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Düsseldorf
Die Düsseldorfer und ihre Heimat

Das bedeutet für die Düsseldorfer "Heimat"
Das bedeutet für die Düsseldorfer "Heimat" FOTO: Bretz, Andreas (abr)
Düsseldorf. Was macht eigentlich Heimat aus? Düsseldorfer haben darauf unterschiedliche Antworten. Die Rheinische Post befasst sich in den kommenden drei Wochen in einer Serie damit, wie sich Heimat erleben, genießen und entdecken lässt. Von Arne Lieb und Uwe-Jens Ruhnau

Nichts ist langweiliger als dauerhafte Harmonie - insofern hat Düsseldorf in den letzten Jahrzehnten vieles richtig gemacht. Wie gerne zerreißen sich die Nachbarschaft und die halbe Republik das Maul über diese Stadt am Rhein. Die launische Diva, der Glamour und die vermeintliche Arroganz provozieren. Neid will verdient sein - und das hat diese Stadt zweifelsohne geschafft! "Wer wohnt schon in Düsseldorf?", fragte höhnisch Herbert Grönemeyer, und Konstantin Wecker grantelte "Überall ist die Kö für Verblödötö".

Die erfolgreichste deutsche Band, die sich bei jedem Konzert stolz als "die Toten Hosen aus Düsseldorf" vorstellt, machte sich in dem Lied "Modestadt Düsseldorf" einen Spaß daraus, die Vorurteile zu bedienen: "Wir sind aus einem schönen Ort, Armut ist hier ein Fremdwort".

Was wir mit Heimat verbinden FOTO: Fischer, Armin (arfi)

Die Verbundenheit vieler Düsseldorfer mit ihrer Stadt hat schöne Zitate hervorgebracht. Das bekannteste fällt auch Ehrenbürger Udo van Meeteren (89) sogleich ein. Er sagt von sich selbst, er sei "nur aus Versehen in Mülheim an der Ruhr geboren, aber im Alter von drei Monaten nach Düsseldorf importiert worden". Mehr als hundert Reisen habe er nach Kanada und in die USA unternommen, aber immer sei er nach Düsseldorf zurückgekehrt. Es gehe ihm wie Heinrich Heine: "Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe. Ich bin dort geboren, und es ist mir, als müßte ich gleich nach Hause gehn."

Hans Müller-Schlösser, mit dem "Schneider Wibbel" der zweite "National-Dichter" der Stadt, hätte das Leben ohne seine Heimat wohl kaum ausgehalten: "Mit Düsselwasser bin ich getauft, der Rhein tränkt meine Wurzeln und ich würde vertrocknen, wenn ich mich in ein anderes Erdreich verpflanzen würde."

Zu einer Heimat, ob durch Geburt oder Zuzug, gehört natürlich auch, dass man sich an ihr reibt. Manche Zugezogene zum Beispiel fremdeln mit dem rheinischen Temperament. Das galt auch für das sächsische Musikerpaar Clara und Robert Schumann. "Das ist eigen hier, zum Schwatzen haben sie immer Leben genug, zum Singen nicht", notierte Clara, weil der Chor des Musikvereins nicht tat, was der Gatte wollte.

Das ohnehin nie zu klein geratene Selbstbewusstsein Düsseldorfs kurbelte hingegen ein anderer Auswärtiger an, Napoleons Minister Pierre-Louis Roederer. Der bezeichnete die Stadt in euphorischer Laune mal als "Klein-Paris". Eine Erklärung blieb er schuldig, gemerkt haben es sich die Düsseldorfer trotzdem gern.

So vielfach Lobessprüche (und allergische Äußerungen) sind, so gibt es auch den verschämten Umgang mit der Herkunft. Der ewige "kölsche Jung" Willy Millowitsch posaunte ungern herum, dass sein Vater Peter Wilhelm Millowitsch 1880 ausgerechnet im Uerige-Stammhaus in der Düsseldorfer Altstadt geboren wurde. Lieber mutmaßte er, der Papa habe auf einer Landstraße nahe Köln das Licht der Welt erblickt.

Quelle: RP
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