| 00.00 Uhr

Serie 11 Freunde
"Die Jungs wollen einfach spielen"

Serie 11 Freunde: "Die Jungs wollen einfach spielen"
Manfred Scheffer (44) trainiert die 3. Mannschaft beim Sportring Eller 1892. In dieser Saison lief es nicht gerade rund: Am Ende stand der letzte Platz mit einem Torverhältnis von minus 102. Trotzdem will der Trainer nicht aufgeben. "Ich finde Fußball enorm wichtig für die Jungs", sagt er. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Wir haben die Zeit bis zur EM mit Fußballgeschichten aus Düsseldorf überbrückt. Heute der letzte Teil: Manfred Scheffer (44) trainiert eine Mannschaft, die in einer Saison 125 Gegentore kassiert hat und letzte wurde. Warum seine Arbeit trotzdem Spaß macht - und wichtig ist.

Herr Scheffer, wie ist die Saison für Ihre Mannschaft gelaufen?

Manfred Scheffer Mein Co-Trainer und ich trainieren zwei Mannschaften beim Sportring Eller 1892, beide spielen in der Kreisliga C. Bei der zweiten Herrenmannschaft ist es ganz gut gelaufen: Wir haben unser Saisonziel, einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen, geschafft. Bei der dritten Herrenmannschaft ist die Frage ein wenig schwieriger. Wie soll es schon gelaufen sein, wenn man auf dem 13. Platz liegt? Und das auch nur, weil die zwei Mannschaften unter uns zurückgezogen haben.

Jede Mannschaft hat vorne oder hinten ihre Schwachstellen. Wie war es bei Ihnen?

Scheffer Da reicht ein Blick auf die Statistik: Wir haben 23 Tore geschossen und 125 Gegentore kassiert. Am Ende steht ein Torverhältnis von minus 102. Das ist vorne zu wenig und hinten zu viel. Wir haben Spieler, die zuverlässig sind und gerne mehr wollen, technisch aber, sagen wir, begrenzte Fähigkeiten haben. Und dann gibt es auch noch ein paar Spieler, die technisch besser sind, bei denen es aber an der Disziplin und Konzentration hapert. Man kann also sagen, dass wir überall unsere Probleme hatten.

Die Saison hat dabei gar nicht so katastrophal begonnen. Gegen den FC Bosporus Düsseldorf gab es nur eine knappe Niederlage.

Scheffer Das stimmt, das Spiel ist am Ende 1:2 ausgegangen. Wenn man Glück hat, macht man da sogar noch den Ausgleich. Aber, und da muss man ehrlich sein, wir hätten auch höher verlieren können.

Direkt im zweiten Spiel hat es mit 0:13 dann die höchste Saisonniederlage gegeben, auswärts beim ESV Blau-Weiß Düsseldorf. Was ist da passiert?

Scheffer Es fängt immer mit Kleinigkeiten an. Ein frühes Gegentor, die Jungs halten sich nicht an das System, das wir vorher besprochen haben, plötzlich fängt der Libero an zu fummeln und verliert den Ball. Ein anderer macht es ihm nach, schon steht es 2:0. Und dann nimmt so ein Spiel eben seinen Lauf.

0:8, 2:12, 0:7. Die Mannschaft hat eine ganze Reihe hoher Niederlagen kassiert. Müsste sich das Team nicht defensiver einstellen?

Scheffer Wenn andere Mannschaften 0:3 oder 0:4 hinten liegen, stellen sie sich hinten rein, um nicht komplett unterzugehen. Bei uns ist das anders. Die Jungs spielen bis zum Ende mit offenem Visier - und sind hinten entsprechend offen. Wenn ich denen sage: Haut den Ball doch mal ins Aus, dann machen die das nicht. Die wollen einfach spielen.

Sie haben zwei Unentschieden und zwei Siege erspielt. Das beeindruckendste Ergebnis dürfte Ihnen am 29. Spieltag gelungen sein. Ein 2:1 gegen den Vizemeister KSC Tesla 07.

Scheffer Das war wirklich ein verrücktes Spiel. Unser Torwart ist über sich hinausgewachsen, hat fast alles gehalten, was auf seinen Kasten gekommen ist. Schon nach zwei Minuten hätten wir hinten liegen können. Dann hatten wir aber zwei Kontermöglichkeiten und haben die Dinger reingemacht. Wir haben uns sogar nach dem Ausgleich noch einmal zurückgekämpft. Manchmal liegt es eben an ein oder zwei Leuten. Tesla hat uns von Anfang an komplett unterschätzt - aber wir haben es gut gemacht und ein bisschen Glück gehabt.

Haben Sie im Laufe der Saison eine Entwicklung gesehen?

Scheffer Ja, auf jeden Fall. Auch wenn man das nicht immer sofort an den Ergebnissen gesehen hat: In der Woche nach dem Spiel gegen Tesla hat es sofort wieder eine hohe Niederlage gegeben, weil die Spieler dachten, es läuft jetzt so, wie sie wollen. Aber wir kommen in kleinen Schritten voran. Wir versuchen, hinten länger die Null zu halten oder unser System besser zu spielen.

Wie ist nach so einer Saison die Stimmung in der Mannschaft?

Scheffer Eines muss man sagen: Ich kenne keine andere Mannschaft, die bei solchen Ergebnissen noch so eine Moral zeigt. Wir trainieren zweimal in der Woche, da kommen immer 15 bis 16 Leute. Da muss man auch mal ein Kompliment aussprechen.

Andere Trainer hätten längst schon hingeschmissen.

Scheffer Ich finde Fußball enorm wichtig für die Jungs. Den Stolz, den man sieht, wenn sie Kapitän sind, ein Tor schießen oder ein Spiel gewinnen. Manche haben Probleme beim Job oder zu Hause, hier bin ich der Einzige, der schreit (Scheffer lacht). Außerdem macht es einfach Spaß mit ihnen. Andere Vereine haben ihre dritte Mannschaft schon längst zurückgezogen, das ist bei uns glücklicherweise noch nicht so. Alle sollten doch die Möglichkeit haben, Fußball zu spielen. Und darum werde ich auch bis zuletzt um den Erhalt der Mannschaft kämpfen.

Ludwig Krause stellte die Fragen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Serie 11 Freunde: "Die Jungs wollen einfach spielen"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.