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Düsseldorf
"Die Altstadt hat ein Struktur-Problem"

Fotos: Diese Immobilien lassen sich schlecht vermarkten
Fotos: Diese Immobilien lassen sich schlecht vermarkten FOTO: Endermann
Düsseldorf. Gastro-Experte Markus Eirund glaubt, dass sich die "Längste Theke der Welt" in den kommenden Jahren neu erfinden muss. Grund dafür sind moderne Gastronomie-Konzepte, die nicht mehr zu den Altstadtimmobilien passen. Von Tim Harpers

Das Gesicht der Altstadt könnte sich in den kommenden Jahren nachhaltig verändern. Der Grund: Offenbar ist es für die Verpächter nicht mehr so einfach, neue Mieter zu finden, wie noch vor einigen Jahren. Das "Polani" am Burgplatz, das "Pilsener Urquell" und der ehemalige Standort des "O'Reilly's" an der Marktstraße sind nur einige Beispiele für Gastronomiebetriebe, die leer stehen, oder für die aktuell ein Nachmieter gesucht wird. Ein Blick in einschlägige Immobilienportale im Internet offenbart, dass darüber hinaus noch eine Reihe weiterer Hausbesitzer auf der Suche nach neuen Pächtern für ihre Altstadtimmobilien sind.

Für Markus Eirund, Gastro-Berater aus Düsseldorf und Kenner der Altstadtszene ist das keine Überraschung. "Die Altstadt hat ein Struktur-Problem", sagt er. "Derzeit stehen eine ganze Reihe von Gastro-Flächen leer oder sollen neu verpachtet werden, weil sich die Betreiber nicht mehr dazu in der Lage sahen, wirtschaftlich zu arbeiten." Das Immobilienangebot, das die Amüsiermeile derzeit zu bieten habe, entspreche nicht dem, was modern denkende Gastronomen nachfragten. "300 bis 500 Quadratmeter Gastraumfläche sind bei den Konzepten, mit denen ich zu tun habe, mittlerweile Standard", sagt Eirund. "Dass solche Objekte frei werden, ist in der Altstadt aber eher die Ausnahme."

Das ist die Düsseldorfer Altstadt FOTO: Hans-Juergen Bauer

Ein positives Beispiel sei Tim Mälzers neues Lokal "Hausmann's" an der Hafenstraße. Dort sei die stark nachgefragte Infrastruktur vorhanden gewesen. "Und deshalb wurde der Laden auch wieder schnell vermietet." Schafften es die Immobilienbesitzer in der Altstadt nicht, sich diesen neuen Gegebenheiten anzupassen, werde sich das Problem in Düsseldorf in den kommenden Jahren noch verstärken. "Ich will jetzt nicht das große Leerstandsgespenst heraufbeschwören", so Eirund, der auch das Gastroportal Düsseldorf betreibt, "aber die Altstadt muss sich wieder neu erfinden, so wie sie es in der Vergangenheit schon häufiger getan hat." Hausbesitzer müssten, wenn möglich ihre Flächen zusammenlegen, um Platz für die neuen Konzepte zu schaffen. Ansonsten werde es immer schwieriger werden, Mieter zu finden.

Was die genaue Höhe der Pachten angeht, halten sich Altstadtwirte und Vermieter äußerst bedeckt. Isa Fiedler, Sprecherin der Altstadtgemeinschaft, sagt nur, dass die Preise "hoch" seien. Selbst der NRW-Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Rainer Spenke, kann in dieser Frage nicht weiterhelfen. "Dafür müssten wir in die Pachtverträge schauen", sagt er. "Das können wir aber nur in den seltensten Fällen." Thomas Glodek vom Immobilienunternehmen Aengevelt sieht sich zumindest zu einer groben Einschätzung imstande. "Die Pachtpreise für Gastroimmobilien liegen im Innenstadtbereich zwischen 15 und 100 Euro pro Quadratmeter", erläutert er. "Je nach Größe und Lage." Die kleinteiligen Lokale an der Bolkerstraße seien die teuersten in dieser Spannweite. "Dort können sie von einer Pacht von ungefähr 100 Euro pro Quadratmeter ausgehen." Zum Vergleich: In Duisburg ist ein Gastro-Objekt in bester Innenstadtlage schon für 13,80 Euro pro Quadratmeter zu haben.

Fotos: Das sind die Düsseldorfer Weihnachtsmärkte FOTO: Hans-Juergen Bauer

Marcel Abel, Niederlassungsleiter des Düsseldorfer Büros des Immobilienunternehmens Jones Lang LaSalle, bestätigt den Trend, den Eirund beobachtet hat. "Es werden tatsächlich immer weniger Individual-Konzepte vorgelegt", sagt der Makler. "Der Trend geht in Richtung System - weg vom Einzelkämpfer hinter der Bar, hin zum Teamleiter. Die Läden müssen dementsprechend größer und möglichst offen sein. Sonst stimmt nachher die Kasse nicht", so Abel.

Eine Bedrohung für die Altstadt sieht er in dieser Entwicklung aber nicht. Man habe hier in Düsseldorf insofern eine Sondersituation, als es sich bei der Bolkerstraße und den umliegenden Bereichen um einen Touristenmagneten handele. Um die Nachfrage müsse man sich als Immobilienbesitzer deshalb keine Sorgen machen. "Wir werden in den kommenden Jahren aber sicherlich einige Veränderungen erleben. Wo die Eigentümer optimieren können, werden sie optimieren."

Quelle: RP
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