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Serie Düsseldorfer Geschichte(n)
Die Baumeister von Düsseldorf

Die großen Projekte der Architekten von SOP
Die großen Projekte der Architekten von SOP FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Düsseldorf hat große Architekten hervorgebracht. Mit SOP feiert ein besonders kreatives Büro Jubiläum. Von Uwe-Jens Ruhnau

"Wir schlagen uns immer noch die Köppe ein", sagt Jurek M. Slapa. "Na ja, heute etwas sanfter", kontert Zbigniew Pszczulny. Helmut Oberholz hört sich das an und lächelt. Vor 30 Jahren ist er in dieses kreative Kraftzentrum hineingeraten. Er war Mitarbeiter bei Slapa, der gerade für einen Essener Architekten tätig war.

Slapa schickte ihn eines Tages zu seiner Dachwohnung nach Flingern auf die Lindenstraße, in der der kreative Pole nicht nur Pläne zeichnete, sondern gerne auch Teile von Oldtimern restaurierte. Vor der Tür parkte Pszczulnys Auto im absoluten Halteverbot. Dort oben haben die drei Architekten dann nächtelang diskutiert und entworfen. In diesem Monat feiern sie ihr 30-Jähriges als Partner. In Flingern, wo alles begann, diesmal trifft man sich jedoch auf der Birkenstraße in der Sammlung Philara.

Die Anfangsbuchstaben der Drei bilden seit 2010 den Firmennamen: SOP. Sie arbeiten national und im Ausland, haben aber vor allem an vielen Stellen in der Landeshauptstadt ihre Spuren hinterlassen - mit auffallend vielen wichtigen Gebäuden, darunter: der neue Flughafen, die Arena, das Stilwerk, die Hafenspitze mit dem Hyatt-Hotel, das Gap 15 am Graf-Adolf-Platz, der Messe-Eingang Nord mit dem Bahnhof und auch der geplante Messeeingang-Süd mit dem spektakulären Dach über dem Platz. Das alles stammt aus diesem Büro, ebenso Pläne für das Andreasquartier, die Entwürfe für die neue Trivago-Zentrale im Medienhafen und die Mayersche Buchhandlung auf der Königsallee.

Eine Selbstverständlichkeit sind die Zuschläge für solche Großvorhaben nicht. "Wir starten stets interne Wettbewerbe", sagt Slapa. Mit schöner Regelmäßigkeit wird kurz vor Abgabetermin der Favoriten-Entwurf gekippt und ein anderer Plan eingereicht. Ein gutes Beispiel dafür ist das Gap 15 am Graf-Adolf-Platz. Eigentlich wollten die Planer einen Entwurf abgeben, der der "Gurke" von Norman Foster in London ähnelte. Fünf Tage vor Abgabe rief der beauftragte Statiker bei den Architekten an und wies auf die immensen Kosten hin, die eine solche Konstruktion nach sich ziehen würde. Also ging man die mehr als zehn Konkurrenzentwürfe durch und entschied sich schließlich für den nun realisierten Bau.

Mit dem heute am Graf-Adolf-Platz stehenden Hochhaus hat es eine besondere Bewandtnis. Es ist eine Antwort auf das Dreischeibenhaus und damit auch eine Hommage an den großen Düsseldorfer Architekten Helmut Hentrich vom Büro HPP. Jurek Slapa nennt ihn "meinen Vater, auf den ich nie etwas kommen lassen würde". 20 Jahre hat er für Hentrich gearbeitet, nachdem er mit seinem BMW Dixi in den sechziger Jahren nach Düsseldorf gekommen war. Das Gap 15 befindet sich am Südende der Kö auf der anderen Seite, und es besteht ebenfalls aus drei Scheiben, die in S-Form ineinandergreifen.

Hentrich hat mit seinem Verständnis von Architektur die DNA der SOP-Entwürfe maßgeblich beeinflusst. "Macht alles, nur nichts Modisches", war das Credo des Grandseigneurs. "Wir legen nicht Wert auf den Trompetenstoß", sagt heute Pszczulny. Ihre Philosophie umschreiben die Männer so: "SOP entwickelt Bauwerke von zeitloser, zurückgenommener Architektur, die sensibel auf ihr städtebauliches Umfeld reagieren und die Funktionalität des Gebäudes in den Vordergrund stellen." Biete sich die Möglichkeit, vorhandene, historische Bausubstanz zu erhalten, so wolle man sie ergänzend oder kontrastierend in die Entwürfe einbeziehen.

Dieses Miteinander kann in Düsseldorf an einigen Stellen besichtigt werden: beim Gap 15 mit dem alten Postgebäude, beim Wohnkomplex Zoo Carrée an der Sohnstraße, beim Büro-Bau Clara & Robert an der Ulmen-/Johannstraße und jetzt auch beim Bau von Fürst & Friedrich an der Friedrichstraße. Meist werden Fassaden erhalten. "Es geht um die Identität des Ortes", sagt Helmut Oberholz. Man schaffe Neues, nehme aber auf, was da ist, und gebe es an die nächste Generation weiter.

Die Zurückhaltung bei der Gestaltung führt dazu, dass Gebäude beinahe zeitlos wirken. Beim Foto-Termin in der Arena bestätigt das Hausherr Hilmar Guckert. "Die Arena ist 2005 eröffnet worden. Wenn ich mit Kunden in den Business Club gehe, haben sie den Eindruck, in ein modernes Ambiente zu kommen."

SOP hat 90 Mitarbeiter, eine mehr als ordentliche Größe für ein Architekturbüro. Mit Wolfgang Marcour und Lothar Simonis sind zwei neue Partner in der Chefetage dabei. Marcour kam als Student dazu, als das Büro die Düsseldorfer Niederlassung von JSK war. Er ließ sich von der kreativen Atmosphäre anstecken. Slapa ist diese Woche 75 geworden, im Sommer hat er wieder eine große Tour mit dem Oldtimer gemacht. Er liebt seine Arbeit. "Die Architektur ist mein Leben."

Quelle: RP
 
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