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Düsseldorf
"Die Arbeit im Hospiz gibt einem viel zurück"

Düsseldorf: "Die Arbeit im Hospiz gibt einem viel zurück"
Brigitte Roehle hilft auch am Empfang des Hospizes. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Düsseldorf. Seit 20 Jahren begleiten freiwillige Helfer wie Brigitte Roehle und Tayo Okunola todkranke Menschen im Hospiz am EVK in Unterbilk.

Wenn Brigitte Roehle Anderen von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Hospiz am Evangelischen Krankenhaus (EVK) erzählt, reagieren die oft mit Verwunderung, fast schon Ehrfurcht. "Wie schaffst du das?", wird die 59-Jährige häufig gefragt. Dabei ist die Arbeit für Roehle längst fester Bestandteil ihres Lebens. Seit 20 Jahren begleitet die Meerbuscherin schon Menschen im Hospiz an der Kirchfeldstraße.

"Ich wollte mich damals nach einer Lebenskrise neu orientieren. Auch wenn das so abgedroschen klingt, befand ich mich auf einer Sinnsuche", sagt Roehle. In der Zeitung las sie einen Artikel über das Hospiz, woraufhin ihr die Idee kam, sich dort zu engagieren. Nach einer sechsmonatigen Ausbildung fing Roehle im Hospiz an.

Tayo Okunola holt Getränke für einen Patienten. FOTO: Hans-Jürgen Bauer

Der Tätigkeitsbereich der 59-Jährigen ist groß. "Ich begleite Patienten, spreche mit Angehörigen und erledige ziemlich banale Dinge wie Einkäufe oder Behördengänge", sagt Brigitte Roehle. Auch am Empfang oder in der Küche hilft die Meerbuscherin ab und zu aus. Sie versucht, möglichst einmal in der Woche ins Hospiz zu kommen.

Dass die Arbeit nicht nur den Patienten, sondern auch ihr selbst sehr viel bringt, hat Roehle schon früh festgestellt. "Viele meiner Einstellungen haben sich geändert. Ich bin wesentlich gelassener geworden und rege mich nicht mehr über alles aus", meint Roehle. Dadurch, dass sie fast täglich mit dem Thema Sterben konfrontiert wird, weiß sie gerade die kleinen schönen Momente im Leben mehr zu schätzen.

An eine Patientin, die sie im Hospiz begleitet hat, kann sie sich besonders gut erinnern. Die Frau stand am Fenster und schaute auf die Straße hinunter, als Roehle zu ihr ins Zimmer kam. "Sie fragte sich laut, ob die Menschen da unten denn überhaupt wüssten, dass alles endlich sei", erzählt Roehle. "Das war einer der Momente, wo ich mir dachte, dass ich einfach das Beste aus meinem Leben machen muss."

Brigitte Roehle kann sich ihr Leben gar nicht mehr ohne ihre Arbeit im Hospiz vorstellen. "Ich bin quasi mit dem Hospiz verheiratet", meint die 59-Jährige. Neben den Begegnungen mit den Patienten schätzt sie auch den Austausch mit den anderen Ehrenamtlern. "Das Hospiz ist ein geschützter Raum. Dort vertraut man sich gegenseitig Dinge an, die man woanders niemals so sagen würde", sagt Roehle.

Quelle: RP
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