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Serie Düsseldorfer Plätze
Der ewige Schönheitsschlaf der Klinke

Serie Düsseldorfer Plätze: Der ewige Schönheitsschlaf der Klinke
Geschmückt, aber nicht belebt ist der Platz an der Klinke in Unterrath: Die Gebäude links sollen nun abgerissen werden und Neubauten weichen. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Unterrath. Was mit Unterraths zentralem Platz passieren soll, ist Gegenstand ständiger und jahrelanger Debatten. Nun könnte sich dort bald etwas ändern. Wieder einmal. Von Torsten Thissen

Der Platz ist eigentlich nicht das Problem. Im Gegenteil, er ist ja gefühlt gerade erst frisch gemacht worden mit edlem Klinkerpflaster, Naturstein und mit Bänken aus Hartholz kombiniert mit verzinktem Stahl. Auch die Mülleimer sind verzinkt, und die Lichtmasten auf dem Platz haben Innenstadtniveau. Zufrieden ist natürlich trotzdem niemand, weil irgendetwas zu fehlen scheint.

2008 hat der damalige Oberbürgermeister Dirk Elbers den Platz eingeweiht, er sollte als Bühne dienen, als Ort der Kommunikation zwischen den Unterrathern, der Einzelhandel sollte wiederkommen und ein Wochenmarkt für Leben sorgen. Die Planer stellten sich wohl einen Marktplatz mit kleinstädtischem Charakter vor, tratschende Hausfrauen, spielende Kinder, aber das gibt es alles nicht.

Das Zentrum des Stadtteils schläft. Stattdessen sind da nur diese Fläche und zwei Bänke, auf denen ein Pärchen sitzt, das sich sichtbar schon einmal besser verstanden hat. Es gibt auch eine Grünanlage, doch hier wächst das Gras. Das Ganze erinnert ein wenig an Vorstädte, die während des Immobilienbooms in Spanien gebaut und dann von der Krise überrascht wurden. Es gibt eine Apotheke, ein Hotel, einen Kiosk und eine Kneipe, regelmäßig fährt die U-Bahn vorbei, weil ja auch die Endstation hier ist. Man kann einen langen Fußweg zur S-Bahn nehmen. Woran dieser Platz krankt, ist offensichtlich, am Leerstand.

Da ist zunächst die Kneipe "Zur Klinke", ein Haus aus dem 18. Jahrhundert, denkmalgeschützt und augenscheinlich sanierungsbedürftig. Viele machen den Eigentümer als Buhmann aus, doch so einfach ist es wohl nicht. Im Internet wird das Haus für 595.0000 Euro zum Kauf angeboten, inklusive Bauland. Wenn sich nur jemand erweichen würde, diese Schönheit zu erwerben! Wenn es Immobilienprinzen gibt, dann wären sie hier gefragt. Außerdem aber sind es die Gebäude an der Unterrather Straße 27 bis 41, die leer stehen. Doch hier wurde immerhin im Sommer ein Bauantrag gestellt. Diesmal begrüßten die Stadtteilpolitiker auch das Vorhaben des Investors. Vor drei Jahren sah das noch anders aus. Damals sollten die Häuser erhalten bleiben, ein Neubau schien ein Frevel gegen den Denkmalschutz zu sein. Doch drei Jahre Leerstand, Ödnis am Rande einer prosperierenden Stadt haben für ein Umdenken gesorgt: 61 Wohnungen mit einer Tiefgarage sollen jetzt her. Immerhin wird der geschwungene Verlauf der Gebäude beibehalten. In den Höfen sollen Grünflächen entstehen mit Spielplätzen für Kinder: "Klinke-Bogen" heißt das Projekt, das sogar aus Ziegeln gebaut werden soll, den Charakter der alten Bebauung damit aufnimmt.

Es gibt also Hoffnung für diesen Platz. Ob es die auch für die Kneipe gibt, weiß niemand. Denn so schön dieses Haus auch ist, zum Kaufpreis kommt ja noch die Renovierung, und da stehen siebenstellige Summe im Raum. Wie man die in Unterrath mit Gastronomie wieder reinholen will? Schwierig.

Quelle: RP
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