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Elster
Der lange Weg der Online-Steuererklärung

Elster: Der lange Weg der Online-Steuererklärung
Die elektronische Einkommensteuererklärung (Elster) wird von immer mehr Steuerzahlern genutzt (Symbolbild). FOTO: dpa, fz sir
Düsseldorf. Die meisten Steuererklärungen werden innerhalb weniger Monate bearbeitet, versprechen die Finanzämter. Ein Düsseldorfer wartete aber vier Jahre auf seinen Steuerbescheid. Wir erklären, welche Abläufe mit dem Portal "Elster" verbunden sind. Von Oliver Burwig

Jedes Jahr wächst die Zahl der Selbstständigen und Angestellten, die ihre Steuererklärung elektronisch abgeben: 2015 waren es laut Finanzverwaltung NRW 56 Prozent, 2016 schon 59 Prozent. Obwohl die Zahl für 2017 noch nicht ermittelt ist, soll der Trend anhalten. Für die Finanzämter ein Vorteil, denn die Erklärungen landen so schon vorgeprüft auf Vollständigkeit auf ihren Schreibtischen. Aber auch für Bürger soll "Elster" (Elektronische Steuererklärung) der schnellste Weg sein, den Steuerbescheid zu bekommen. Doch auch damit kann es regulär bis zu einem halben Jahr und länger dauern.

460 "Vollzeitäquivalente" (Teil- und Vollzeitstellen addiert) bearbeiten in den fünf Düsseldorfer Finanzämtern die eingehenden Steuererklärungen. Wie viele Menschen dort tatsächlich arbeiten, wie viele Steuererklärungen bei ihnen landen? "Diese Zahlen liegen uns nicht vor", sagt N'gaima Dimoh, Sprecherin der Finanzverwaltung. Die Mitarbeiter seien für die Abarbeitung elektronischer als auch Steuererklärungen auf Papier zuständig. Knapp 95 Prozent aller Erklärungen würden innerhalb von vier Monaten bearbeitet, manchmal dauere es nur zwei Wochen. Ein Warnsystem, das komplexen Erklärungen Vorrang verschafft, gibt es nicht.

Die Zahlen kann der Düsseldorfer Steuerberater Thorsten Schmidt-Boos aus seiner 15-jährigen Berufserfahrung nicht bestätigen: "Es gibt Fälle, da dauert es nur vier bis sechs Wochen, bis der Bescheid kommt - aber zwei Wochen? Definitiv nicht." Stattdessen erinnere er sich an Kunden, für die er mehrere Einkommensquellen belegen musste. Bei ihnen habe das Finanzamt bis zu einem Dreivierteljahr gebraucht, um auf nötige Einsprüche einzugehen und die aktuellen Belege zu sichten.

Zeitintensiv seien vor allem Erklärungen, in denen es um Unterhaltszahlungen, Pflegeleistungen, Kosten für die Kinderbetreuung und "haushaltsnahe Dienstleistungen" wie die Putzkräfte gehe - Posten, die sich zwar von der Steuer absetzen lassen, aber quittiert werden müssen. "Die Finanzämter bekommen die Erklärungen elektronisch, wollen aber die Belege im Original", sagt Schmidt-Boos. Das sei "nicht unbedingt sinnvoll". Eine Vereinfachung ist ihm zufolge aber in Sicht: 2018 müssen die Bürger diese Belege nur noch "vorhalten" und nicht mehr in Papierform abschicken.

Besonders viel Zeit nehme der Bescheid in Anspruch, wenn das Amt Nachfragen hat. "Ich würde mir dann öfters einen Anruf wünschen", sagt Schmidt-Boos. Stattdessen lande meist ein Bescheid im Briefkasten mit der Bitte, Belege nachzureichen. "Das widerspricht dem Anspruch der Bürger auf rechtliches Gehör", sagt der Steuerberater. Stimmen die Zahlen nicht, müsse man Widerspruch einlegen, was im Finanzamt wiederum für Arbeit sorge. Und: Vor dem 1. März würde man sowieso nicht mit der Bearbeitung der neuen Steuererklärungen anfangen. Über seinen Digital-Dienstleister habe Schmidt-Boos erfahren, dass das jährliche Software-Update mit dem aktuellen Steuerrecht die Ämter regelmäßig erst dann erreiche. Es bleibe die Regel: Wer zuerst seine Erklärung abschickt, wird zuerst bearbeitet.

Die "Elster"-Software prüft immerhin, ob in den nötigen Anlagen alle Felder ausgefüllt sind und deckt kleinere Widersprüche auf, bevor sein Nutzer sie an das Finanzamt schickt. Daher wird auch versucht, mehr Bürger zu bewegen, sie zu nutzen: "Sie werden mit zwei Monaten mehr Zeit belohnt", sagt Sprecherin Dimoh. Die Abgabefrist verschiebe sich in NRW so von Mai auf Ende Juli für jene, die sich bis Ende Juni unter www.elster.de registrieren.

Quelle: RP
 
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