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Düsseldorf
Die Chancen des Bücherbusses

Düsseldorf. Die Politik ist unentschieden, ob sie in einen neuen Bücherbus 490.000 Euro investieren soll. Bürger machen sich für den Erhalt stark. Hier die Argumente für und gegen die Fortführung des Angebots. Von Sonja Schmitz

Zusätzlich zu der Zentralbibliothek am Hauptbahnhof gibt es 14 Stadtteilbüchereien. Reicht dieses Angebot nicht aus? Die engagierten Nutzer des Bücherbusses führen an, dass für ältere Menschen, Mütter mit Kindern oder Behinderte manche Stadtteilbüchereien nicht gut zu erreichen sind. Bewohner von Angermund könnten beispielsweise nicht gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Kaiserswerther Filiale fahren. Außerdem würden dort Parkplätze fehlen. Darüber hinaus habe das Angebot des Bücherbusses eine besondere Qualität, die den festen Standorten fehlen.

Was zeichnet die besondere Qualität des Bücherbusses aus? Wenn der Bus einmal die Woche kommt, stellt er für die engagierten Nutzer einen sozialen Treffpunkt dar. Sie werden mit Namen begrüßt, es gibt persönliche Beratung und Austausch, der auch mit der schwindenden Nahversorgung in einigen Stadtteilen seltener geworden ist.

Wer nutzt den Bus? Hauptnutzer sind mit gut 60 Prozent Kinder unter 14 Jahren. Im Jahr 2013 nahmen 629 Leser den Bücherbus in Anspruch, darunter 381 Kinder bis 14 Jahren.

Wie viel wird über den Bücherbus im Jahr ausgeliehen? Die meisten Ausleihen wurden 1996 verzeichnet. Damals lag die Zahl bei 87.000. In diesem Jahr rechnet man mit etwa 52.000 Ausleihen. Der selbe Wert wurde bereits vor zehn Jahren erreicht. Zwischendurch gibt es Schwankungen nach oben und unten. 2014 etwa wurden nur 43.134 Ausleihen registriert, weil der Bus an 31 Tagen nicht im Einsatz war - unter anderem wegen Reparaturen und Umbauten.

Wie werden diese Ausleihzahlen bewerten? Unterschiedlich. In Zeiten der Digitalisierung sei dies ein Beleg für den Erfolg des Angebots, finden die Befürworter. Der Leiter der Stadtbüchereien, Norbert Kamp, verweist darauf, dass die festen Standorte in den vergangenen Jahren stetige Zuwächse verbuchen konnten. Deshalb sieht er dort eine größere Dringlichkeit zu investieren.

Spricht sich der Leiter der Stadtbücherei gegen die Fortführung des Bücherbusses aus? Kamp sagt, er würde dieses Angebot an sich gerne beibehalten, weist aber auch deutlich auf die Nachteile hin. Der Bus fährt immer zu denselben Zeiten im Wochenrhythmus die Haltepunkte in der Zeit von 14 bis 19 Uhr an. Hat ein Kind also am entsprechenden Tag Sporttraining, dann kann es das Angebot also nie nutzen. Außerdem sei es so, dass die späten Termine - ab etwa 18 Uhr - gut besucht seien, an manchen frühen Terminen komme dagegen häufig kaum jemand zum Bus.

Elf weitere Städte in NRW bieten einen Bücherbus an, darunter finanziell schwach ausgestattete wie Duisburg. Warum ist eine mögliche Abschaffung in Düsseldorf überhaupt ein Thema? Der Bücherbus wurde im Jahr 1987 gebaut. Zwar ist er erst 230.000 Kilometer gelaufen, aber durch Verschleißerscheinungen hat er häufiger Pannen. Bleibt er auf der Strecke liegen, kostet das Abschleppen 500 Euro. Die Reparaturkosten betrugen im vorigen Jahr 13.500 Euro, in diesem 14.000 Euro. Das werde auch künftig nicht besser, sagt Kamp. Wegen der veralteten Technik sei der Bus außerdem eine Belastung für die Umwelt und verbrauche 40 Liter Diesel pro 100 Kilometer.

Wie stehen die Befürworter zu diesen Argumenten? Ein Bürger führte an, dass eine Generalüberholung den Bus noch längere Zeit ohne Störung am Laufen halten könne. Diese koste nur 50.000 Euro. Um die Kosten für einen externen Fahrer zu sparen, so ein weiterer Vorschlag, könnten auch die Mitarbeiter des Bücherbusses einen Bus-Führerschein machen und die Aufgabe übernehmen. Und schließlich falle angesichts der kurzen zurückgelegten Strecken der hohe Verbrauch nicht so stark ins Gewicht.

Quelle: RP
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