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Norbert Keusen
Der letzte der Mannesmänner geht

Norbert Keusen: Der letzte der Mannesmänner geht
Norbert Keusen ist seit 1972 bei der heutigen Vallourec, früher Mannesmann, davon acht Jahre als Vorsitzender der Geschäftsführung. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Norbert Keusen, Chef des Stahlrohrbauers Vallourec, geht nach fünf Jahrzehnten in Rente. Er verlässt ein Unternehmen, das noch unter dem Namen Mannesmann Wirtschaftsgeschichte schrieb. Ein Gespräch über Höhepunkte und tiefe Krisen.

Herr Keusen, Sie waren 45 Jahre für Mannesmann, die heutige Vallourec, tätig. Was war die schwerste Stunde?

Norbert Keusen Das war sicherlich die Phase während und vor der feindlichen Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch den britischen Mobilfunker Vodafone. Die Bedeutung des Stahlgeschäftes hatte ja schon vorher innerhalb des Unternehmens durch das Wachstum der Mobilfunksparte abgenommen. Aber diese drohende und schließlich erfolgte Zerschlagung war etwas Unverstellbares für die stolzen Mannesmänner. Schwer waren auch die 1970er Jahre, als die Stahlbranche in einer existenziellen Krise steckte.

Wie ging es nach der Übernahme für die Stahlrohrsparte weiter?

Keusen Die Stahlrohrsparte ist im Grunde gut aus der Nummer herausgekommen. Bereits vor der feindlichen Übernahme gab es ein Joint Venture mit dem französischen Stahlrohrhersteller Vallourec. Darin sind die Mannesmannröhrenwerke schließlich aufgegangen. Das war aus heutiger Sicht das Beste, was uns passieren konnte. So wurde verhindert, dass auch der Röhrenbereich zerschlagen wurde.

Wie sind Sie damals zur Firma gekommen?

Keusen Das war Anfang 1972. Ich war erst auf dem Görres-Gymnasium, mit Altgriechisch und Latein, braucht man natürlich für das Röhrengeschäft (lacht). Im Ernst: Ich war schon immer interessiert an Rechnungswesen und machte daher bei der damaligen Mannesmann eine Lehre zum Industriekaufmann.

Wie ging es für Sie weiter?

Keusen Wie es meinen Interessen entsprach, kam ich schnell weiter im Bereich Rechnungswesen, wo es um Konsolidierung und Konzernabschluss geht. 2007 ging es dann zurück zu den nahtlosen Rohren. Ich wurde erst Mitglied der Geschäftsführung und dann ein Jahr später Vorsitzender der Geschäftsleitung. In diese Phase fielen die Namensänderung und eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit Frankreich.

Wie ist Ihre Nachfolge geregelt?

Keusen Zum Glück rechtzeitig. Vor einem Jahr habe ich vorgeschlagen, meinen Geschäftsführerkollegen Ulrich Menne vor meinem Ausscheiden bereits zum Vorsitzenden der Geschäftsleitung zu machen. Jetzt wird Grit Heller, seit 2015 im Controlling tätig, meine Bereiche Finanzen, Controlling, Risikomanagement und Compliance verantworten. Im April wurde Dirk Bissel, bereits 2009 Mitglied der Geschäftsführung und von 2010 bis 2017 Leiter zweier weltweit operierenden Divisionen im Öl- und Gassektor, zum neuen Geschäftsführer Vertrieb ernannt. Er tritt die Nachfolge von Nicolas Moreau an, der innerhalb der Vallourec-Gruppe eine neue Rolle in der Zentrale übernimmt.

Wie war für Sie Ihr letzter Arbeitstag nach so vielen Jahren in derselben Firma?

Keusen Nicht wehmütig, eher geprägt von Nachdenklichkeit und Dankbarkeit, es gab sehr viele positive Reaktionen zu meiner Person, auch vom Betriebsrat, was mich auch angesichts der vielen Umbaumaßnahmen und des Stellenabbaus sehr gefreut hat. Wir haben hier über all die Jahre sehr gut zusammengearbeitet.

Was werden Sie nun mit Ihrer Tagesfreizeit anfangen?

Keusen Erst einmal fahre ich in den Urlaub an den Lago Maggiore nach Cannero auf der italienischen Seite des Sees. Dort werde ich den Laptop und auch das iPhone auslassen. In Düsseldorf bleibe ich weiterhin als Leiter des ökumenischen Gemeindechores aktiv. Der Chor singt in Reisholz und hat Mitglieder aus sechs Konfessionen, ich habe mich als Katholik sehr der Ökumene verschrieben. Seit einem Jahr bin ich auch Mitglied im Heimatverein Düsseldorfer Jonges. Besonders möchte ich mich weiter im Förderverein des Fachbereichs Wirtschaft der Hochschule engagieren, in dem ja auch Messechef Werner Dornscheidt und Sparkassenchefin Karin-Brigitte Göbel sehr aktiv sind.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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