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Kolumne Mein Düsseldorf
Der Nachbar, das Einbruchsopfer

Düsseldorf. Neulich hab ich NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) im TV gesehen und gehört, wie er die positiven Ergebnisse seiner Anti-Einbruchs-Kampagne pries. Das war eine steile These, weil im Land die Zahl der Einbrüche binnen eines Jahres extrem angestiegen ist. Und Düsseldorf liegt an der Spitze.

Keine Sorge - das hier wird keine Polizei-Schelte. Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass diese Behörde ihr Möglichstes tut. Aber da sie seit Jahren kaputt gespart wird, ist sie längst an der Grenze des Machbaren. Der einzige Vorteil der Verbrechen gegen Frauen am Kölner Hauptbahnhof wird eine vielleicht endlich mal ernsthaft geführte Diskussion darüber sein, wie viel wir zu zahlen bereit sind für mehr Sicherheit - und damit sind wir alle gemeint, denn gratis ist das nicht zu haben.

Zurück zu den oben erwähnten Einbrüchen. Was Jäger da erzählt hat, ist pure Schönfärberei. Tatsächlich lockt Düsseldorf die Banden aus dem Baltikum, Weißrussland und Rumänien (ja, die Nationalitäten nenne ich hier bewusst, auch wenn der Presserat mich nun rügen wird!) wie ein Stück Zucker die Bienen: Wir sind nach deren Maßstäben wohlhabend, hier stehen die Porsches rum wie sonst nur auf dem Firmenparkplatz vor dem Werk bei Stuttgart und wir liegen verkehrsgünstig. Die nächste Autobahn ist nirgends mehr als ein paar Minuten entfernt. Aber muss man diese Einbrüche hinnehmen wie eine Naturgewalt? Derzeit scheint es so. Zur Klärung und damit keiner meint, dieser Text sei von einem Nicht-Betroffenen geschrieben: Zwischen 2002 und 2012 wurde in unserem Haus zweimal eingebrochen: Beim ersten Mal verschwanden Schmuck, drei Uhren, ein Fernglas, Bargeld, ein Set hochwertigen Schreibgeräts, etc. Am Ende waren es, kaum zu glauben, rund 20.000 Euro Schaden. Die zertrümmerte Tür nicht eingerechnet. Mental hat mich das nicht wirklich belastet, nur wütend gemacht, weil auch Dinge von hohem ideellen Wert weg waren. Beim zweiten Mal lag der Schaden (außer der wieder zertrümmerten Tür) bei Null - es gab nichts mehr zu klauen, weil nichts mehr herumlag.

Im selben Zeitraum wurden ein direkt vorm Haus geparktes Auto gestohlen, im Laufe der Jahre drei Autos insgesamt fünfmal aufgebrochen und geplündert: Navi weg, Airbags weg, Außenspiegel weg, usw. Die Versicherung hat jedes Mal gezahlt, der Ärger und der Aufwand waren nicht zu ersetzen. Soweit, so normal? Ist das unabänderlich? Offenbar ja - ein Nachbar zählte vier Einbrüche, ein anderer drei. Bei denen waren immerhin die Autos nicht so begehrt, da hatte ich wohl die falsche Marke gewählt. Demnächst werde ich wohl Kia fahren, die stiehlt keiner.

Nun las ich, dass bei einem Kollegen in Meerbusch ebenfalls ungebetener Besuch war. Einzige Spur: rumänische Münzen wurden gefunden. Tja - und nun? Einer schrieb bei Facebook: "Bestimmt eine eigens gelegte Spur!" Wieso denn? Hat ein deutscher Einbrecher rumänische Münzen hinterlassen, um die armen Rumänen noch mehr zu diskreditieren? Ziemlich schräger Gedanke, wie ich finde.

Vor wenigen Tagen nun sehe ich, dass nebenan eine japanische Familie eingezogen ist. Nette Leute, sehr höflich, reizende Kinder. Einen Tag später: Einbrecher haben versucht, in ihr Haus einzudringen, sind aber gescheitert. Willkommen in Deutschland: Die Umzugskartons sind noch nicht fertig ausgepackt, aber die Räuber gucken schon vorbei. Gescheitert sind sie übrigens nicht aufgrund der Anti-Einbruchs-Kampagne des Innenministers, sondern an den zusätzlich vom Hauseigentümer auf eigene Kosten installierten Türsicherungen. Aber vermutlich wird der Minister selbst das als Erfolg definieren: Immerhin ist man den Tipps der Polizei zur Abwehr von Einbrechern gefolgt.

Quelle: RP
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