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Düsseldorf
Die Heimatfotografin

Düsseldorf: Die Heimatfotografin
Regina Schäfer ist als Fotografin von lokalen Festivitäten sehr gefragt. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Die 86-jährige Regina Schäfer hält die meisten Ereignisse im Düsseldorfer Norden mit ihrer Kamera fest. Von Christopher Trinks

Auf die Frage, was Heimat für sie bedeutet, hat Regina Schäfer eine klare Antwort: "Einfach alles!", entgegnet die 86-Jährige. Ein Blick auf die Wände ihres Lohhausener Backsteinhäuschens, in das sie vor 56 Jahren nach der Heirat mit Adolf Schäfer eingezogen war, unterstreicht die Aussage. Die Tapete ist kaum noch zu sehen. Stattdessen reihen sich Ehrenauszeichnungen, Jubiläumsplaketten und Karnevalsorden dicht an dicht aneinander. Es sind mittlerweile so viele geworden, dass Schäfer damit beginnen musste, einige auszusortieren.

Eine Auszeichnung jedoch ist ihr ganz besonders wichtig und darf daher auch weiterhin den Ehrenplatz auf dem Wohnzimmertisch einnehmen. Gemeint ist eine goldene Kamera, mit der der Heimat- und Bürgerverein Lohausen-Stockum sie als "Heimat- und Hoffotografin" auszeichnete. Denn die unverwüstliche Seniorin macht es sich bereits seit 40 Jahren zur Aufgabe, alle besonderen Ereignisse im Stadtteil zu dokumentieren und fotografieren.

Ob Pfarrweihen, Vereinsjubiläen oder Karnevalssitzungen - es findet kaum eine Veranstaltung im Dorf statt, bei der Regina Schäfer nicht mit ihrer Leica-Kamera vor Ort ist. Und das über die Grenzen von Lohausen hinaus: "Ich bin im ganzen Nord-Angerland aktiv", sagt Schäfer. Die Fotografie als Hobby entdeckte sie allerdings erst durch einen Schicksalsschlag für sich. 1967 kam ihre Tochter Ursula mit einem unheilbaren Herzfehler zur Welt, der bis dato noch weitgehend unbekannt in der Medizin war. Schäfer entsprach der Bitte der Ärzte, die Entwicklung und den Fortschritt der zu 100 Prozent schwerbehinderten Tochter mit Fotos zu dokumentieren. Zu diesem Zweck kaufte sie sich eine kleine Kamera für 100 Mark. "Das war damals noch sehr viel Geld", erinnert sich Schäfer zurück. Als dann das 50. Bestehen der ersten Schützengarde in ihrem Geburtsort Hamm anstand, knipste sie einfach drauf los - und hörte nicht mehr damit auf. "Fortan hieß es nur noch: Regina, mach noch mal die Fotos, die waren doch so schön", erzählt Schäfer in ihrem wunderbar-rheinischem Dialekt.

Dabei schien das Engagement im Vereinswesen ihr bereits in die Wiege gelegt worden zu sein. Aufgewachsen in einer großen Schützenfamilie in Hamm und eingeheiratet in eine noch größere in Lohausen ist Schäfer mit dem Schützenbrauchtum fest verwurzelt. Zudem nimmt sie nach wie vor jeden Montag den weiten Weg in den Süden Düsseldorfs auf sich, um im Cäcilia-Kirchenchor mitsingen zu können, wie sie es bereits seit 70 Jahren tut. Der Glaube an Gott sei ein zentraler Faktor in ihrem Leben, der ihr bei der selbstständigen Pflege ihrer Tochter viel Kraft gab. Ihr zweites Talent, das Dichten, entdeckte Schäfer bei der Arbeit an der Kirchenchronik. Das Schreiben der Heimatgedichte bereitete der gelernten Bäckereifachverkäuferin so viel Freude, dass Schäfer sich 1962 bei einer Karnevalssitzung der KFD in die Bütt wagte - die sie erst 52 Jahre später wieder verließ.

Wie viele Jahresalben Schäfer für die verschiedenen Vereine mit ihren Fotos bereits gefüllt hat, kann sie nicht genau sagen. Und die nächsten Bilder sind bereits im Auftrag. Unter anderem hat die Internationale Schule für ihr 50-jähriges Jubiläum angefragt. "Für die nächsten Monate bin ich also erst einmal wieder voll ausgebucht", sagt Schäfer.

Quelle: RP
 
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