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Düsseldorf
Der Junge aus der Union

Düsseldorf. Mit 14 trat er in die Jugendorganisation der CDU ein, mit 22 war er jüngster Bezirksvertreter in Düsseldorf. Jetzt will Christoph Schultz Chef im Erkrather Rathaus werden. Von Stefani Geilhausen

Damals hätte er die Frage nach dem Traumberuf wohl noch mit "Politiker" beantwortet. Als Christoph Schultz mit gerade 14 Jahren in die Junge Union eintrat, war ihm das schon sehr ernst. Auch wenn er heute, 20 Jahre später, abwinkt, und von einem Hobby spricht.

Ein Hobby von vielen, die alle nicht so wirklich jugendtypisch sind. Schwimmen zum Beispiel, nicht bloß als Wettkämpfer, sondern bei den Lebensrettern von der DLRG, Kindergruppen-Betreuer bei der Kirchengemeinde und nach Schule und Wehrdienst neben dem Jurastudium auch noch Bezirksvertreter für die CDU. Wenn andere in seinem Alter zu Rock am Ring fuhren, stand er am Infostand seiner Partei und führte Bürgergespräche. Oder besuchte Brauchtumsveranstaltungen, bei denen er mit Abstand der Jüngste war. Verpasst hat er da nichts, sagt er heute. Musik hört er sowieso lieber im Radio, und die Menschen, denen er damals daheim in Unterbach und im Stadtbezirk begegnet ist, seien nett gewesen und die Gespräche interessant.

Und die wilde Jugend? Ach, sagt er und grinst dabei, dann sei er eben erst nach der Fraktionssitzung mit den Kumpels in die Altstadt gegangen. Ganz normal eben. Jung. Aber nicht wild. Zu seinen schlimmsten Jugendsünden dürfte der Sticker zählen, den er sich als 17-Jähriger ans Revers geheftet hat - "Keep Kohl" stand darauf und zeigte einen badenden Elefanten im Wolfgangsee. Das, sagt er, "war richtig schlecht".

Er selbst hat der Würde der Bezirksvertretung, in die er sich 2004 wählen ließ, meist in dreiteiligen Anzügen Rechnung getragen, mit einer überaus korrekten Sprache, bisweilen einem scharfen Ton und manchmal auch mit der herablassenden Arroganz, wie man sie vom Rednerpult im Bundestag eher kannte als aus dem Rathaus in Eller. Geschadet hat's ihm nicht. Er habe sich nie nicht ernst genommen gefühlt, ganz im Gegenteil. "Ich glaube, die Leute fanden gut, dass da jemand junges war, der die Dinge auch mal anders beurteilte."

Schultz studierte nach dem Wehrdienst Jura, suchte auch im Referendariat noch die Nähe zur Politik, absolvierte Stationen im Büro des Düsseldorfer Oberbürgermeisters und bei der Staatskanzlei. Doch nachdem er bei der Landesfinanzverwaltung als Justiziar angefangen hatte, ließ die Begeisterung für's Hobby nach. Zumal er inzwischen auch mit Ehefrau Sina über Familiengründung nachdachte. "Da hab ich schon mal überlegt, wie lange ich das mit der Bezirksvertretung noch mache." Die Politik als Berufsziel hatte sich für ihn erledigt und gerade die erste Tochter geboren - da fragten ihn die CDU-Kollegen aus Erkrath, ob er nicht für sie um den Bürgermeisterposten kämpfen wolle. Vier Wochen hat Schultz überlegt - und dann zugesagt. "Ich bin eben doch ein sehr politischer Mensch." Jetzt absolviert er seinen ersten eigenen Wahlkampf.

Längst nicht mehr im Dreiteiler, sondern sportlich-lässig, wie er sich auch auf den Plakaten präsentiert. Der JU-Teenager hat sich zum souveränen Kommunalpolitiker gemausert, der selbstbewusst sagt: "Ich denke, ich kann das." Bürgernahe Politik will er machen, absolute Transparenz ebenso wie den Kontakt zum Bürger pflegen. Und als Chef einer Verwaltung mit gut 600 Mitarbeitern will er auf einen offenen Führungsstil und Wertschätzung setzen. "Verantwortung zu übernehmen, macht mir Spaß", sagt er. "Vor allem, wenn man feststellt, dass man ihr gerecht wird."

Die BV 8 hat ihn am Donnerstag offiziell verabschiedet, und aus Unterbach zieht die Familie gerade um nach Unterfeldhaus. Wo sie auch bleiben will, wenn es mit der Wahl nicht klappen sollte. Oder mit der Wiederwahl. Es sei denn, Christoph Schultz würde dann das Düsseldorfer Rathaus anvisieren.

Quelle: RP
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