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Düsseldorf
Die Bahn, die die Stadtteile verbindet

Düsseldorf: Die Bahn, die die Stadtteile verbindet
Seit der Eröffnung der Wehrhahn-Linie steht die Linie 708 auf dem Prüfstand. An den Wochenenden fährt sie schon nicht mehr. FOTO: merlin bartel
Düsseldorf. Mehrfach wurde über die Zukunft der Straßenbahnlinie 708 diskutiert. Nun steht sie erneut auf dem Prüfstand. Von Merlin Bartel

Wer mit der 708 fährt, ist es gewohnt, zu warten. An ihm fahren am Hauptbahnhof zahlreiche Bahnen im Minutentakt vorbei: 704, 707, 709... Erst nach 20 Minuten kommt dann die Straßenbahn, die die Stadtteile Bilk, Friedrichstadt, Flingern, Düsseltal, Zoo und Mörsenbroich miteinander verbindet.

Seit Anfang vergangenen Jahres gilt auf der Linie ein veränderter Takt: Kein Verkehr nach 22 Uhr, und am Wochenende fährt sie gar nicht. Hintergrund war die Eröffnung der Wehrhahn-Linie im Februar 2016. Spätestens seitdem wird fortwährend über die Zukunft der 708 diskutiert: Fährt sie bald noch seltener? Oder wird sie sogar ganz eingestellt?

"Für die Bewohner im Zooviertel wäre es ein herber Verlust, wenn die 708 abgesetzt würde", sagt Paul-Hans Lang. Der 71-Jährige fährt gelegentlich damit ins Stadtzentrum. "In meinem letzten Jahr vor dem Ruhestand bin ich von Düsseldorf aus zur Arbeit nach Wuppertal gependelt. Dafür war die direkte Verbindung mit der 708 zum Hauptbahnhof wichtig."

Jennifer Griesbach ist mehrmals pro Woche mit der Straßenbahn unterwegs. Für ihr Hotelmanagement-Studium muss sie nach Dortmund und steigt deshalb am Hauptbahnhof um. "Das Schöne an der 708 ist, dass man hier auch zu Stoßzeiten einen Sitzplatz findet", sagt sie.

Vom Polizeipräsidium in der Nähe des Rheinturms führt die Strecke über die Berliner Allee zum Hauptbahnhof - dort steigen fast alle Fahrgäste aus, genauso viele steigen wieder ein. Einer der wenigen, die sitzen bleiben, ist Jürgen Riegner. Seit zwei Jahren fährt er die 708-Linie täglich von Anfang bis Ende: vom Polizeipräsidium in Unterbilk bis zum Heinrichplatz in Mörsenbroich. Und abends wieder zurück.

"Die Fahrt dauert zwar fast eine halbe Stunde, aber ich habe die Straßenbahn schätzen gelernt", sagt er. "Es ist immer recht leer, wohingegen die 701 eine Katastrophe ist - verspätet und fast immer voll, das ist keine Alternative. Deshalb hoffe ich, dass die 708 erhalten bleibt."

Bereits 2016 war eine Fahrgastumfrage geplant, um den Bedarf auf der Strecke zu ermitteln, doch sie wurde vertagt. "Eine Befragung ohne begleitendes Gutachten ist vor dem Hintergrund der veränderten Rahmenbedingungen zu einseitig", sagt Volker Paulat, Pressesprecher der Stadt. Gemeint ist der Umzug der Fachhochschule und die dadurch zu erwartenden steigenden Fahrgastzahlen.

"Bei rein statistischer Bewertung wäre eine Linie möglicherweise nicht rentabel, doch eine vorschnelle Abschaffung würde das Netz schwächen." Aus diesem Grund wurde im Verkehrsforum im Oktober 2017 vorgeschlagen, die Linie 708 im Gesamtkontext des Netzes zu bewerten. "Das bedeutet, dass man sich auf Leitlinien und Ziele verständigt", erklärt Holger Odenthal vom Amt für Verkehrsmanagement.

Diese Standards gelten auch etwa für die ÖPNV-Verbindungen am Abend sowie am Wochenende. Der Prozess der Leitlinien-Entwicklung findet unter Beteiligung der Bürger statt.

Anschließend seien Expertengespräche und Verkehrsforen geplant. Mitte November fand das erste dieser Foren statt. "In der zweiten Phase werden wir dann Maßnahmen zur ÖPNV-Netzergänzung entwickeln", sagt Odenthal. "Wir machen nicht speziell etwas für eine Bahnlinie, sondern betrachten alles im Gesamtnetz."

Auch Marion Jelinek ist regelmäßig in der 708 unterwegs: "Seit mehr als fünf Jahren nehme ich die Bahn zur Arbeit", erzählt sie. "Manchmal bin auch mit dem Auto gefahren, doch das ist purer Stress und dauert länger." Aus dem Zooviertel komme sie sonst schlecht zum Düsseldorfer Hauptbahnhof. "Fällt die Verbindung weg, würde es meinen Arbeitsweg deutlich erschweren", sagt sie. Auch an den Wochenenden vermisse sie die Möglichkeit, die Linie zu nehmen. "Mir gefiel der alte Fahrplan besser, denn ich bin immer gerne mit der 708 in die Innenstadt gefahren."

Von Montag bis Freitag sitzt auch Miriam Meier mit ihrem Kind in der Bahn. "Ich nehme die Bahn zur Arbeit und bringe meinen Sohn zur Tagesmutter", erzählt sie. "In letzter Zeit höre ich immer wieder Senioren über die 708 diskutieren. Eine Einstellung wäre für uns eine klare Einschränkung. Die Wehrhahn-Linie soll Abhilfe für Düsseltal schaffen, doch viele Ältere können nicht so weite Umwege laufen."

Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir Herrn Riegner mit der Aussage zitiert, die Linie U71 sei einer Katastrophe. Gemeint war aber die Linie 701. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. 

Quelle: RP
 
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