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Düsseldorf
Der Kunstpalast bleibt international

Düsseldorf: Der Kunstpalast bleibt international
Der heute 62-jährige Beat Wismer im Jahr 2006, kurz bevor er sein Amt als Generaldirektor des Museums Kunstpalast antrat; rechts hinter ihm eine Plastik von Norbert Kricke. FOTO: Christoph Göttert
Düsseldorf. Die Zusammensetzung der Jury lässt darauf schließen, dass der zu wählende Nachfolger von Beat Wismer am Kurs festhält. Von Bertram Müller

Alle kursierenden Befürchtungen, das Museum Kunstpalast könne unter künftiger Leitung seine Internationalität verlieren, erscheinen unbegründet. Schon allein ein Blick auf die Jury, die sich nach der Sommerpause mit der Nachfolge des derzeitigen Generaldirektors Beat Wismer befassen wird, vermittelt diese Gewissheit.

Kulturdezernent Hans-Georg Lohe weiß Oberbürgermeister Thomas Geisel an seiner Seite, wenn er fordert, das Museum müsse weiterhin eine Ausstrahlung über Düsseldorf hinaus entfalten. Auch Eon-Chef Johannes Teyssen, Dorothee Gräfin von Posadowsky-Wehner als seine Kultursprecherin und der Bereichsleiter Politik und Kommunikation des Unternehmens, Guido Knott, sind aufgrund ihrer Positionen daran interessiert, dass das von Eon zusammen mit der Stadt Düsseldorf finanzierte Haus auch künftig mehr ist als ein künstlerisches Heimatmuseum. Von den drei übrigen Mitgliedern der Jury - dem Fotografiekünstler Andreas Gursky, einem noch zu benennenden Museumsdirektor mit internationalem Ansehen und Heinrich Heil, dem Redenschreiber früherer Oberbürgermeister - darf man annehmen, dass sie sich ebenfalls für eine internationale Ausrichtung des Kunstpalasts aussprechen werden.

So scheint also einer Fortsetzung der bislang achtjährigen erfolgreichen Arbeit des Museums-Chefs Beat Wismer nichts im Wege zu stehen. Doch Vorsicht: Bei der Suche nach einem Nachfolger kann viel schiefgehen. Dorothee von Posadowsky hält es für wichtig, nach der Erstellung eines Anforderungsprofils einen Personalberater hinzuzuziehen, und zwar einen, der sich in der Museumsszene auskennt. Sonst könne es geschehen, dass die Mitglieder der Jury sich allein auf Tipps und gute Kontakte aus den eigenen Reihen verließen.

Mit der Suche erst zwei Jahre vor dem Ausscheiden des Amtsinhabers zu beginnen - ist das nicht zu spät? Dorothee von Posadowsky zeigt Zuversicht: Man dürfe die Dinge nicht schleifen lassen, müsse jetzt "Gas geben". Umgehend solle ein Besprechungstermin mit der Stadt Düsseldorf anberaumt werden. Offen ist dem Kulturdezernenten zufolge, wann genau Beat Wismer seinen Abschied nimmt. Der Vertrag laufe bis zum Februar 2017, soll aber wegen einer Ausstellung verlängert werden. Über die Frist dieser Verlängerung werden sich Lohe und Wismer ins Benehmen setzen.

Wie international das Museum Kunstpalast ausgerichtet sein soll, darüber gibt es seit Jahrzehnten Auseinandersetzungen. Das hängt mit der Vielzahl seiner Bestände zusammen. Sie reichen von Skulpturen des Mittelalters über Barockzeichnungen und Gemälde von Rubens und Zurbarán sowie Bilder der Düsseldorfer Malerschule und des Expressionismus bis zu Joseph Beuys und Werken des 21. Jahrhunderts. Dazu beherbergt das eingebettete Glasmuseum Hentrich Objekte vom altägyptischen Ohrenschmuck bis zu Werken zeitgenössischer Glaskünstler.

Während sich Wismers Vorgänger Jean-Hubert Martin überwiegend auf internationale, mit Vorliebe auf außereuropäische Themen gestürzt und die Düsseldorfer Malerschule als lokales Phänomen abgetan hatte, fand Wismer geschickt zu einer Balance. Vor allem erfüllte er die Erwartung, dass in Düsseldorf auch Ausstellungen mit Werken der Alten Meister zu sehen sein sollten. Um El Greco oder Zurbarán, zuvor noch in der Ära Martin Bilder von Caravaggio zu sehen, braucht man nicht mehr so oft nach Amsterdam, Brüssel, Antwerpen oder ins Kölner Wallraf-Richartz-Museum zu fahren.

Nimmt man dagegen die zeitgenössische Kunst in den Blick, so zeigt sich, dass die Düsseldorfer Museen zunehmend miteinander konkurrieren, statt einander zu ergänzen. Die Kunstsammlung NRW mit ihren drei Standorten in Düsseldorf, die sich thematisch zusehends globalisierende Kunsthalle, der Kunstverein, das KIT (Kunst im Tunnel), die Akademie-Galerie, das NRW-Forum und sogar das Hetjens-Museum - sie alle suchen vom hohen Interesse des Publikums an Gegenwartskunst zu profitieren; von den Galerien ganz zu schweigen. Die Anforderungen an den Neuen im Kunstpalast sollten so formuliert sein, dass er noch mehr als sein Vorgänger Akzente im Bereich der Alten Meister setzen kann.

Quelle: RP
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