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Serie Die Reformation In Düsseldorf (2)
Der schwere Anfang der Reformation

Serie Die Reformation In Düsseldorf (2): Der schwere Anfang der Reformation
Die Johanneskirche von 1881 war die erste protestantische Kirche in Düsseldorf, die frei im Gelände steht. FOTO: Archiv evangelischer Kirchenkreis
Düsseldorf. Erst knapp zehn Jahre nach Proklamation von Luthers Thesen trat die Reformation in Düsseldorf öffentlich auf. Wie schwer es Protestanten in den folgenden Jahrzehnten hatten, ist heute noch am Stadtbild ablesbar. Von Georg Gerstenberg

Auch Rheinländer haben an der 1502 gegründeten Universität Wittenberg studiert. Vermutlich sogar bei Luther. Luthers Schriften wurden sicherlich in Düsseldorf gelesen. Am 26. März 1525 jedenfalls wendet sich der in Düsseldorf seit 1521 regierende Herzog Johann III. scharf gegen die "schriften und lere van Marthinus Luter". Er gibt Befehl, "die Lehre Luthers und seines Anhangs weder zu predigen noch sich daran zu halten, sondern sich davon ,alsamen af zo keren'" - so erzählt es der Kirchenhistoriker Erwin Mühlhaupt.

Diese Haltung hindert Johann allerdings nicht, seine Tochter Sybille von Kleve ausgerechnet mit dem Kurprinzen Johann Friedrich von Sachsen zu vermählen, der die Anliegen der Reformation und Luthers nachdrücklich verteidigt. In die nicht leichten Heirats-Verhandlungen wird sogar Martin Luther eingeschaltet. Der riet, zu einem schnellen Abschluss der Verhandlungen zu kommen. So ist der heiratswillige Kurprinz öfter in Düsseldorf. Zu seinem Gefolge gehört auch der Maler Lukas Cranach der Ältere.

Wichtiger wird ein anderer Begleiter: Friedrich Mecum, der Hofprediger des Kurfürsten. Er ist ein enger Vertrauter Luthers. Er schreibt: "Zu Soest, zu Essen, zu Düsseldorf habe ich Christum mit großem Beifall [Zustimmung] des erwählten Volks Christi gepredigt." Die Predigten Mecums sind nicht überliefert. Aber sie wurden damals der Kölner Geistlichkeit hinterbracht. Die war offenbar beunruhigt. Denn unverzüglich eilt von dort der Domprediger Johann Heller von Korbach herbei. Er steigt am 17. Februar 1527 in St. Lambertus gegen Mecum auf die Kanzel. Es kommt zwei Tage später, kaum zehn Jahre nach Luthers Thesen, in einer Gaststätte am Marktplatz zum "Düsseldorfer Religionsgespräch" - morgens um 7 Uhr, wie der frühere Düsseldorfer Superintendent und Verfasser einer Geschichte der "Evangelischen Gemeinde Düsseldorf", Helmut Ackermann, berichtet. Ackermann: "Dieses Religionsgespräch stellt das erste öffentliche Auftreten der Reformation in Düsseldorf dar."

Des Herzogs enger Berater Konrad von Heresbach beginnt noch im Jahr 1527 einen lebenslangen Briefwechsel mit Philipp Melanchthon. Johann von Vlatten, der den Herzog auf Reichstagen und späteren Religionsgesprächen vertritt, sucht einen Mittelweg zwischen Katholiken und Protestanten. Die Mecum-, Heresbach- und Vlattenstraßen in Bilk erinnern noch heute an diese Zeit.

Nach Mecum predigen immer wieder evangelisch gesonnene Geistliche, von denen einige auch auf die reformatorische Seite wechseln. Es bilden sich kleine Gruppen, die - allerdings meist noch heimlich - Bibelstudien betreiben oder Gottesdienste halten. Das Abendmahl wird in "beiderlei Gestalt" ausgeteilt; gesungen wird in Deutsch aus dem "Bonner Gesangbuch" von 1544. Erst um 1570 ist ein erster Pastor der lutherischen Gemeinde bezeugt: Leonhard Marcoduranus.

Mit dem Konzil von Trient (1545 - 63) setzt die sogenannte Gegenreformation ein. Für viele Jahrzehnte werden die Lutherischen in die Illegalität gedrängt, ihre Toten müssen außerhalb Düsseldorfs beerdigt werden. Ähnlich ergeht es der inzwischen entstandenen reformierten Gemeinde, unter ihnen viele Christen aus den heutigen Niederlanden und Belgien.

Bekanntlich haben sich schon sehr früh in die biblisch-theologischen Anliegen der Reformation andere Interessen kirchlicher und weltlicher Herrscher gemischt. Diese sehen zwar Chancen auf mehr politische Unabhängigkeit von Kaiser oder Papst. Sie wittern aber auch mehr Gefahren - und unterdrücken oft entstehende Gemeinden. Eins ihrer Mittel ist das Gebot, protestantische Kirchbauten - wenn man sie schon nicht verhindern kann - im Straßenbild "unsichtbar" zu machen. Darum steht die lutherische Bergerkirche von 1672 im Hinterhof der Berger Straße; von der Wallstraße aus ist das Gebäude nicht sofort als Kirche erkennbar.

Ebenso ergeht es der reformierten Gemeinde. Sie hat seit 1610 einen schlichten Saalbau als Gottesdienststätte, doch erst 1684 kann eine Kirche eingeweiht werden, im Hinterhof - die heutige Neanderkirche. So ist die Johanneskirche von 1881 die erste protestantische Kirche, die frei im Gelände steht, weithin erkennbar. Allerdings hat die damalige Stadtregierung der Gemeinde nur die Quadratmeter für das aufstehende Gebäude zugestanden.

UNSER AUTOR WAR BIS ZU SEINEM RUHESTAND PFARRER DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE BENRATH. ER IST ARCHIVPFLEGER DES EVANGELISCHEN KIRCHENKREISES DÜSSELDORF.

Quelle: RP
 
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