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Kolumne Made In Düsseldorf
Der letzte Sieg der Mannesmänner

Düsseldorf. Das Mannesmann-Hochhaus bleibt das Mannesmann-Hochhaus. Der Streit zeigt, wie sensibel die Düsseldorfer sind, wenn es um Stadtgeschichte geht.

Die Firma Mannesmann existiert nicht mehr - seit vielen Jahren. Als der Schriftzug mit dem Namen des Unternehmens dem von Vodafone wich, war das der Rheinischen Post gerade mal eine Bildmeldung wert. Als dieser Schriftzug verschwand, gab es nicht mal eine Meldung in der Zeitung. Warum also nicht dem Haus einer versunkenen Firma den Namen des populärsten Bundespräsidenten, Richard von Weizsäcker, geben?

Das mag sich der aus Niedersachsen stammende Wirtschaftsminister Garrelt Duin gedacht haben, als er - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - seine Umbenennungspläne schmiedete. Sicherlich keine böse Absicht, vergewisserte er sich doch beim Ersten Bürger der Stadt, Thomas Geisel, dass dieser einverstanden ist.

Was dann geschah, haben die beiden Sozialdemokraten unterschätzt. Die scheinbare Petitesse, die Umbenennung eines Hochhauses, in das eh kaum ein Düsseldorfer hereingeht, wurde als Bildersturm empfunden. Was war geschehen? Was den beiden Politikern offenbar fehlte, war das Gespür für die ganz speziellen Gefühle der Düsseldorfer. Die haben in den vergangenen 20 Jahren viele Veränderungen erlebt. Die Stadt war fast ein Jahrzehnt lang eine Baustelle. Der Tausendfüßler verschwand. Der größte Arbeitgeber der Stadt, die Mannesmann AG, wurde in der größten feindlichen Übernahme der Weltgeschichte zerschlagen.

Das schmerzt die Düsseldorfer. Weil sich viele als Mannesmänner fühlen. Dass dieses Unternehmen die Stadt mehr prägte als alle anderen, kann man nicht ahnen, wenn man nicht mit den Zeitzeugen spricht. Mannesmann wird verbunden mit einem sicheren Arbeitsplatz, mit Produkten Made in Düsseldorf, die Weltruf genießen, mit dem Wiederaufstieg nach dem verlorenen Krieg und auch mit dem Wandel von der Industriestadt zur Hauptstadt der Mobilfunkunternehmen.

Es mag wenig nachvollziehbar sein, aber der Versuch, dieses Andenken an das wirtschaftsstarke Düsseldorf zu nehmen, traf die Einheimischen mitten ins Herz. Der Versuch, ein Leserforum in dieser Zeitung mit der Zeile "Debatte um Mannesmann-Hochhaus" zu überschreiben, musste gestoppt werden, weil es keine Debatte gab, keinen einzigen Leserkommentar, der die Umbenennung befürwortete. Wohl aber gab es Hunderte Briefe der Empörung. Die gescheiterte Umbenennung hat gezeigt, dass man gegen die Bevölkerung nicht populär sein kann. Das Mannesmann-Hochhaus behält seinen Namen. Das ist der letzte Sieg der Mannesmänner.

Quelle: RP
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