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Missbrauch einer 90-Jährigen
Die Düsseldorfer Altstadt muss sicherer werden

Missbrauch einer 90-Jährigen: Die Düsseldorfer Altstadt muss sicherer werden
Martin Volkenrath (li.) und Andreas Hartnigk, Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des Ordnungsausschusses, fordern mehr Licht für die Altstadt und stehen zusätzlicher Videoüberwachung positiv gegenüber. FOTO: A. Endermann
Düsseldorf. Die Debatte um mehr Polizisten, mehr Kameras und härteres Durchgreifen wird seit dem Wochenende noch intensiver geführt. Ermittler haben einen Wiederholungstäter gefasst, der eine 90-Jährige überfallen und missbraucht haben soll. Von Christian Herrendorf

Auf die Erleichterung folgten erst Fragen, dann Kritik. Düsseldorfs Ratspolitiker begrüßten am Sonntag, dass die Polizei einen Verdächtigen zum Überfall auf eine 90-Jährige an der Lambertuskirche gefasst hat. Sie wollen nun aber auch wissen, warum der Mann auf freiem Fuß war, obwohl er Ende Mai einen 17-Jährigen in der Altstadt mehrfach ins Gesichts geschlagen und bestohlen haben soll und auch schon zuvor wegen verschiedener Delikte aktenkundig geworden war.

"Wir müssen gar keine Gesetze ändern, sondern sie nur richtig anwenden. So jemand muss bis zur Verhandlung in Untersuchungshaft bleiben", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Ordnungsausschusses, Andreas Hartnigk (CDU). "Die beste Polizei und das Hinsehen der Bürger helfen nichts, wenn ein festgenommener Gewalttäter wieder freikommt", sagte die FDP-Vorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Tatort Lambertusstraße: Hier wurde die Seniorin angegriffen. FOTO: Andreas Bretz

Die Polizei hatte am Freitagabend einen 19-Jährigen festgenommen, der Anfang Oktober eine 90-Jährige überfallen und sexuell missbraucht haben soll. Die Frau hatte am Sonntagvormittag eine Kerze in der Kirche angezündet und war auf der Lambertusstraße attackiert worden. Die Polizei hatte den Täter mit Videoaufnahmen gesucht und auch mit Hilfe von DNA-Material ausfindig gemacht.

Am Wochenende stellte sich heraus, dass der Verdächtige im Mai – auch an einem Sonntagmorgen, auch an der Lambertuskirche – einen Jugendlichen beraubt haben soll. Dafür ging er damals in Untersuchungshaft, konnte diese aber Anfang August verlassen, obwohl er als wohnungslos geführt wird. Die Kritik an Justiz und Landesregierung fällt entsprechend heftig aus. "Ich habe Verständnis für Polizisten, die die Lust an ihrem Job verlieren, wenn sie Leute festnehmen und kurze Zeit später schon wieder treffen", sagte Hartnigk. "Wir müssen es ernst nehmen, dass die Bürger das Gefühl haben, dass Polizeiarbeit ad absurdum geführt wird", sagte Strack-Zimmermann.

"Viele Bürger sagen, dass es ihnen nicht hell genug ist"

Der aktuelle Fall verstärkt die Debatte um die Frage, wie die Altstadt sicherer werden kann. Polizeipräsident Norbert Wesseler will weitere Kameras, drei am Burgplatz und zwei an der Kurzen Straße, einsetzen, um so bei Straftaten frühzeitig eingreifen zu können.

Der Vorsitzende des Ordnungsausschusses, Martin Volkenrath (SPD), steht dieser Idee positiv gegenüber. "Wenn wir die Kameras nur freitags, samstags und vor Feiertagen einsetzen und nach einem Jahr gucken, ob sie wirken, und sie wieder abhängen, wenn sie nicht effektiv sind, dann kann ich mir das gut vorstellen." Wichtiger ist ihm, dass mehr Licht in die Altstadt kommt. "Viele Bürger sagen, dass es ihnen nicht hell genug ist, vor allem viele Ältere trauen sich schon am späten Nachmittag nicht mehr raus." Die Grünen hatten bereits frühzeitig Zustimmung für die Kameras an der Kurzen Straße und Zurückhaltung mit Blick auf die besondere Atmosphäre des Burgplatzes signalisiert.

Für CDU und FDP steht neben Kameras und Licht eine andere Forderung im Zentrum. "Wir brauchen schlichtweg mehr Personal", sagte Hartnigk. "Streifgänge sind wirksamer als Videoüberwachung", so die Chefin der Düsseldorfer Liberalen.

 
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