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Düsseldorf
Der Weg zur Fahrradstadt ist lang

Fotos: Gefahrenorte für Fahrradfahrer in Düsseldorf
Fotos: Gefahrenorte für Fahrradfahrer in Düsseldorf FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Alle zwölf Stunden gab es laut Polizeistatistik 2015 in Düsseldorf einen Unfall mit Radfahrern, oft sind Kinder oder ältere Menschen beteiligt. Der ADFC fordert deshalb weitflächig Tempo-30-Zonen und eine familiengerechtere Infrastruktur. Von Stefani Geilhausen und Denisa Richters

Es sind die Schwächsten, die im Straßenverkehr am meisten gefährdet sind, sagt der Düsseldorfer Polizeipräsident. Norbert Wesseler, selbst passionierter Fahrradfahrer, nennt dabei die Radfahrer als eine der Risikogruppen, obwohl die Zahl der Fahrradunfälle im vergangenen Jahr um knapp sieben Punkte gesunken ist. "Die Folgen dieser Unfälle sind für Radfahrer ohne Schutzzone schwerwiegend." Zwar weist die Statistik auch für die bei Unfällen schwer verletzten Radler einen Rückgang um 20 Prozent aus. Aber hinter den Zahlen verbergen sich 87 Menschen und deren Familien, die lange an den Unfallfolgen zu leiden hatten. Und für zwei Radfahrer kam jede Hilfe zu spät.

Alle zwölf Stunden ist 2015 ein Radfahrer verunglückt. Nicht immer sind daran andere schuld. Auf der Bismarckstraße, übrigens Düsseldorfs einziger Fahrradstraße, etwa hat im Juni ein angetrunkener Rennradfahrer einen Fußgänger überfahren, der tödlich verletzt wurde. Es war einer von 345 Unfällen, die Radfahrer im vergangenen Jahr verursacht haben. Am häufigsten waren radelnde Senioren schuld an Unfällen (in 46 von 130 Fällen). Und fast die Hälfte aller Fahrradunfälle mit Kindern ist von den kleinen Radlern selbst verursacht worden. Für den Leiter der Verkehrspolizei, Georg Schulz, sind Kinder dennoch nicht Risikofaktoren. "Kinder verunglücken nicht, weil sie etwas falsch machen, sondern weil wir anderen nicht für sie mitdenken."

Die Unfallstatistik 2015 für Düsseldorf

Polizei: Schwerpunkt auf Radverkehr

Die Polizei will wie vor zwei Jahren einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Sicherheit im Radverkehr legen. Geplant sind Aktionen zur Prävention und Kontrollen. Die sollen nicht nur Autofahrern gelten, sondern auch dem regeltreuen Verhalten der Radler selbst, "Unsere Ziele sind langfristig", sagt Schulz mit Blick auf eine verbesserte Rad-Infrastruktur. "Bis es so weit ist, muss jeder Verkehrsteilnehmer auch für seine eigene Sicherheit selbst die Verantwortung übernehmen."

Das betont auch Lerke Tyra vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Düsseldorf, warnt aber davor, dass sich allein die Opfer schützen. "Wir erwarten von jedem Verkehrsteilnehmer ein angepasstes und kollegiales Verhalten." Ihr Vorschlag für mehr Sicherheit ist, möglichst weitflächig Tempo 30 in der Stadt einzuführen. "Das ist schnell realisierbar, und Entschleunigung bringt mehr Sicherheit für alle." Daneben muss auch die Infrastruktur geschaffen werden, damit Radfahrer jeden Alters sich sicher fühlen können.

Das Hauptradwegenetz, an dem die Stadt derzeit arbeitet, sei ein wichtiger Baustein - es müsse auch gut durch Beschilderung und Pläne erkennbar sein. Erwachsenen Radfahrern, die aus der Übung sind oder sich ein Elektro-Rad zulegen, empfiehlt Tyra eine "Fahrschule", die der ADFC regelmäßig als Wochenendseminar anbietet. Auch Sichtbarkeit etwa durch reflektierende Kleidung sei wichtig. Noch mehr aber, dass Autofahrer stärker Rücksicht nehmen. Das wird 2016 eine Kampagne der Stadt stärker ins Bewusstsein rücken.

Quelle: RP
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