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Kolumne "Made in Düsseldorf"
Die Kö muss besser vermarktet werden

Bauprojekte - so verändert sich Düsseldorf
Bauprojekte - so verändert sich Düsseldorf FOTO: Meyer Schmitz Morkramer Architekten
Düsseldorf. Die Königsallee ist Düsseldorfs Aushängeschild. Doch Anrainer und Händler genießen den Ruhm vergangener Tage. Es fehlen etwa Gastronomie und Illumination. Der Fußweg ist ein Matschpfad. Von Thorsten Breitkopf

Keine Adresse steht so sehr für Düsseldorf wie die Königsallee. Sie symbolisiert die Stadt über ihre Grenzen hinaus, und auch über die des Landes. Sie steht für Mode, Luxus, Damen mit Hündchen, dicke Autos, Banken und Schicki-Micki. Viele Vorurteile, die sich über Düsseldorf gebildet haben, haben in Wahrheit ihren Ursprung am Kö-Graben.

Leser zu den Kö-Papageien: "Düsseldorf ist halt die Stadt der bunten Vögel" FOTO: Alex Mensen

Nicht umsonst sang Herbert Grönemeyer in der Ruhrpott-Hymne Bochum gerichtet an Düsseldorf: "Auf deiner Königsallee finden keine Modenschauen statt. Hier, wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld. Wer wohnt schon in Düsseldorf!" Das war als Spott gemeint. Doch genau das ist die Kö. Der Ort, wo man hinfährt, weil man das große Geld hat. Oder weil man es mal sehen will. Oder weil man sich mal kurz so fühlen möchte, als hätte man es.

Doch das Lied ist 30 Jahre alt. Während die Welt sich verändert hat, ist die Kö trotz neuer Geschäfte das geblieben, was sie war. Langsam ist vieles auf der Kö nicht nur versnobt, sondern verstaubt. Es fehlen Dinge, die in anderen Einkaufsstraßen Normalität sind. Erstes Beispiel: Gastronomie. Die Kö hat auf ihrer Einkaufsseite ein paar Kaffee-Läden, darunter eine US-Kaffeekette, und das Maredo-Steakhaus. Nachtleben oder Abendflair: Fehlanzeige. Nach Geschäftsschluss ist die Kö so leer wie der Grafenberger Wald. Zu teuer seien die Mieten für Gastro, sagen die Anrainer. Sie haben recht. Aber ohne Gastronomie werden die Kunden vielleicht bald woanders hingehen. Die Kö-Cafés brauchen eine Art Quersubventionierung durch die Eigentümer der Immobilien, die angesichts hoher Mieten sehr gut verdienen.

Fotos: Düsseldorf vor 100 Jahren - Vergleich früher und heute FOTO: Bretz, Andreas

Zweites Manko: Wer als Fußgänger am Kö-Graben entlang schlendert, hat zwei Alternativen: Auf dem Radweg von einem Fahrradfahrer überrollt zu werden oder sich daneben die Lederschuhe im roten Matsch zu verdecken. Ein Unding.

Nummer drei: Wenn eine Marke Düsseldorfs im Ausland bekannt ist, dann die Kö. Aber warum wird sie nicht stärker beworben? Die Kö profitiert weniger von den vielen Tagestouristen als von Arabern und Russen, die für die Kö in den Jet steigen. Die Kö muss für sich werben durch moderneres Flair und Auslandsmarketing. Sie darf sich nicht verstecken, sondern sollte dabei mit ihrem Schicki-Micki-Image spielen. Denn das wollen jene, die zur Kö kommen. Hat die DMT mal wieder geschlafen? In diesem Fall nicht. Denn sie vermarktet die ganze Stadt. Es ist die Aufgabe der Kö-Anrainer, Vermieter und Händler, ihre Straße zu präsentieren. Genau diese Gruppe sollte sich nicht zurücklehnen und denken "Es läuft doch grade". Denn wenn einige der großen Marken gehen, dann ist das für die Kö ein Schlag. Dass nicht alles läuft, was die Adresse Kö erhält, sieht man an Abercrombie & Fitch. Dort bleiben die Kunden inzwischen fern.

Quelle: RP
 
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