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Düsseldorf
Der höchste Arbeitsplatz der Tonhalle

Düsseldorf: Der höchste Arbeitsplatz der Tonhalle
Andreas Kainz' Platz in der Lichtregie liegt nur knapp unterhalb der 31 Meter hohen Kuppel. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Als Veranstaltungstechniker ist Andreas Kainz auch für die Lichtstimmung im Saal verantwortlich. Von Sven-André Dreyer

Andreas Kainz (46) nimmt gleich zwei Stufen auf einmal. Er ist trainiert. Nicht nur, weil er täglich Sport treibt, er wohne auch in der fünften Etage ohne Aufzug, sagt der gelernte Veranstaltungstechniker mit Meisterbrief. Weil er an seinem Arbeitsplatz zudem ständig im gesamten Haus unterwegs ist, nimmt er die mehrfachen täglichen Auf- und Abstiege in die Lichtregie der Tonhalle gelassen.

Die ist so etwas wie der Adlerhorst des in den Jahren 1925 und '26 gebauten Konzerthauses neben der Oberkasseler Brücke und am Ehrenhof. Über einen Gang hinter den Kulissen, aber auch über das Dach der Konzerthalle erreichbar, erfordert es neben Kondition auch eine gewisse Schwindelfreiheit, sie zu erklimmen. Darin zu sitzen ist etwas für Geübte. Denn noch einmal weit über den Rängen, und damit nur knapp unterhalb des höchsten Punktes der immerhin 31 Meter hohen Kuppel, regelt Kainz die Lichtstimmung eines jeden Konzerts.

Alleine für die Zeit bis zum Konzertbeginn der Düsseldorfer Symphoniker sind acht verschiedene Lichtstimmungen im Saal vorgesehen. FOTO: Anne Orthen

Ursprünglich als Mehrzweckhalle geplant und unter dem Namen Rheinhalle eröffnet, bietet das expressionistische Gebäude heute bis zu 1854 Konzertbesuchern Platz. Wies die ursprüngliche Konzeption der Tonhalle auch die Möglichkeit der Nutzung als Planetarium aus, so finden darin heute ausschließlich Konzerte und Großveranstaltungen statt. Auf die ursprüngliche Funktion weisen heute nur noch der vergoldete Stern an der Kuppelspitze und die Skulpturenpaare an der Freitreppe zum Ehrenhof hin.

Und obwohl Kainz der Beruf des Veranstaltungstechnikers aufgrund der gesamten Bandbreite der Konzerttechnik - dazu gehören unter anderem die Klangmischpulte, Stellwerke, Mikrofone, Verstärker sowie weitere bühnentechnische Anlagen wie Podeste und Traversen - reizt, so ist es doch das Licht, das ihn am meisten begeistert. "Für einen Auftritt der Düsseldorfer Symphoniker sind allein bis zum Konzertbeginn acht verschiedene Lichtstimmungen im Saal vorgesehen", sagt Kainz und erklärt das computergesteuerte Lichtmischpult. Das, was Kainz und seine Kollegen für gewöhnliche Klassik-Abende in der Tonhalle mitunter manuell programmieren, mutet wie die Kommandobrücke eines Raumkreuzers an, wenigstens wie die eines handelsüblichen Flugzeugs. Und doch ist es ein unprätentiöser Job: "Nur, wenn die Konzertbesucher nichts von unserer Arbeit mitbekommen und sich komplett auf das Konzert einlassen können, haben wir unsere Aufgabe erfolgreich erledigt." Mit "Moving Lights" und "Verfolgern" schaffen sie bewegtes Licht auf der Bühne, während die Sternbilder, die in der nachtblau illuminierten Kuppel zu sehen sind, mit weißen LEDs dargestellt werden. Dabei erzeugen rund 1100 Leuchtstoffröhren den Eindruck eines nächtlichen Firmaments in der Kuppel. "Und jede einzelne von ihnen ist über Leitern erreichbar", sagt Kainz und deutet auf die nur schemenhaft zu erkennenden Sprossen hinter dem filigranen Gewebe der Kuppel.

70 Jahre NRW: Promis beim Festakt in der Tonhalle FOTO: Christoph Reichwein

Beim bisher letzten umfangreichen Umbau der Tonhalle im Jahr 2005 wurde über einen Computer der akustisch schwer zu handhabende Raum erneut virtuell berechnet. Speziell angefertigte Gipselemente und über 100 in der Kuppel verbaute Lautsprecher sorgen seither für den perfekten Klang. "Durch die Berechnung wurde aus dem runden Raum auf dem Papier ein viereckiger Saal", erklärt Andreas Kainz das aufwendige Verfahren hinter dem Umbau. Und so schwärmen nationale wie internationale Künstler nicht nur von der besonderen Atmosphäre in der Halle, sondern auch von der Akustik des Saals am Rhein.

Obwohl sich Kainz hin und wieder auch durch die dort aufgeführten konzertanten Stücke inspirieren lässt, sitzt er dennoch nur selten als gewöhnlicher Zuhörer im Saal. Zu wenig könne er sich auf die Musik konzentrieren, zu sehr sei er doch immer auch bei der Kontrolle des perfekten Klangs. Und des richtigen Lichts.

Quelle: RP
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