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Düsseldorf
Die Geschichte der Ideen für Kö-Bogen II

Entwürfe für den Kö-Bogen II
Entwürfe für den Kö-Bogen II FOTO: Cadman
Düsseldorf. Wo und wie viel soll gebaut werden? Das war von Beginn an die Frage bei der Neugestaltung der Innenstadt. Beim zweiten Teil des Projekts Kö-Bogen ist die Diskussion wieder entbrannt – und wird heute auf dem RP-Podium geführt. Von Denisa Richters

Nach all den Jahren der Planung könnte man meinen, das Projekt Kö-Bogen sei ausreichend diskutiert. Doch das Gegenteil ist der Fall: Während der erste Bauabschnitt mit den Libeskind-Bauten in der Phase des Endspurts ist, steht Kö-Bogen II noch relativ am Anfang der Realisierung: Der Tausendfüßler ist zwar längst abgerissen, der Bau der Tunnel für die Autos in vollem Gang. Doch wo genau neue Baufelder entstehen, in welchem Volumen, in welcher Architektur – darüber ist die Debatte entbrannt. Deshalb ist heute Abend bei der Podiumsdiskussion der Rheinischen Post in Kooperation mit dem Maxhaus (s. Info-Kasten) für reichlich Spannung gesorgt. Als Vorbereitung darauf schlagen wir den Bogen von den Anfängen des zweiten Bauabschnitts bis zur neuen Diskussion:

1993 Alles geht auf eine Idee des Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven zurück. Gemeinsam mit dem damaligen Stadtdirektor Jörg Bickenbach entwickelt er den Plan, die durch den Zweiten Weltkrieg und die in der Nachkriegszeit geschlagenen Schneisen "zerstörte Innenstadt" an dieser Stelle wieder "zu reparieren". Dafür soll mit der Bebauung des Jan-Wellem-Platzes der Bogen, den die Kö einst entlang des Hofgartengewässers Landskrone schlug, nachempfunden werden. Der Abriss der Hochstraße Tausendfüßler und eine Neugestaltung der dadurch frei werdenden Fläche gehören ebenfalls zum Konzept.

Bauboom rund um den Kö-Bogen in Düsseldorf FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

2003 Die Pläne sind so weit gediehen, dass sie auf der Immobilienmesse in Cannes präsentiert werden. Danach passiert zunächst nichts. Später rückt der damalige OB Joachim Erwin (CDU) von einem langen Autotunnel ab, stattdessen soll er bereits am Dreischeibenhaus enden. Der Abriss des Tausendfüßlers ist für ihn nicht zwingend, in einer Ausschreibung ist nur von einer "Perspektive" die Rede. In den nächsten Jahren entsteht die Unterteilung in zwei Bauabschnitte.
2007 Die schwarz-gelbe Mehrheit im Rat mit ihren damaligen Fraktionschefs Dirk Elbers und Marie-Agnes Strack-Zimmermann, den Verkehrsexperten Andreas Hartnigk (CDU) und Manfred Neuenhaus (FDP) stellt sich in zwei Punkten gegen Erwin: Die Autotunnel sollen bis zum Theatermuseum verlängert, die Hochstraße definitiv abgerissen werden. Das Ganze mündet in einen Grundsatzbeschluss im Stadtrat.

2008 Die Stadt schreibt einen mit 150 000 Euro dotierten städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerb für Kö-Bogen II aus. Bedingung ist der Abriss des Tausendfüßlers. 28 Büros nehmen teil.

2009 Die Jury wählt acht Entwürfe aus. Sie werden im Foyer des Schauspielhauses ausgestellt, die Teams stehen den Bürgern Rede und Antwort. Im April entscheidet sich die Jury einstimmig für den Entwurf des Kölner Architekten Juan Pablo Molestina und des Düsseldorfer Landschaftsarchitekten Thomas Fenner. Er sieht vier neue Baufelder am Rand des Gustaf-Gründgens-Platzes vor, einen Neubau auf der Tuchtinsel, südlich davon ein Hochhaus. In der Form des Tausendfüßlers ist ein begrünter Boulevard geplant, an dessen Anfangs- und Endpunkt je ein Pavillon steht. Die Jury kritisiert das Baufeld 4 direkt am Dreischeibenhaus als zu massiv und fordert Nachbesserung.
2011 Der Rat fasst den Grundsatzbeschluss für Kö-Bogen II – mit CDU-FDP-Mehrheit. Der Landeskonservator ist gegen den Abriss des Tausendfüßlers und führt deshalb einen Ministerentscheid herbei.

2012 Der Landesminister holt ein Gutachten ein und entscheidet sich im Juni für den Abriss.

2013 Der Tausendfüßler wird abgerissen, der Bau des Tunnels startet. Fast zeitgleich wird wieder das Baufeld 4 Thema. CDU und FDP drängen mit einem Antrag darauf, dass das Volumen reduziert wird. Bei einem Interview mit RP und center.tv stellt OB Dirk Elbers das Baufeld und sogar die gesamte Randbebauung zur Disposition. Ein Grund ist, dass das Umlegungsverfahren problematisch ist. Die Diskussion darüber, wo, was und wie viel gebaut wird, beginnt erneut.

 

Quelle: RP
 
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