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Automatisch - seit 1960
Der fliegende Parkplatz
Jupp testet den fliegenden Parkplatz
Jupp testet den fliegenden Parkplatz FOTO: RPO
Düsseldorf. Männer bewundern es, weil es so unheimlich komplex scheint. Frauen lieben dagegen das genial Simple an ihm: Mitten in Düsseldorf steht das älteste vollautomatische Parkhaus Europas. An der Liesegangstraße wird das Abstellen des eigenen Autos zum echten Erlebnis. Von Johannes Bornewasser

Es ist Wochenende. Die Stadt ist voll und dem Autofahrer schießt Herbert Grönemeyers "Mambo" durch den Kopf. Ähnlich dem Protagonisten in dessen Lied scheint auch der Autofahrer in Düsseldorf nirgends einen Parkplatz zu finden.

Wirklich nirgends? Weit gefehlt. Versteckt hinter Waren- und Wohnhäusern steht ein kleines Parkhaus. Trotz seiner geringen Grundfläche ist es nur selten voll belegt. Der Grund: Es gibt keine Fahrspuren und Treppenhäuser. Die Fläche wird so beinahe ausschließlich zum Parken genutzt.

Das System ist simpel wie genial

Ein Computer übernimmt hier das Umherkurven und Suchen. Er hat stets den Überblick und schickt den Wagen in Rekordzeit in die ihm zugeteilte Parkbox. Das System ist simpel wie genial: Der Kunde fährt seinen Wagen im Erdgeschoss auf ein Pkw-Fließband, ähnlich dem in einer Waschstraße. Den Rest erledigt das "elektronische Gehirn".

Während der Wagen ordnungsgemäß geparkt wird, erhält der Kunde einen kleinen Zettel mit seiner Stellnummer. Das Einparken dauert damit nur wenige Sekunden. "Ein Grund, warum wir eine 90-prozentige Frauenquote haben", verrät Georg Leuther. "Die Kundinnen lieben es, nicht groß auf Parkplatzsuche gehen zu müssen.

Männer, zumindest die mit teuren Sportwagen, schätzen die intelligente Parkbox ebenfalls. Nirgends steht das gute Stück sicherer. Gestohlen werden kann es nicht und auch Unfälle sind unmöglich. "Zumindest solange, bis wir aus technischen Gründen auf Handbetrieb umschalten müssen", sagt Sergej Morosow. Einen Systemabsturz hat der Mitarbeiter bislang aber noch nicht erlebt.

Abgestellt werden die Wagen jeweils in Dreierreihen auf Vorder- und Rückseite des Gebäudes. Der Computer schiebt den Wagen auf einen Aufzug im Inneren. Mehr bekommt der Autofahrer nicht zu sehen. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt jedoch die ausgefeilte Technik.

"Heute ist sogar ein Smart vergleichsweise breit"

Binnen Sekunden ist der Wagen auf die entsprechende Etage katapultiert. Dann schiebt der Aufzug das Auto in seine Box. Seit 1960 funktioniert dieses System problemlos. Nur eine Umbauphase musste das "intelligente Parkhaus" über sich ergehen lassen: Im Jahr 1987 startete die Umrüstung auf einen Computer. "Vorher haben hier vier Männer gearbeitet. Seit der Fertigstellung im Jahr 1989 kann einer alleine den Computer bedienen. Der Rest funktioniert automatisch", sagt Morosow.

Seine einzige aktive Aufgabe ist es, die Außenspiegel der Wagen einzuklappen. "Früher war das nicht nötig, doch heute ist ja sogar ein Smart vergleichsweise breit", sagt er und sinniert über den schlimmsten zu befürchtenden Fall. "Die einzige Gefahr wäre ein Feuer", sagt Morosow. "Das bemerken aber die Sensoren und fahren die Wagen automatisch in eine Sicherheitszone. Während der freundliche Verwalter erklärt, schaltet sich die Alarmanlage eines Wagens ein.

Von einem Schrecken oder gar Ärger über die Ruhestörung ist bei Morosow aber nichts zu sehen. "Die geht in spätestens zwei Minuten aus. Eher früher." Kaum ist der Satz ausgesprochen, herrscht wieder Ruhe in der kleinen Kabine. Von langer Dauer ist die aber nicht. Schon legt der nächste Kunde seinen Abholzettel und den täglichen Park-Pauschalbetrag von sechs Euro auf die Theke. "Vielen Dank. Der Wagen wird auf der Rückseite herausgefahren", sagt er, gibt dem Rechner seinen Ausparkbefehl und wünscht dem für heute 229. Kunden einen schönen Tag.

Grönemeyers "Mambo" kennt Morosow übrigens nicht. Dafür aber Linkin Park.

Einen Blick hinter die Kulissen finden Sie hier.

Quelle: born
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