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Düsseldorf
Der große Feiertag des Handwerks

Düsseldorf: Der große Feiertag des Handwerks
Spitzen-Politiker und Spitzen-Handwerker (von links): Kammerpräsident Andreas Ehlert, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Oberbürgermeister Thomas Geisel, Landmaschinenmechanikermeister Peter Joosten und Orthopädietechnikermeister Christoph Emschermann. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. In der Stadthalle gratulierten Kammer und Politiker 1028 Jung-Meisterinnen und -Meistern. Kammerpräsident Andreas Ehlert forderte von Oberbürgermeister Thomas Geisel "einen verantwortungsvollen Umgang mit den Finanzen". Von Uwe-Jens Ruhnau

Einige wissen früh, was ihr Traumberuf ist. In diese Kategorie fällt Peter Joosten. Der 33-jährige ist Jahrgangsbester und erhielt am Sonntag aus der Hand von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Handwerkskammerpräsident Andreas Ehlert den Meisterbrief als Landmaschinenmechanikermeister. Joosten war schon als kleiner Junge interessiert an den großen Maschinen und half dem Nachbarn in Nettetal bei der Wartung derselben. Später folgte der eigene Trecker fürs Basteln. Die Berufswahl ergab sich für ihn von selbst. Ebenso vorgezeichnet war sie bei Michael Beick (46), der die Dreherei seines Vaters übernommen hat und dort seine Kenntnisse als Feinwerkmechanikermeister einbringt.

Ganz früh hat Lea Bäthke ihre Bestimmung begriffen. Sie erhielt als Massschneidermeisterin ihren Brief. "Ich wusste, seitdem ich elf Jahre alt war, was ich werden wollte", berichtete sie in der Stadthalle. Mit Stoff arbeiten: Das sollte es sein. Beim Textilunterricht passte sie besonders auf und begann früh zu schneidern. Das erste Werk der heute 23-Jährigen war eine Jogginghose, das Meisterstück nun ein Kleid mit Jacke in Orange-Taupe. Sie arbeitet in einem Brautmodengeschäft in Düsseldorf.

Lea Bäthke und Michael Beick vor Beginn der Meisterfeier in der Stadthalle FOTO: Endermann, Andreas (end)

Die Berufsfindung war für Christoph Emschermann dagegen viel schwieriger, was man kaum glauben mag, denn gestern wurde er als jahresbester Meisterabsolvent zum Orthopädietechniker auf die Bühne gebeten. Die Lehre zum Verwaltungsfachangestellten absolvierte der heute 32-Jährige zwar, "aber ich musste mich durchboxen", erinnert er sich. "Das Büro ist nicht meins." Nicht meins: Das galt dann auch bei Praktika fürs Arbeiten mit Holz oder Metall. Die Feinmechanik war "zu genau", und als er einer Bekannten über die Schulter schaute, die als Orthopädieschuhtechnikerin arbeitete, war klar: "Nur mit Füßen ist auch nicht meins." Gleich daneben aber habe bei der Information der Orthopädietechniker gestanden, und heute fertigt Emschermann für Menschen Stützapparate an, hilft ihnen mit seinen Maßanfertigungen, den Rumpf zu stabilisieren oder wieder "fast normal" zu gehen. "Das ist traumhaft", sagt der 32-jährige Düsseldorfer, "Sie sehen im Gesicht, was die Hilfe bedeutet."

Um solche konkreten Momente von Erfüllung beneidet Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die Handwerkerschaft. Sie ist selbst mit einem Handwerksmeister verheiratet (Elektrik) und betont, dass es ein Vorzug sei, Dinge konkret herzustellen. Und der Verdienst, da ist sie sicher, kann über dem eines Akademikers liegen.

Dem pflichtete auch Oberbürgermeister Thomas Geisel bei, der sein Handwerkslob mit Juristenschelte verband (er ist selbst Jurist): "Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass ein tüchtiger Handwerksmeister unser Land mehr nach vorne bringt als ein zum Richteramt befähigter Jurist, der als Winkeladvokat arbeitet." Für Geisel ist das Handwerk eine Macht in Düsseldorf. Es gebe 8000 Betriebe mit 53.000 Mitarbeitern, die 3,6 Milliarden Euro Umsatz machten. Und das Handwerk könne sich angesichts der vielen geplanten Investitionsprojekte in der Landeshauptstadt (Schulen, Bäder) auf zahlreiche neue Aufträge freuen. "Ungefähr die Hälfte der Aufträge bleibt in der Stadt."

Andreas Ehlert, der übrigens das CDU-Parteibuch besitzt, forderte von Geisel dennoch "einen verantwortungsvollen Umgang mit den Finanzen". Für den Präsidenten der Handwerkskammer ist Düsseldorf ein positives Beispiel dafür, wie eine Stadt aus dem Teufelskreis von immer höherer Verschuldung auszubrechen vermag. "Handwerk ist immer dann stark, wenn die Kommune stark ist", meinte er.

Das Handwerk ist stolz auf den Meisternachwuchs - und auf den Nachwuchs der Meister: Immer wieder wurden Babys auf den großen Bildschirmen eingeblendet, die mal schliefen und mal ordentlich quengelten. Auch für sie gilt der Satz vom Klappern, das dazu gehört.

Quelle: RP
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