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Serie Der Mai
Der Grill ist das neue Statussymbol

Welcher Grill passt zu mir?
Welcher Grill passt zu mir? FOTO: Shutterstock/Sean Locke Photography
Düsseldorf. Das beste Branding, die Form des Rostes, das Material des Gehäuses - am Grill erhitzen sich in Foren die Gemüter "echter Kerle". Von Hans Onkelbach

Sein Name: 330 GBS - Genesis 330 GBS. Nein, das ist kein Raumschiff, auch kein Sportwagen oder Motorrad, keine Drohne, kein Skateboard, kein allradgetriebenes Quad - sondern ein Grill. Hergestellt wird er von der Firma Weber. Ein Allerweltsname, meinen Sie? Dann gehören Sie nicht zur Gemeinde jener Menschen, die es cool finden, der Glut ganz nah zu sein. Für diese wachsende Gruppe nämlich ist dieser deutsche Hersteller das, was Porsche für PS-Freaks ist: Spitze bei Hitze, sozusagen.

In den Baumärkten der Stadt, vor allem in den riesigen in Flingern und Gerresheim, ist die Entwicklung seit Jahren sichtbar, aber zur Saison 2016 hat man die Flächen dort nochmals vergrößert, um all das zu präsentieren, auf dem bald die armen Würstchen landen und von krankhaft blass zu knackig rostbraun verwandelt werden. Manche der Geräte sind zwei und mehr Meter breit und ein paar tausend Euro teuer. Ob ihr Rost rund, variabel, viereckig ist, aus schwarzem Stahl oder emailliertem Metall besteht, ist Gegenstand hitziger Debatten, wie es scheint. Ernsthaft wird in einschlägigen Foren (vor kurzem tauchte dort ein User mit dem Decknamen "Brat Pitt" auf) erörtert, wie man das beste Branding hinkriegt - eine Art Brandzeichen in Karos auf dem Steak. Es scheint der Bedeutung einer frischen TÜV-Plakette zu entsprechen.

Die Grills sind - auch darin - einem Auto in einigen Dingen ähnlich. Viele Knöpfe, große und kleine, Regler, Schieber, Temperaturanzeiger. Die Liste der Sonderausstattungen ist lang, die Rechnung auch, wenn man sie bestellt. Ihre Leistung wird ehrfürchtig vom Beipackzettel gelesen, ob sie zwei, drei oder noch mehr Hitzezonen brauchen, will kühl erwogen sein, und an einem Zubehör namens Sear Station scheiden sich nicht etwa die Geister, sondern mann ist sich einig: Für anständige Steaks ist es unverzichtbar. Denn denen muss richtig eingeheizt werden, und das macht dieses zusätzliche Teil, eine Art Nachbrenner inklusive Temperaturtreibendem Turbo-Effekt, mit dem echte Kerle am Rost (noch eine Parallele zum Auto) richtig Gas geben können.

Das kommt bei den Düsseldorfern auf den Grill FOTO: RED

Apropos Hitze: Neben den riesigen Konstruktionen steht bisweilen bei den High-End-Freunden noch eine ganz kleine, die aussieht wie ein auf die Seite gekippter Toaster. Aber statt pappigem Weißbrot schießt es T-Bone-Steaks beidseitig binnen weniger Minuten auf mehrere hundert Grad hoch, freilich für den Preis von rund 600 Euro. Fans des glutvollen Powerzwerges (durchweg männlich!) fühlen sich dabei ungefähr so, als würde man sich zum eh schon potenten Porsche Cayenne noch das 911er Cabrio kaufen: Braucht kein Mensch, ist aber großartig, wenn man es hat.

Der Meerbuscher Gourmet-Belieferer Ralf Bos (jedem, der den Unterschied zwischen Sauce und Soße kennt, eine Art Papst für sämtliche Glaubensfragen zwischen Tintorello und Traubenkernöl) weiß um die wahren Nöte der Männer am Grill und deren Frauen: Die Angst vor dem Ruß nach dem Genuss. Während der Herr des Hauses unaufgeregt auf das schaut, was vom Fleische kleben bleibt und müffelnd vor sich hin kokelt, ist den meisten Damen dies ein Gräuel - weil: unhygienisch. Ob das stimmt, ist egal - am Zwist, wer wann wie intensiv den Grill reinigt, können Ehen scheitern. Das weiß auch der bei Düsseldorfs Schmeckleckern verehrte Trüffel-Titan Bos und lud neulich ein zur Präsentation eines Heißmachers, den die Fachleute als Plancha kennen. Sternekoch Holger Berens ("Berens am Kai", Medienhafen) war dabei und demonstrierte mit feinen Scampi und noch feiner tourniertem Gemüse, was dieser ganz andere Grill alles kann, außer garen, rösten, braten. Entscheidender Vorteil des Neulings jedoch: Er erhitzt alles auf einer glatten Fläche, die nach Gebrauch mit einem breiten Schaber kinderleicht zu reinigen ist. Sämtliche Reste werden durch ein Loch am Rand der Fläche in einen Auffangbehälter geschoben. Man kennt das aus Hotels vom Frühstücksbüffet. Es ist, soviel vorweg, extrem entspannend für das Eheleben.

Region: Das sagen Metzger in der Region FOTO: Endermann, Andreas

Nun also gibt es diese Geräte auch für Laien - und die zünden damit die nächste Stufe ihres Ausflugs in die Welt der gegrillten Leckereien: Nachdem sie den Fred-Feuerstein-Level mit Holzkohle hinter sich gelassen und dank des Gas-Grills die steinzeitliche Version der Bearbeitung vom rohen Fleisch evolutionstechnisch nach vorne gepusht haben, dürften viele sich beim Plancha fühlen wie bei der Entdeckung des Zunders: Es ist auf einmal so einfach, sich für das Kochen auf der Terrasse zu erwärmen.

Quelle: RP
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