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Düsseldorf
Die junge, aber nicht wilde Angela Erwin

Düsseldorf: Die junge, aber nicht wilde Angela Erwin
Angela Erwin in der Esprit-Arena. Sie meint, das Stadion werde schlecht vermarktet. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Die neue Vize-Chefin der CDU ist ein Parteikind - und steht vor der ersten Bewährungsprobe. Von Arne Lieb

Als Angela Erwin bei Helene Fischer im ISS Dome war, hat sie sich geärgert. Woanders tritt die Schlagerkönigin in Stadien auf, in Düsseldorf kommt sie nur in die Halle, während es in der Arena kaum hochkarätige Konzerte gibt. "Die Arena ist ein Juwel, dessen Potenzial nicht genutzt wird", sagt Erwin.

Sie hat das Stadion als Ort für ein Gespräch vorgeschlagen. Die Arena sei ein Ort, der etwas über sie erzähle. Weil der Düsseldorfer Sport eines der Themen sei, die sie politisch bewegen. Und weil sie zur Fortuna geht, seit sie die Spiele noch von den Schultern ihrer Eltern verfolgt hat.

Natürlich ist die Esprit-Arena auch untrennbar mit ihrem Vater verbunden. Oberbürgermeister Joachim Erwin war die treibende Kraft dabei, das Rheinstadion durch den Neubau zu ersetzen. Das war nicht der Grund, sich in dem Stadion zu treffen, sagt Angela Erwin. Der Bezug zu ihrem Vater stört sie aber auch nicht. Er sei ihr "politisches Vorbild", sagt sie.

In dieser Woche hat Angela Erwin einen großen Schritt getan, um sich selbst einen Namen zu machen. Sie ging als Siegerin aus dem chaotischen Parteitag am Montag hervor. Sie wurde mit 93,1 Prozent der Stimmen zur neuen Vize-Chefin des Kreisverbands gewählt. Jetzt hat sie zum ersten Mal ein Amt, in dem sie sich auf großer kommunalpolitischer Bühne bewähren kann - und vielleicht ist es ein Sprungbrett für die höheren Aufgaben, die sie anstrebt. Man sagt ihr nach, sie wolle im Jahr 2017 für den Landtag kandidieren, sie selbst sagt dazu derzeit nichts.

Wofür sie politisch steht, hat sie noch kaum zeigen können. Als Stadtrats-Kandidatin in Friedrichstadt kümmerte sie sich um Stadtteilthemen wie fehlende Parkplätze, in diesen Tagen, das weiß sie, sind in der Partei keine Lautsprecher gefragt. Sie sagt Dinge wie, dass man den "Dialog in der Partei intensivieren" und "wieder verlässlicher Ansprechpartner" werden müsse. Solche wohlklingenden Sätze mit Leben zu füllen, wird ihre Aufgabe.

Die Delegierten haben am Montag eine bemerkenswerte Wahl getroffen. Der neue CDU-Vorstand ist überraschend jung für eine Phase, in der die Partei sich selbst sucht. Jarzombek (42 Jahre) wird vertreten von Angela Erwin (35) und Peter Blumenrath (30). Die Wahl steht aber auch für Sicherheit - es sind keine jungen Wilden, die in den kommenden zwei Jahren den Kreisverband führen und verhindern sollen, dass man sich zerlegt wie einst die SPD. Die neuen Vorsitzenden sind Parteikinder, die den Apparat bis in feinste Verästelungen kennen.

Das gilt für niemand mehr als für Angela Erwin. Sie sagt, sie sei "mit Politik aufgewachsen". Schon ihre Eltern haben sich in der CDU kennengelernt, Mit 17 Jahren trat sie in die Junge Union (JU) ein, 2006 in die CDU. Sie hat im Familienrat die Wahlkämpfe ihres Vaters mit geplant und sich im Jura-Studium an der Heine-Uni im konservativen RCDS engagiert. Sie war auch Messdienerin und 2002 Venetia, für die Karriere auch nicht zu unterschätzen. Sie arbeitet heute als Rechtsanwältin, ist Partnerin in der Rechtsanwaltsgesellschaft Mütze Korsch.

Als sie im vergangenen Jahr erstmals für den Rat kandidierte, verpasste sie um 20 Stimmen den Sieg. Sie trat in Friedrichstadt an, wo auch ihr Vater seine politische Laufbahn begonnen hat. Die Junge Union, der sie mit 35 Jahren gerade entwächst, hat sie für den Vize-Parteivorsitz vorgeschlagen - für eine Verjüngung der Partei, aber auch für Ruhe im Vorstand. Erwin und Jarzombek kennen sich schon aus Zeiten, als Jarzombek JU-Chef war, offenen Streit erwartet niemand.

Parteifreunde loben eine klare Denke und viel Selbstdisziplin. In Erinnerung ist die Rede geblieben, die sie auf der Trauerfeier ihres Vaters gehalten hat - und die damals schon viele mutmaßen ließ, dass sie in die Politik gehört. Sie habe die Warmherzigkeit ihrer Mutter Hille geerbt, sagt sie selbst über sich. "Aber auch das Durchhaltevermögen von meinem Vater."

Wenn man mit ihr über die kommunalpolitische Großwetterlage redet, dann ahnt man, dass wirklich viel Joachim Erwin in ihr steckt. "Düsseldorf muss stark und stolz bleiben", sagt sie. Das Stadtmarketing müsse man verbessern und DAX-Konzerne anziehen, Düsseldorf zur "Wohlfühlstadt" machen und in "Masterplänen" denken, wie es die schwarz-gelbe Mehrheit vorgemacht habe. Und eben auch Glanz in die Arena holen. Das alles geschehe nicht mehr, seit Thomas Geisel im Amt sei, sagt sie. "Er hat keine Visionen."

Quelle: RP
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