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Düsseldorf
Die fünf Fragen zum Schauspielhaus

Düsseldorf: Die fünf Fragen zum Schauspielhaus
Dieses Schild kann Theaterfreunden in diesen Tagen Sorge machen, bezieht sich aber nur auf den Abriss der benachbarten Gebäude. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die Debatte um einen Verkauf des Theatergebäudes löst viele Emotionen aus. Aber einige grundlegende Fakten für eine Entscheidung sind immer noch unbekannt. Was wir wissen - und was nicht. Von Arne Lieb

Warum wird gerade jetzt über das Schauspielhaus debattiert?

Der Auslöser war, dass der Stadtrat im November die nächsten Gelder für die Sanierung des Gebäudes am Gustaf-Gründgens-Platz genehmigen sollte. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) ist dazwischen gegrätscht. Er will Kosten von 22 bis 25 Millionen Euro für die Sanierung von Dach und Fassade sowie für kleinere Arbeiten vor allem im Innern nicht ohne Debatte hinnehmen - und vor allem nicht bald schon weitere Beträge verantworten müssen. Geisel betont immer wieder, dass die Kosten noch erheblich steigen könnten. Seine Forderung: Man muss vorab die Grundsatzentscheidung treffen, ob die Stadt weiter in das Haus investieren soll. Das galt bislang als unstrittig - der Vorstoß sorgt für erheblichen Protest.

Was würde eine Sanierung überhaupt kosten?

Das ist überraschend unklar. Summen von bis zu 100 Millionen Euro stehen im Raum, könnten aber auch gestreut werden, um die Diskussion anzuheizen. Es ist zudem ungewiss, wie belastbar aktuelle Gutachten sind. Man muss in jedem Fall in drei Kategorien sortieren: Rund 58 Millionen wurden seit 2002 bereits investiert. Das Geld ging unter anderem in Schadstoffbeseitigung, Bühnenmaschinerie und - gerade noch in Arbeit - in die Haustechnik. Von innen ist das Haus also keinesfalls baufällig. Das wichtigste offene Projekt ist, zweitens, die Sanierung von Dach und Fassade. Die gilt als überfällig. Laut eines Gutachtens des Architekten Christoph Ingenhoven würden die Arbeiten 12 bis 15 Millionen Euro kosten. Allerdings befürchten Fachleute bei der Stadt angeblich höhere Kosten. Dazu kommt, drittens, eine Reihe von wünschenswerten, aber nicht unbedingt nötigen Arbeiten, etwa im Foyer. Sie werden mit zehn Millionen Euro taxiert. Geisel warnt, dass Schätzungen im Zweifel nicht viel wert sind. Er verweist auf die Arbeiten an der Haustechnik: Die sollten mal sechs Millionen Euro kosten, jetzt sind es mehr als 20 Millionen.

Wer trifft die Entscheidung?

Am Ende muss der Stadtrat einen Beschluss fassen. Bei Arbeiten im Innern muss das NRW-Kulturministerium mitziehen, denn die bezahlt das Land mit. Geisels Vorstoß erhöht auch den internen Druck auf Kulturdezernent Hans-Georg Lohe. Der ist seit August auch für Baufragen in der Kultur zuständig. Wenn Geisel sich beklagt, dass er den Schätzungen nicht traut, geht das direkt gegen Lohe. Der dürfte starkes Interesse an einer raschen Lösung haben, die Geisel und Intendant Wilfried Schulz zufriedenstellt. Sonst kann er nur verlieren.

Was könnte einen Investor am Schauspielhaus interessieren?

Das weiß niemand so recht. Geisel hat eine öffentlich-private Partnerschaft ins Spiel gebracht. Im Wahlkampf hatte er noch gegen solche Modelle gewettert, da sie für Kommunen oft Nachteile bedeuteten. Da die Kooperation aus SPD, Grünen und FDP aber keine Neuverschuldung möchte, braucht er Alternativen. Klar ist: Ein privater Bauherr hätte Steuervorteile - und vielleicht ein anderes Konzept. Aber was soll aus dem Spezialgebäude werden? Dazu gibt es nur vage Ideen wie ein Musicaltheater. Ein Abriss steht aber nicht mehr im Raum.

Was würde ein Auszug für das Schauspiel bedeuten?

Eine Ersatzspielstätte dieser Kategorie steht nicht zur Debatte, das Schauspiel würde den wichtigsten Spielort verlieren. Fest steht: Intendant Wilfried Schulz, der das Theater nach Jahren der Krise übernommen hat, wäre düpiert, ein Rücktritt wahrscheinlich. Zudem ist fraglich, ob das Land das Schauspiel weiter mit hohen Zuschüssen bedenkt, wenn die wichtigste Spielstätte fehlt - es geht also auch um die Bedeutung der Theaterstadt Düsseldorf.

Quelle: RP
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