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Wetter in Düsseldorf 2015
Der Frühling war trocken, der Winter fiel aus

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Düsseldorf. Zunächst die gute Botschaft für alle, die gerne über das Wetter in Düsseldorf meckern: 2015 gab es mehr Sonnenstunden als üblich. Dafür gab es keinen Winter. Ein Meteorologe analysiert die Wetteraufzeichnungen des Jahres.  Von Ute Rasch

Da hängt es nun und kann nicht anders: Seit Wochen beherrscht ein gewaltiges Hochdruckgebiet das Wetter in Europa und schaufelt für die Jahreszeit viel zu warme Luft nach Düsseldorf. Da haben wir die Bescherung: Statt auf weiße Weihnacht schalteten die Parks auf Frühlingsmodus, erblühten mit rosa Schimmer und schickten Pollen Richtung Allergiker-Nasen. Verrücktes Klima! Tatsächlich war dieses Jahr - meteorologisch gesehen - mal wieder neben der Spur. Aber was ist schon normal, wenn es ums Wetter geht?

Vorweg eine Botschaft für alle, die über das angeblich so miese Wetter in Düsseldorf meckern: "Das Jahr 2015 brachte mehr Sonnenstunden als üblich", sagt Oliver Klein, Meteorologe beim Wetterdienst MeteoGroup, der für unsere Redaktion die Aufzeichnungen dieses Jahres analysierte. Aber einen neuen Wärmerekord, wie im vergangenen Jahr, den kann der Wetterfrosch vom Dienst dieses Jahr nicht erkennen. Nach seinen Aufzeichnungen betrug die Durchschnittstemperatur 11,7 Grad. Ist das viel? "Durchaus", sagt der Fachmann, "denn sie liegt zwei Grad höher als der 30-Jahres-Durchschnitt."

2015 begann wie es enden wird: zu mild. Beim Neujahrsspaziergang schien die Sonne, dann aber zeigte sich der Monat - wie so häufig - von seiner exzentrischen Seite. Heißt: Die Temperaturen gingen rauf und runter, zwei Sturmtiefs wirbelten durch die Stadt, ein Gewitter ließ es kräftig krachen - und schließlich, am 24. Januar: weiße Pracht. Für ein paar Stunden Schneegestöber, mit den üblichen Staus auf den Straßen und den "großflächigen Problemen" bei der Deutschen Bahn.

Der Februar gab sich kurz frostig und ließ die Stadt erzittern. In einer Nacht (zum 5. Februar) wurden in der Wetterstation am Flughafen minus 6,1 Grad gemessen. "Insgesamt hatten wir nur an zwölf Wintertagen Temperaturen von unter null Grad", so Oliver Klein. Aber nur stundenweise, Dauerfrost wurde nicht an einem Tag gemeldet. Schlapper Winter!

Der März brachte der Stadt von allem etwas, einerseits ließ er die Sonne öfter scheinen (37 Prozent mehr als üblich), doch wer leichtsinnigerweise schon zarte Sommerschuhe trug, wurde prompt vom nächsten Guss überrascht. Der Frühling ließ uns öfter mal im Regen stehen, ein Monat zum Vergessen, meteorologisch gesehen, wäre da nicht der 17. März gewesen: ein Bilderbuchtag mit knapp 20 Grad und Sonne - erstes Terrassenglück.

Im April nahm der Frühling richtig Fahrt auf, ließ das Veilchen im Moose erblühen und alles andere, was die Dichtung verheißt. Der sonst so launische Monat war regenarm und sonnenreich. Der Mai dagegen bescherte eine Achterbahnfahrt der Temperaturen. Zu Beginn ließ er Mensch und Natur noch mal bibbern, zehn Tage später war der Himmel Nizza-Blau bei sommerlichen 26 Grad. Auch der Juni begann verheißungsvoll. Gleich zu Beginn pustete er viel heiße Luft nach Düsseldorf, am 5. Juni wurden 34 Grad gemessen. Die einen freuten sich auf ein Sommerwochenende, die anderen stöhnten "diese Hitze, unerträglich". Das Wetter lässt eben keinen kalt. Das Fazit des Wetterexperten gilt gleich für den Juli mit: viel Sonne, wenig Regen. Die beiden Sommermonate zeigten sich - von gelegentlichen Gewittern abgekühlt - von ihrer heiteren Seite. Der wärmste Tag des ganzen Jahres war der 2. Juli mit 37,6 Grad.

Doch auch das schönste Wetter hat zwei Seiten: Die Terrassenlokale am Rhein mussten zusätzliches Personal einstellen, aber die Bauern, die blickten bang zum Himmel, wissen sie doch: "Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun und Fass." Ein trockenes Frühjahr aber, ein heißer, trockener Sommer - beides ließ die Getreideernte eher dürftig ausfallen. Zumal sie bisher keine Notwendigkeit gesehen hatten, ihre Felder künstlich zu bewässern. Ein Landwirt zu unserer Redaktion: "Der Klimawandel ist bei uns angekommen."

Im August ging der Sommer in die nächste Runde, aber er war ein Monat der Gegensätze. Der heißeste Tag ließ die Stadt bei 33,6 Grad glühen, die kühlste Nach bei 9,5 Grad frösteln. Die Sonne ließ sich deutlich öfter blicken als in anderen Jahren. Oliver Klein: "Insgesamt waren Häufigkeit und Intensität der Hitzewellen ungewöhnlich." Gleichzeitig aber fiel 92 Prozent mehr Niederschlag als im Durchschnitt. Kontrastprogramm, das Sommer heißt.

Danach waren September und Oktober nicht besonders erwähnenswert, irgendwie lauwarm. Da wussten wir noch nichts von den gewaltigen Hochdruckgebieten überm Mittelmeer, die uns einen Goldenen November bescheren würden. An diesem Eindruck konnte auch Sturmtief Heini, das sich am 18. 11. mit Böen bis zu 91 Stundenkilometern in der Stadt austobte, nichts ändern. "Ich habe einen solchen November noch nicht erlebt, an dem es an so vielen Tagen hintereinander so warm war", sagt Wetterexperte Oliver Klein.

Und so blieb es. "Der Sommer im Winter" titelte unsere Zeitung am 9. Dezember und berichtete von Düsseldorfern, die im Freien saßen. Der einzige Schneemann, der diesen Temperaturen standhielt, war mit Luft gefüllt. Und auf dem Weihnachtsmarkt kommentierte ein ratloser Glühweinverkäufer die Wetterkapriolen: "Wir sollten auf Eiswein umschwenken." Aussichten fürs nächste Jahr?

Quelle: RP
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