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Düsseldorf
Der ganz normale Altstadt-Wahnsinn

So funktioniert die Masche der "Antänzer"
Düsseldorf. An der längsten Theke der Welt wird es heute wieder rundgehen. Die Polizei ist vorbereitet, auf "Antänzer", Diebe und selbst ernannte Schutztruppen. Auch einige Frauen ziehen beim Feiern Konsequenzen aus der Silvesternacht. Von Stefani Geilhausen und Maximilian Krone

Wenigstens zwei wohnsitzlose Nordafrikaner werden heute wohl nicht durch die Altstadt ziehen, um feierfreudige Gäste zu bestehlen. Ein Untersuchungsrichter hat einen 18- und einen 25-Jährigen, beide ohne festen Wohnsitz in Deutschland, gestern in Untersuchungshaft geschickt, nachdem sie am Donnerstag in der U-Bahn festgenommen worden waren.

Sie hatten einen Mann auf der Andreasstraße mit dem Antanztrick bestohlen. Das Opfer hatte die beiden zusammen mit weiteren Passanten gestellt und einer der Diebe gab ihm seine Geldbörse zurück. Die gleichzeitig von Zeugen informierte Polizei verfolgte die Männer, als diese an der Heinrich-Heine-Allee in eine Bahn stiegen, und nahm sie fest.

So schützen Sie sich vor Taschendieben FOTO: RP, Thomas Bußkamp

Gleichwohl macht sich niemand Illusionen über das bevorstehende Wochenende in der Altstadt, und das nicht erst wegen der Ereignisse in der Silvesternacht. Antänzer und andere Taschendiebe nutzen die Feierlaune an der längsten Theke der Welt seit langem aus. Und auch wenn der Organisator der Bürgerwehr "Düsseldorf passt auf" schon diese Woche seine Gruppe stoppte, rechnet die Polizei damit, dass sich auch heute wieder Menschen als selbst ernannte Schutztruppe auf Patrouille durch die Altstadt begeben. Eine ruhige Nacht wird es wohl kaum werden, heißt es bei der Polizei, mit einer ohne herausragende Vorkommnisse wäre man schon zufrieden.

Wie solch eine Nacht aussieht, haben wir am vergangenen Wochenende miterlebt. So gegen 2 Uhr war der übliche Schichtwechsel im Publikum: Die einen machen sich auf den Heimweg, die anderen reisen, nicht selten vorgeglüht, aus den Stadtteilen und dem Umland an. Eine halbe Stunde später stehen sie in langen Schlangen vor den Türen der Clubs an Bolker- und Kurze Straße. Die Mertensgasse ist schwarz vor Menschen, wer klaustrophobisch ist, sollte sich besser einen anderen Weg suchen - ohne Körperkontakt ist hier kein Durchkommen,

Nachts um drei in der Altstadt: Die Polizei ist auch heute nicht auf einen ruhigen Dienst im Partyviertel eingestellt. FOTO: Christoph Reichwein

Dort treffen wir Petra Mayer und ihre Freundin Christiane, die aus Gladbach und Essen kommen und gern in Düsseldorf zusammen ausgehen. Auch nach den Silvester-Übergriffen wollen sie sich das nicht nehmen lassen. Ihre Konsequenz: Sie werden irgendwann in einem Düsseldorfer Hotel übernachten. "Früher sind wir immer mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof und von dort getrennt mit der Bahn nach Hause gefahren. Das machen wir jetzt nicht mehr", sagt Petra Meyer. Die 36-Jährige achtet auch mehr darauf, wer ihr wie nahe kommt. Angst haben die Frauen nicht: "Es ist ja auch viel Polizei unterwegs."

Die Polizisten postieren sich an den Ein- und Ausgängen der Altstadt, gehen in Gruppen Streife rund um die Bolkerstraße. Früher waren sie zu zweit unterwegs. Das reicht schon lange nicht mehr. Als Viererstreife können sie sich schon eher Respekt verschaffen. "Das ist heute nicht anders als an anderen Wochenenden", sagt einer der Beamten.

Auch Celina, Nicole und Anna sehen keinen großen Unterschied. Die 18-Jährigen warten in einem Fastfood-Restaurant auf drei weitere Freundinnen. "Wir gehen immer mindestens zu dritt und bleiben immer nur an hellen Orten stehen, wo man uns zur Not auch helfen kann", sagt Anna. Das hielten sie schon immer so, sagt die Gymnasiastin. Zu Jungs eine Armlänge Abstand halten werden die drei bestimmt nicht. "Wir sind doch schließlich hier, um Spaß zu haben und neue Leute kennenzulernen", sagt Celina.

In fast allen Clubs und direkt vor deren Türen sorgen Türsteher und professionelle Sicherheitsdienste für Ordnung. Das wird auch heute Nacht so sein. Eine Bürgerwehr, sagt uns ein Türsteher, brauchen auch sie nicht. "Wir regeln hier alles mit der Polizei."

Quelle: RP
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