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Kolumne Auf Ein Wort
Die innere Unruhe aushalten

Düsseldorf. Während ich diese Zeilen formuliere, stelle ich mir gerade vor, wie Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, diese Zeitungsseite lesen. Vielleicht schauen Sie nur kurz auf das Bild, wer zu Ostern in der RP schreibt. Vielleicht überfliegen Sie grob die Zeilen auf der Suche nach interessanten Artikeln oder nehmen sich doch die Zeit, den ganzen Beitrag zu lesen. Möglicherweise sitzen Sie gerade gemütlich mit der Familie, mit dem Partner, mit der Partnerin oder allein am Frühstückstisch, innerlich darauf eingestellt, gleich noch einzukaufen, das Auto in die Waschanlage zu bringen, die Wohnung aufzuräumen, vielleicht auch zu dekorieren, kurzum alles zu tun, was der Vorbereitung des Osterfestes und dem, was Sie damit verbinden und was Sie an Ostern vorhaben, dient. Das macht man ja so am heutigen - ja, was für einen Tag haben wir eigentlich heute?

Die meisten nennen den heutigen Tag Ostersamstag, und damit wird deutlich, welchen Charakter dieser Tag für viele hat: die Schwelle zum Osterfest. Alles ist schon davon geprägt, dass Ostern wird oder sogar schon ist. Tatsächlich ist der Ostersamstag erst in einer Woche, nämlich der Samstag nach Ostern. Der heutige Tag heißt Karsamstag. Während wir an Ostern, genauer in der dem Ostersonntag vorausgehenden Nacht, die Auferstehung Jesu Christi feiern, ist der Samstag davor - der Tag nach dem Karfreitag, an dem Jesus Christus am Kreuz gestorben ist, vom Kreuz abgenommen und ins Grab gelegt wurde - der Tag der Grabesruhe, ein Tag der Stille. Für uns als Christen ist es dann auch ein Tag des Wartens auf die Auferstehung, des Wartens auf die Feier der Osternacht. Aber diese Grabesruhe, dieser Karsamstag, wird vielfach übersprungen, zum Ostersamstag gemacht, an dem man alles für Ostern vorbereitet. Weil - sogar für uns Christen - Grabesruhe so schwer auszuhalten ist, Tod so schwer auszuhalten ist. Weil wir keine Spaßbremsen sein möchten. Aber vor allem weil wir die Unruhe, die Unsicherheit, den Zweifel in uns nicht gerne aufkommen lassen. Und zwar am besten nie. Also bitte auch keinen Karsamstag. Oder ist es nicht vielmehr so, dass wir wenigstens einmal im Jahr eine solche heilsame Unruhe der vermeintlichen Grabesruhe brauchen? Dass wir es brauchen, uns unruhig machenden Fragen zu stellen, die aber genau an die Tiefe dessen rühren, was unser Leben wirklich ausmacht?

Ist der Karsamstag zwischen Karfreitag und der Osternacht da nicht im Grunde ein sicheres Terrain, weil wir da, zum Glauben eingeladen, von DEM in unserem bangen Fragen gehalten sind, der am Kreuz den Tod besiegt und in seiner Auferstehung uns ewiges Leben versprochen hat? Und der uns mit unserm bangen Fragen eben nicht allein lässt, sondern als der längst Auferstandene bei uns ist? Auch sonst im Leben können wir dem Schweren, den Unsicherheiten, dem Leid nicht einfach ausweichen oder es gar überspringen. Vielleicht können wir an Karsamstag schon mal üben, wie es geht, Grabesruhe und innere Unruhe auszuhalten, wenn es für uns einmal ernst wird und dann wohl auch noch unerwartet.

Ich wünsche Ihnen einen guten Karsamstag und dann auch ein frohes Osterfest.

Quelle: RP
 
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