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Düsseldorf
Der besondere Kick: Pfarrer gegen Imame

Düsseldorf: Der besondere Kick: Pfarrer gegen Imame
Haben mehr als nur Fußball im Kopf (v. l.): Diakon Michael Inden, Sejfuddin Dizdarevic vom Kreis der Düsseldorfer Muslime und Pfarrer Uwe Gerrens FOTO: Bauer
Düsseldorf. Mit einem außergewöhnlichen Fußballspiel setzen Protestanten, Katholiken und Muslime am Fronleichnamstag ein Ausrufezeichen. Spaß und Emotionen sind erwünscht. Das erhoffte Signal: Gemeinsam lebt sich's besser. Von Jörg Janssen

Der Funke sprang sofort über, als Pfarrer Uwe Gerrens von der Evangelischen Stadtakademie, Diakon Michael Inden, Präses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) in Düsseldorf, und Sejfuddin Dizdarevic vom Kreis der Düsseldorfer Muslime (KdDM) bei einem Neujahrsempfang über das Runde sprachen, das ins Eckige muss. "Fußball ist halt eine Sprache, die Menschen besser verstehen als trockene Vorträge in halbdunklen Räumen über theologische Spezialthemen", sagt Dizdarevic. Kurzerhand schlug der 38-jährige Familienvater, der vor 20 Jahren aus Bosnien an den Rhein kam, den beiden Seelsorgern ein Spiel vor, dass es so in Düsseldorf noch nie gab: Imame kontra Pfarrer. Ein Ehrenspiel außerhalb der regulären Wertung, eingebettet in das seit einigen Jahren stattfindende Turnier des muslimischen Dachverbandes KdDM.

Natürlich ist dieser Kick mehr als eine fröhliche Feiertagspartie. Nicht nur Tore sollen fallen, auch Vorurteile könnten purzeln. "Ist doch gut, wenn die Zuschauer sehen, dass Imame nicht mit dem Krummsäbel über den Rasen hechten und das Teil zücken, wenn die anderen wagen, ein Tor zu schießen", sagt Inden und lacht über das ironische Zerrbild. Auch Dizdarevic schmunzelt. "Wir sind längst Teil der Düsseldorfer Stadtgesellschaft, manche leben in der dritten Generation hier, es ist Zeit für noch mehr Miteinander." Dass der Schuss in der Bezirkssportanlage Benrath im schlimmsten Fall nach hinten losgehen könnte, weil der ein oder andere Anfeuerungsruf aus dem Ruder läuft, glaubt Pfarrer Gerrens, der in der Stadtakademie den christlich-islamischen Dialog betreut, nicht: "Wir sind auf dem Platz, es wird gelaufen, es wird gebrüllt. Das gehört einfach dazu. Am Ende geht es um die richtige Mischung aus Konfrontation und Regeln, die eingehalten werden. Ich bin sicher, dass wir das hinkriegen."

Jeweils sechs Seelsorger (plus Torwart) bilden eine Mannschaft. Gespielt wird 15 Minuten lang. Besonders freut sich Gerrens über das gemischte christliche Team. "Ich war nicht sicher, ob die Katholiken an diesem für sie so besonderen Tag mitmachen." Inden schmunzelt: "Solange die Bälle nicht während der Prozession über uns hinwegfliegen", sagt er und freut sich über die Tatsache, dass Pfarrer beider Konfessionen - seiner Erinnerung nach - erstmals in einem gemeinsamen Team spielen. Überzeugungsarbeit bei den Katholiken musste der verheiratete Diakon und Vater von drei Kindern trotzdem leisten. Ein bisschen Klinkenputzen sei schon nötig gewesen, meint er. Weniger wegen der Protestanten. "Ein Spiel bei einem eigentlich muslimischen Turnier ist nunmal ungewöhnlich, da braucht man schon Argumente."

Doch gute Argumente haben Inden und seine beiden Mitstreiter. Zusammengeschweißt hat die drei ihr Engagement gegen die so genannte "Dügida", die eine von ihr behauptete, angeblich drohende Islamisierung des Abendlandes im Namen führte und bei einer Demo nicht davor zurückschreckte, auch an einer Moschee vorbeizuziehen. "Uns wurde klar, was wir auf keinen Fall wollen: Nämlich überwiegend nur neben- statt miteinander zu leben", sagt Gerrens. Und Dizdarevic ergänzt: "Die komplette Zivilgesellschaft, Alt und Jung, ja man kann sagen ganz Düsseldorf hat bei diesem Thema an einem Strang gezogen. Das hat uns beeindruckt und motiviert, neue Brücken zu bauen."

Ihr Engagement wollen die drei Organisatoren im kommenden Jahr fortsetzen. Dann könnte der Kick um noch eine Facette reicher werden. "Wir sind mit dem neuen Rabbi der Jüdischen Gemeinde im Gespräch. Er soll die Rolle des Schiedsrichters übernehmen und hat bereits Sympathie für diesen besonderen interreligiösen Einsatz erkennen lassen", sagt Dizdarevic.

Quelle: RP
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