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Düsseldorf
Die Krux mit den SUVs auf der Kö

Düsseldorf: Die Krux mit den SUVs auf der Kö
Ein Mercedes-G-Klasse-Geländewagen auf der Königsallee ist bei weitem kein ungewöhnlicher Anblick. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Obwohl die Kö keine Schotterpiste ist, steuert ein ehrheblicher Teil der Kundschaft die Nobel-Boutiquen mit geländegängigen Fahrzeugen an. Ein Diesel-Verbot würde viele von ihnen aussperren. Den Ärger bekäme die Politik zu spüren. Eine Kolumne.  Von Hans Onkelbach

Wieso hat denn keiner Mitleid mit Düsseldorfer Fahrern von Cayenne, Q7 und Co.? Immerhin müssen sie mit der Angst leben, bald vom Diesel-Fahrverbot für Innenstädte gestoppt zu werden. Stuttgart hat es bereits umgesetzt, Düsseldorf grübelt noch, ob und wie es damit die Luft sauberer machen könnte. Klar - Cornelius- oder Ludenberger Straße sind das Gegenteil von Kurorten, ein paar andere City-Routen ebenfalls. Daher will man zumindest den Dreck vermeiden, den die Diesel raushauen. Dass die hier täglich vorbei tuckernden Frachtkähne auf dem Rhein achtern ein Vielfaches an Feinstaub hinterlassen - geschenkt. Schiffe kann man halt nicht zwingen, ab Urdenbach oder Wittlaer einen Bogen zu machen. Also sollen es die vielen privaten Autofahrer ausbaden, obwohl man sie bis zuletzt mit allerlei Vergünstigungen zu Dieseln gelockt hat. Von den tausenden Handwerkern mit ihren Lieferwagen ganz zu schweigen.

Dass unser grüner Umweltminister beim Verbot für die Diesel neuerdings zurückrudert, hat allerdings viele verblüfft. Ist es der bevorstehende Wahltermin, der den Grünen angesichts Millionen wütender Dieselfahrer schwarz sehen lässt? Jedenfalls wirbelte er eine Menge Staub auf, als er sagte, eigentlich sei er gegen ein Fahrverbot, man müsse andere Lösungen finden.

Womöglich aber ist ihm zudem klargeworden, noch eine ganz andere Klientel vor die Wand fahren zu lassen: eben jene SUV-Fahrer. Dass unter denen der Anteil der Grün-Wähler ziemlich hoch ist, war vor Jahren das allseits bestaunte Resultat einer Umfrage - danach gibt es eine Menge pekuniär großvolumig versorgter Menschen mit Porsche-Cayenne oder Range Rover vor der Tür und dem Familienticket für den nächsten Intercont-Flug in der Tasche, deren Gewissen mit vermeintlich tiefgrünem Gedankengut beruhigt wird. Ihre Nähe zur Natur dokumentieren sie gern mit einem Auto, das - umfassend ausgestattet inklusive Klappspaten und Luftschnorchel - notfalls geeignet wäre, über Stock und Stein, durch Wasser, Wald und Wiese zu ackern.

Und die sollen nun auf die sehr beliebte Fahrt über die Kö verzichten? Es könnte so kommen, und daher wird es Zeit, auch auf diese Zeitgenossen Rücksicht zu nehmen. Schließlich rollen jeden Tag Hunderte wuchtige Karossen mit Allradantrieb, grobstolligen Reifen, aufwendiger Wat-Technik und Sperrdifferential in die Innenstadt. Sackgroße Tüten von Hermes, Prada, Louis Vuitton oder die kleinen, feinen von Heinemann wollen schließlich kommod hinter der per Fernbedienung nach oben schwingenden Hecktür verstaut werden. Weil: Die Beute einer solchen konsumorientierten Adventure-Tour passt nur schwer in die knappen Gepäckfächer der sonst so gern genutzten 911er Porsche oder 3er-BMW-Cabrio. Sollen diese Leute, echt alternativ, vielleicht mit der Straßenbahn oder dem Fahrrad in Richtung Kö starten? Eine Idee, bei der die Grünen besser schnell vom Gas gehen, sonst geben diese Stimmen den Ausschlag zu einem politischen Boxen-Stopp.

Der Einwand, ein Teil der Kö-Kutschen habe doch einen Benzin-Motor, sei somit nicht betroffen, zieht nicht. Denn tatsächlich wird die Mehrheit dieser Wagen von einem dezent nagelnden, leider jetzt trotzdem verpönten Selbstzünder angetrieben. Das hat viel mit Zeitgeist und nichts mit Sparsamkeit zu tun, außerdem mit einer besonderen Eigenschaft dieser Motorentechnik: Sie vermittelt dank gewaltigem Drehmoment den Eindruck unbändiger Stärke, kombiniert mit einem fast schon erotisch-stimulierenden Grummeln beim Tritt aufs Gas. Männer lieben sowas. Und die entscheiden beim Kauf des Wagens über die Motorisierung, während viele Frauen (sorry, Macho-Spruch!) der Unterschied zwischen Diesel und Benzin eh nicht interessiert und sie nur darauf pochen, für die Lackierung und die Farbe der Ledersitze zuständig zu sein.

Quelle: RP
 
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