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Düsseldorf
"Die Hilflosigkeit der Anderen ist beängstigend"

Düsseldorf: "Die Hilflosigkeit der Anderen ist beängstigend"
Michael Szentei-Heise FOTO: Stadt
Düsseldorf. Es ist kein guter Tag für Michael Szentei-Heise. Seit er 16 war, ist der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Mitglied der SPD. Er hat sie zum ersten Mal nicht gewählt. "Die Partei ist für einen Juden unwählbar geworden", sagt er. "Sie steuert auf einen klar antisemitischen Kurs zu, sie zeigt eine israelfeindliche Haltung." Szentei-Heise nennt Sigmar Gabriel, der Israel ein "Apartheid-Regime" nannte, und Andrea Nahles, die Gemeinsamkeiten der Fatah und der SPD beschwor. "Die SPD hat in doppelter Hinsicht vergessen, woher sie kommt", sagt Szentei-Heise, und er meint nicht nur die Wurzeln in der Arbeiterbewegung, sondern auch die jüdischen Mitbegründer der Partei. "Dafür hat sie die Quittung bekommen."

Es ist kein guter Tag für die jüdischen Gemeinden in Deutschland. Düsseldorf ist die drittgrößte, und ihr Geschäftsführer denkt nicht daran, das Ergebnis der AfD zu beschönigen. "Es ist beängstigend, dass wieder Nazis im deutschen Parlament sitzen", sagt er, "und noch viel beängstigender ist es, mitanzusehen, wie hilflos die anderen Parteien damit umgehen." Schon im Wahlkampf habe die AfD die Themen diktiert, mit Unterstützung der Medien, denen Szentei-Heise ein "gerüttelt Maß an Mitverantwortung" für den Erfolg der AfD zuschreibt. "Dass sich das im politischen Alltag fortsetzen könnte, macht mir große Angst."

(sg)
 
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