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Hans-Heiner Scholz und Uwe Hadeler
Deutsche Bank will Gründer unterstützen

Hans-Heiner Scholz und Uwe Hadeler: Deutsche Bank will Gründer unterstützen
Hans-Heiner Scholz (l.) scheidet im Mai als Chef des Firmenkundengeschäfts der Deutschen Bank aus. 45 Jahre war er bei Deutschlands größtem Kreditinstitut tätig. Sein Nachfolger als Regionsleiter wird Uwe Hadeler. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Der alte und der neue Firmenkunden-Chef des Instituts in Düsseldorf über den Wechsel, die Start-ups und die Schulden der Stadt.

Herr Scholz, das Thema Start-ups dominiert die Wirtschaftsnachrichten der Stadt seit einigen Jahren. Wie ist Ihr Institut dort engagiert?

Scholz Wir sehen in den Düsseldorfer Start-up-Unternehmen großes Potenzial. Daher engagieren wir uns im Gründerzentrum Startplatz im Medienhafen. Einmal pro Woche sind wir dort direkt vor Ort und beraten die Gründer persönlich. Das kostenlose Angebot der Deutschen Bank beschränkt sich aber nicht auf die im Startplatz ansässigen, sondern richtet sich an alle Düsseldorfer Start-up-Unternehmen.

Ihr Wettbewerber Commerzbank wirbt damit, mit dem neuen Start-up-Hub Gründern auch finanziell zu helfen - auch mit Eigenkapital. Wie verhält sich die Deutsche Bank?

Hadeler Diese Unternehmen brauchen zum Beginn der Geschäftstätigkeit vor allem Risikokapital, das in Deutschland ausreichend durch Venture-Capital-Gesellschaften zur Verfügung gestellt wird. Die Deutsche Bank stellt daher einen Zugang zu einem funktionierenden Netzwerk von Risikokapitalgebern her. Es gibt auch viele Private oder große und mittelständische Unternehmen, die daran sehr interessiert sind. Finanzierungen kann die Deutsche Bank dann ermöglichen, wenn sich das Geschäftsmodell des jeweiligen Start-ups etabliert hat.

Wie wollen Sie die Gründer und die Mittelständler in einem Netzwerk zusammenführen?

Scholz Wir arbeiten intensiv daran, das Ökosystem aus Start-ups, Unternehmen, Wissenschaft, Verbänden und Kammern zu intensivieren und auf breitere Beine zu stellen. So engagieren wir uns im schon etablierten Start-up@Rhein-Ruhr-Team, das bewusst nicht nur auf Düsseldorf abzielt. In der Landeshauptstadt selbst arbeiten wir vor allem bei Veranstaltungen mit der Diwa und dem Cedus, respektive also mit der Heinrich-Heine-Universität. Außerdem sind wir Premiumsponsor der Anfang April stattfindenden Start-up-Woche. Dann werden sich verschiedene Start-up-Unternehmen bei uns in der Filiale an der Königsallee präsentieren.

Was ist die Schwierigkeit bei der Gründung eines Start-ups? Viele berichten davon, dass sie kein Geld bekommen ...

Hadeler Finanzmittel, sowohl Kredite als auch Risikokapital, sind in ausreichendem Umfang vorhanden. Der Knackpunkt für die Gründer ist eher, einen Markt für die eigene Idee zu finden. Übrigens: Spannende Fintechs und deren Ideen finden auch wir spannend.

Wie bereiten Sie gerade den Übergang von Hans-Heiner Scholz zu Uwe Hadeler als Firmenkundenchef vor?

Scholz Wir besuchen in diesen Wochen sehr viele unserer Kunden zu zweit, um für eine reibungslose Übergabe zu sorgen. Herr Hadeler und ich kennen uns aus der Bank schon seit mehr als zehn Jahren. Unsere gemeinsamen Kundenbesuche setzen wir noch bis Ende Mai fort, wenn ich endgültig in Pension gehe.

Was ändert sich durch den Wechsel?

Hadeler Zuletzt hatte die Deutsche Bank 16 Regionen für das nationale Privat- und Firmenkundengeschäft. Nun haben wir unsere Unternehmensbereiche einheitlich aufgestellt und arbeiten in sieben neu geschaffenen Geschäftsregionen in einem Team, das dem Kunden das gesamte Wissen und Können der Deutschen Bank aus einer Hand zur Verfügung stellt. Damit gewinnt der Standort Düsseldorf an Bedeutung. Hier an der Königsallee ist nun die Zentrale für den gesamten Norden und Osten von Nordrhein-Westfalen.

Herr Scholz, Sie haben nun fast 45 Jahre bei der Deutschen Bank gearbeitet. Was hat sich verändert, insbesondere in Düsseldorf?

Scholz Damals war die NRW-Landeshauptstadt neben Frankfurt eine der beiden Zentralen der Deutschen Bank. In der Zeit der Doppelspitze hatte stets einer der beiden Vorstandssprecher, so hießen ja die Chefs der Bank bis 2006 ganz traditionell, seinen Sitz hier an der Königsallee. F. Wilhelm Christians war dann der letzte Vorstandssprecher, der sein Büro in Düsseldorf hatte. Dennoch hat der Standort für die Deutsche Bank nicht an Bedeutung verloren. Düsseldorf zeichnet sich durch eine große Unternehmensvielfalt aus. Zudem ist Düsseldorf bis heute Sitz der zweitgrößten deutschen Börse. Das war zwar mal wichtiger, es gehört zum Bankenstandort aber weiter dazu, dass es hier eine Börse gibt.

Betreiben Sie künftig auch Kommunalgeschäft in der Region?

Hadeler Selbstverständlich. Wir sind und bleiben einer der größten Kommunalfinanzierer der nordrhein-westfälischen Städte.

Wie beurteilen Sie dann, dass die acht Jahre lang schuldenfreie Stadt Düsseldorf wieder Kredite aufnimmt?

Hadeler (lacht) Als Banker sind Kredite für mich relativ normal. Es kann durchaus sinnvoll sein, für Investitionsvorhaben Kredite aufzunehmen. Das gilt für Firmen, für Private und selbstverständlich auch für Kommunen. Problematischer wäre erst eine Kreditaufnahme, die die Grenzen der Belastbarkeit überschreitet.

Wer sind Ihre größten Wettbewerber?

Scholz Im lokalen Geschäft ist das sicherlich die Stadtsparkasse oder auch die Volksbank, regional und national vielleicht die Commerzbank. Als globale Hausbank haben wir aber auch hier in Düsseldorf ganz sicher ein Alleinstellungsmerkmal. Denn die Deutsche Bank ist die einzige deutsche Bank, deren Heimatmarkt Deutschland ist und die zugleich weltweit aufgestellt ist. Entsprechend können wir unsere Kunden vollumfänglich bei allen Finanzthemen und in aller Welt begleiten.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE THORSTEN BREITKOPF.

Quelle: RP
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