gehören neben Tagespraktika in der 7. Klasse auch die Unterstützung durch den sogenannten Berufswahlpass NRW. Initiiert durch das Schulministerium des Landes, soll der Pass - abgestimmt auf die Anforderungen und Bedürfnisse der Schüler - seit dem Schuljahr 2013/2014 den aktuellen Prozess der Berufs- und Studienorientierung entsprechend der Landesinitiative "Kein Abschluss ohne Anschluss" unterstützen. Auch eine in der 8. Klasse verpflichtende Potenzialanalyse soll Schülern ihre Stärken, und so in Frage kommende Berufsbilder aufzeigen. Durch die enge schulische Bindung zu externen Partnern, zum Beispiel den Handels- und Handwerkskammern sowie der Unternehmerschaft NRW, werden nach Auswertung der Praxiswochen, an denen die Schüler schulbegleitend teilnehmen, Faktoren wie Kommunikations- und Teamfähigkeit analysiert. Indizien, die für oder gegen die Wahl eines bestimmten Berufes sprechen.

"Darüber hinaus ist auch die Unterstützung durch das Berufsinformationszentrum, kurz BiZ, eine wichtige Komponente für den Berufseinstieg", sagen Ausbildungskoordinatorin Ursula Uebbing und Schulleiter Jürgen Weitz von der Dieter Forte-Gesamtschule in Eller. Die ebenfalls verpflichtenden Informationsveranstaltungen zeigen den Schülern Wege in Ausbildung und Studium, facettenreiche Berufsbilder und Anforderungen, Möglichkeiten von Weiterbildung und Umschulung sowie aktuelle Arbeitsmarktentwicklungen auf.

Auch die Teilnahme am bundesweiten "Boys- und Girls-Day" eröffnet den Schülern neue Möglichkeiten und einen Blick über den Tellerrand: Sie lernen Berufe kennen, an die sie vielleicht noch nie gedacht haben. Denn geht es um die Berufswahl, so entscheiden sich Schüler häufig geschlechtsspezifisch: Jungs wählen Berufe wie Kfz-Mechatroniker oder Industriemechaniker, die traditionell meist von Männern gestellt werden.

Dennoch gibt es viele andere Berufsfelder, in denen männliche Fachkräfte und Bezugspersonen gesucht werden. Zum Beispiel im sozialen, erzieherischen oder pflegerischen Bereich. Das gilt genauso umgekehrt.

"Die Anforderungen an Auszubildende sind extrem gestiegen", sagt Klaus Peter Vogel, Leiter der der städtischen Hauptschule Bernburger Straße. Und dennoch: "Durch einen Strauß vielfältiger Unterstützungen, verbindlich und individuell auf den einzelnen Schüler abgestimmt, bringen wir jeden auf die Spur. Auf der Straße steht nach der Schule niemand."

Quelle: RP
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