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Düsseldorf
Der Boom der Kundenkarten

Düsseldorf: Der Boom der Kundenkarten
Marik Hermann (l.) und Tobias Weiper, Gründer von Evopark. Ihre Karte berechtigt zur Einfahrt in diverse Düsseldorfer Parkhäuser. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Ob Kaufhäuser, Kinos, Clubs oder Tankstellen - alle locken per Kundenkarte mit jeder Menge Boni und Rabatten. Von Thorsten Breitkopf

Einst war in Ost- und Westdeutschland die Rabattmarke das dominierende System zur Kundenbindung. In den 1960er und 1970er Jahren bot fast jedes Kaufhaus und jeder Supermarkt die Möglichkeit, Marken zu sammeln und anschließend in der Regel Bares zurückzuerhalten. In der Regel gab es bis zu drei Prozent Erstattung. Doch Ende der 1970er Jahre kamen die Rabattmarken aus der Mode, und in den 80ern verschwanden sie vollständig.

In den vergangenen Jahren jedoch erfuhr ein ähnliches Kundenbindungsmittel einen regelrechten Boom. Ab dem Jahr 2000 kam Payback auf, ein Bonusprogramm mit Karte, an dem diverse Händler aus dem ganzen Land teilnehmen. Kunden erhalten Rabatte auf bestimmte Waren, indem sie Punkte sammeln. Laut der Verbraucherzentrale NRW sind die Einsparungen minimal - oft weniger als ein Prozent, häufig auch nur ein halbes Prozent. Auch sei es bei Prämien mit Zuzahlung so, dass das gewünschte Produkt bei anderen Anbietern günstiger sei als die Zuzahlung.

Ulf-Simon Plagemann vom Cinema mit dem Gilde-Kino-Pass, der reduzierten Eintritt in Düsseldorfer Filmkunstkinos ermöglicht. FOTO: Andreas Endermann

Neuester Trend bei der Kundenbindung sind lokalisierte oder sehr spezielle Karten. Gestern etwa hat die zur Düsseldorfer Metrogruppe gehörende Elektronikkette Media-Markt ihre Club-Karte gestartet. "Wir belohnen unsere Kunden für ihren Einkauf und ihre Loyalität mit attraktiven Sofort-Vorteilen. Dabei richten wir die Club-Angebote gezielt auf unsere Kunden aus Düsseldorf aus", sagt Volker Barth, Geschäftsführer des Media Marktes. Sowohl der Media Markt an der Metrostraße als auch der in den Bilker Arcaden nimmt an dem Programm teil. Unter anderem verdoppelt sich die Umtauschzeit von 14 auf 28 Tage. Geplant sind auch lokale Events. "Dies können sportliche Aktionen, Private Viewings zur Fußball-EM oder auch ein Workshop für Kamerafans sein", sagt Geschäftsführer Volker Barth.

Bereits länger im Geschäft mit Kundenkarten aktiv sind in Düsseldorf die beiden Modehäuser Peek & Cloppenburg und Breuninger. Bei Breuninger gibt es Veranstaltungen für Karteninhaber und Boni, so verspricht es die Firmenhomepage. Bei P&C etwa gibt es einen Begrüßungsgutschein über zehn Euro.

Adriana Villari-Gonsalvez vom Media Markt in den Düsseldorf Arcaden in Bilk. Der so genannte Media Markt Club ist diese Woche gestartet. FOTO: Endermann, Andreas (end)

Die Verbraucherzentrale warnt davor, Kundenkarten zu überschätzen. "Kundenkarten halten viele Verbraucher vom Aushandeln höherer Rabatte ab. Wer dennoch beim Einkaufen nach Preisnachlässen fragt, wird von Händlern immer wieder mit Hinweis auf den oft mageren Kundenkarten-Rabatt abgewimmelt", heißt es von der Verbraucherzentrale. Lohnen könne sich eine Kundenkarte dagegen in Verbindung mit Sonderaktionen, etwa Bons über 5 oder 10 Prozent Rabatt.

Längst sind Kundenprogramme aber nicht mehr auf Einzelhändler beschränkt. Der Gilde-Kino-Pass verschafft Inhabern etwa einen um zwei Euro ermäßigten Eintritt in die Düsseldorfer Filmkunstkinos. Der Pass gilt ein Jahr, ist aber anders als die anderen Karten nicht gratis, sondern kostet zehn Euro.

Neu am Markt ist das Start-up-Unternehmen Evopark. Nutzer erhalten eine Karte mit einem Chip. Ohne ein Ticket zu ziehen, öffnet sich damit die Schranke vieler Düsseldorfer Parkhäuser. Die Karte muss dazu lediglich im Wagen liegen. Die Ausfahrt funktioniert genauso. Zum Kassenautomaten muss der Autofahrer nicht. Er erhält am Monatsende eine Rechnung. Die Karte selbst ist gratis. Bei Douglas und im Carsch-Haus etwa wird die Parkgebühr erstattet.

Quelle: RP
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