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Kolumne Auf Ein Wort
Die Bibel als Sammlung von Bildern

Düsseldorf. Jetzt beginnt das Bildersammeln. Es wird sortiert, geklebt, getauscht, bis das Düsseldorfer Panini-Heft vollständig ist. Fortuna-Spieler, Stadtansichten, Gotteshäuser - all das gehört zum bunten Bild unserer Stadt. Da sind viele mit großer Leidenschaft unterwegs. Unsere Bildersammlungen können uns einiges bedeuten. Wir verbinden mit ihnen wichtige Erlebnisse und Erfahrungen, manchmal auch Wünsche oder Hoffnungen. Geraten sie uns später einmal wieder in die Hände, dann staunen wir und erinnern uns. Manche Bilder können starke Gefühle und lebhafte Vorstellungen auslösen, die weit über das hinausgehen, was das Bild oberflächlich transportiert. Klar ist: Ohne Bilder geht es nicht. Sie helfen uns, die Welt, in der wir leben, zu begreifen und zu deuten.

Manchmal werden Bilder aber auch übermächtig. Sie sind dann so stark, dass wir uns von ihnen nicht mehr lösen können, selbst dann, wenn die Realität eine andere ist. Das war die Ursache für die Bilderkritik des Protestantismus. Denn Bilder können unfrei machen, wenn sie Macht über uns gewinnen. Manche Kritik lief in der Anfangszeit der Reformation aus dem Ruder: Bilderstürmer zerschlugen Heiligenfiguren und Kirchenfenster, um die Macht des Wortes Gottes heller erstrahlen zu lassen. Martin Luther hatte dazu eine differenzierte Haltung. Für ihn konnten Bilder von Gott erzählen und waren daher wertvoll für den Glauben. Luther war zu sehr Bibelleser, um nicht zu sehen, dass die Bibel selbst eine Sammlung von Bildern ist, mit denen Menschen ihre Erfahrungen mit Gott beschrieben haben. Und doch sind es Bilder, tastende Versuche, etwas von dem sichtbar zu machen, das in seiner Vollkommenheit für Menschen nicht zu fassen ist. Luther selbst hat mit Vorliebe seine Glaubenserfahrungen mit Lichtmetaphorik beschrieben. Das heutige Reformationsfest steht unter dem Thema "Bild und Bibel". Eine gute Gelegenheit, unsere persönliche Bildersammlung von Gott zu sichten. Vielleicht entdecken wir manches Staunenswerte und vor Zeiten Liebgewonnene neu.

Quelle: RP
 
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